Fussball

Abschiedsstimmung bei Absteiger Aue

SID
Was wird aus Aue-Coach Tomislav Stipic?
© getty

Auch ein Kopfballtor von Torhüter Martin Männel hat den Abstieg von Erzgebirge Aue nicht verhindern können. Es wird einen Umbruch geben, die Zukunft von Trainer Tomislav Stipic ist ungewiss.

Am Tag nach dem bitteren Abstieg in die Drittklassigkeit herrschte bei Erzgebirge Aue eine bleierne Abschiedsstimmung. Trainer Tomislav Stipic und Präsident Helge Leonhardt versammelten die Mannschaft am Pfingstmontag zu einem letzten Gespräch in der Kabine. Danach räumten viele Spieler ihre Spinde und verließen mit Rollkoffern wohl für immer das Vereinsgelände.

"Für mich ist es der erste Abstieg, das ist ein Scheißgefühl. Ich habe wenig geschlafen", sagte Routinier René Klingbeil einen Tag nach dem 2:2 (0:0) beim 1. FC Heidenheim, der den zweiten Abstieg der Veilchen nach 2008 besiegelt hatte. Auch ein Kopfballtor aus dem Lehrbuch von Torhüter Martin Männel in der 89. Minute hatte am Ende nicht für die Rettung gereicht.

"Es ist absolut erschütternd. Nach dem 2:2 war ich felsenfest davon überzeugt, dass wir es noch ziehen", sagte Klingbeil noch immer tief enttäuscht. Auch für Teamkollege Clemens Fandrich brach eine Welt zusammen: "Wir sind am Boden zerstört. Am Ende entscheidet ein Tor über den Abstieg, das ist megabitter."

"Jetzt greifen wir wieder an"

Der mächtige Klubboss Leonhardt wollte die Trauerstimmung aber so schnell wie möglich beenden. "Über Nacht konnten wir trauern, jetzt greifen wieder an", sagte der schillernde Unternehmer am Montag. Ob Trainer Stipic, der in Aue noch einen Vertrag bis Ende Juni 2017 besitzt, das Projekt Wiederaufstieg anpacken wird, bleibt offen.

Unmittelbar nach dem Schlusspfiff in Heidenheim hatte der Kroate ein klares Bekenntnis zum Klub vermieden: "Es geht hier nicht um mich, es geht um den Verein. Ich habe die Zeit hier gelebt und genossen. Wie es weitergeht, kann ich nicht sagen."

Stipic hat in der Saison nicht alles richtig gemacht, die Mannschaft hat sich aber nie aufgegeben. Die Fans honorierten den unermüdlichen Einsatz ihrer Spieler und empfingen sie mit Applaus statt mit Pfiffen. "Ihre Reaktion war unglaublich. Es ist so wichtig, dass sie gemeinsam mit uns, dem Verein und den Sponsoren versuchen, schnell wieder in die 2. Liga zu kommen", sagte Michael Fink.

Es wird einen Umbruch geben

Ob der Routinier jedoch an Bord bleibt, ist fraglich. Die vielen Leihspieler werden ohnehin nicht zu halten sein, Leistungsträger wie Selcuk Alibas oder Patrick Schönfeld auch nicht. Es wird einen Umbruch in Aue geben, große Sprünge sind angesichts des nahezu halbierten Etats (von 12 auf rund 6,5 Millionen Euro) nicht möglich.

Rainer Milkoreit, Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV), sorgt sich deshalb. "Schlimmer hätte es nicht kommen können. Es ist sehr schmerzhaft, wenn von den wenigen Zweitligisten, die der Nordosten noch hat, auch noch einer absteigt", sagte der DFB-Vizepräsident dem SID.

Die 3. Liga wird mehr und mehr zu einer nordostdeutschen Fußball-Meisterschaft. Sollte Regionalligist 1. FC Magdeburg im Relegations-Duell gegen Kickers Offenbach den Aufstieg schaffen, würde der NOFV acht Drittligisten stellen. Zahlreiche Derbys zwischen ehemaligen DDR-Oberligisten versprechen volle Stadien.

Keine Weltuntergangsstimmung

"Die 3. Liga wird im Osten noch mehr an Brisanz gewinnen. Ich hoffe, dass sich am Ende auch einer durchsetzt und den Aufstieg schafft", sagte Milkoreit: "Wir sind weit davon entfernt, Weltuntergangsszenarien zu verbreiten. Aber unsere Vereine müssen sich der harten Konkurrenz stellen."

Aue wird es versuchen, mit dem ehrgeizigen Boss Leonhardt an der Spitze. Am Bau des neuen Stadions soll trotz des Abstiegs festgehalten werden, die Mannschaft trotz der geringeren Geldmittel konkurrenzfähig zusammengestellt werden.

Die 2. Liga im Überblick

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