Der nie geplante Kreis

Von Adrian Franke
Donnerstag, 28.05.2015 | 12:09 Uhr
Rouwen Hennings erzielte 17 Tore in der Saison 2014/2015
© getty
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Wenn der Karlsruher SC ab Donnerstag in der Relegation auf den Hamburger SV trifft (20.30 Uhr im LIVE-TICKER), ist es für Karlsruhes Topstürmer ein ganz besonderes Spiel: Rouwen Hennings träumte stets von der Bundesliga-Karriere beim HSV, ist inzwischen aber im Süden heimisch geworden. Für den 27-Jährigen schließt sich jetzt ein Kreis - und der Lohn des langen und häufigen Wartens winkt.

Wohlüberlegt waren die Worte, ohne Zweifel. Gleichzeitig schwappten aber auch Emotionalität und ein gewisser Stolz mit, als Rouwen Hennings vor dem Relegationsspiel gegen Hamburg in der Mopobetonte: "Der HSV ist mein Ausbildungsverein. Schon als kleiner Junge war ich häufig im Stadion. Ich wollte unbedingt HSV-Profi sein, darauf habe ich hingearbeitet. Leider hat das ja dann nicht so richtig geklappt."

Das Fazit "nicht so richtig geklappt" ist dabei aber doch deutlich untertrieben. Der tief im Norden verwurzelte Hennings hatte als 14-Jähriger eigentlich schon den ersten großen Schritt zur Erfüllung seines großen Wunsches gemacht, als er zum HSV wechselte. Doch es sollte kein einziger Profi-Einsatz für die Rothosen folgen.

Rundreise durch den Norden

Insgesamt sieben Jahre verbrachte der Teenager bei seinem Traumklub, ab 2005 durfte er regelmäßig in der Regionalliga für die zweite Mannschaft ran. Doch während er bei der A-Jugend noch ein sicherer Torgarant war, schaffte Hennings den finalen Durchbruch nicht. Mehr als acht Saisontore gelangen ihm für die zweite Mannschaft nie.

Und so startete eine Rundreise durch Norddeutschland. Ausleihen zum VfL Osnabrück (2008/09) und zum FC St. Pauli (2008/09) sowie der fixe Wechsel zum Stadtrivalen folgten.

200.000 Euro überwies Pauli 2009 an den HSV und doch schien es das Schicksal zunächst wieder nicht gut zu meinen: Hennings verpasste die U-21-EM, als Mesut Özil, Jerome Boateng, Manuel Neuer und Co. den Titel holten, weil er an Pfeifferschem Drüsenfieber erkrankt war.

Auch bei St. Pauli klappte der letzte Schritt in der Folge nicht. Zwölf Tore in 77 Spielen - für einen Stürmer keine Wunsch-Ausbeute. Zwar stieg er mit den selbsternannten Piraten 2010 auf und betont noch heute mit Blick auf die Hamburger Klubs: "Klar, dass ich zu beiden Klubs eine Bindung habe." Dennoch wusste er nach der zweiten Ausleihe zum VfL Osnabrück, dass ein Schnitt hermusste. "Ich hatte dreieinhalb schöne Jahre in Hamburg", erklärte Hennings seinen Wechsel in den Süden zum KSC, "habe mich aber für was Neues entschieden".

Die einfache Umstellung

Doch das Neue war schnell vertraut und Hennings gab zu: "Die Umstellung ist nicht schwer gefallen. Ich bin zwar zum ersten Mal komplett aus meinem Umfeld raus, aber meine Frau und meine kleine Tochter sind mitgekommen. Ich habe also das Wichtigste um mich. Wir fühlen uns wohl, die Menschen sind ein bisschen offener als im Norden."

Lediglich 50.000 Euro überwies Karlsruhe im Sommer 2012 für den Stürmer und der bodenständige Angreifer fand schnell auch bei den Fans Anklang. Mit 23 Scorer-Punkten hatte er maßgeblichen Anteil am Aufstieg in die 2. Liga vor zwei Jahren und auch in der folgenden Saison traf er zuverlässig. Allerdings schien das Schicksal schon wieder andere Pläne zu haben.

Der altbekannte Tribünenplatz

Zum Start der laufenden Spielzeit verlor Hennings plötzlich seinen Stammplatz und schaffte es in sechs der ersten acht Spiele nicht einmal in den Kader. "Ich hatte in Vorbereitung leider muskuläre Probleme, die sich etwas in die Länge gezogen haben. Von daher war mir schon klar, dass ich anfangs nicht mit dabei bin", erklärte er damals gegenüber den ka-news.

Allerdings hatte er sich wieder zurückgearbeitet und wähnte sich in verbesserter Verfassung - "aber dann war ich wieder aus dem Kader draußen". Und doch: Hennings ist kein Spieler, der den Kopf in den Sand steckt und einfach aufgibt. Er arbeitete viel und hart, schob Extra-Schichten und konnte sich stets auf die Unterstützung seiner Familie verlassen. Der Lohn sollte bald folgen.

"Fast so viele Tore wie der HSV"

Bis Mitte der Hinrunde hatte er sich seinen Stammplatz zurück erkämpft - und erzielte seit dem 17. Spieltag 16 Treffer. Die Begründung? Scheinbar einfach: "Ich bin topfit und profitiere davon, dass wir zuletzt mit nur einer Spitze spielten. Vieles war auf mich ausgerichtet. Mir persönlich mit meinen 1,81 Metern liegt Kombinationsspiel natürlich sowieso deutlich eher als wenn die Bälle hoch und weit durch die Gegend fliegen."

Im Januar wurde er bereits mit einem neuen Vertrag bis 2017 belohnt und Ende April, Hennings hatte gerade seine Saisontreffer 14 und 15 erzielt, ließ der Stürmer grinsend verlauten: "Ich habe fast so viele Tore wie der HSV." Doch während Selbstvertrauen noch nie sein Problem war, wirkt Hennings inzwischen auch fast tiefenentspannt. Intern gilt er als einer der Führungsspieler und KSC-Coach Markus Kauczinski lobte jüngst: "Ich glaube das Wichtigste für ihn ist, dass er als Charakter gereift ist und alles mit 100 Prozent macht."

Auch die ruhige, sachliche Art beim KSC sowie die unaufgeregte Erwartungshaltung kommen dem Nordlicht zweifellos zugute. "Dieser Realismus und diese Wertschätzung sind mir sehr angenehm", gab Hennings zu. Daher stellte er schon vor der Saison, als Hertha BSC interessiert gewesen sein soll, klar: "Natürlich will ich in die erste Liga. Aber mit dem KSC."

Der Kreis schließt sich

Jetzt hat er darauf die Chance und so schließt sich mit den Relegationsspielen gegen seine alte Liebe ein Kreis. "Ich habe vor, mit meinem Verein, dem KSC, aufzusteigen. Wer da jetzt Gegner ist, da kann ich nichts dafür", stellte er in der Bildklar: "Da ist es mir auch ziemlich egal, was da alles dranhängt. Wir haben eine geile Saison gespielt. Wir sind nicht unbedingt der Favorit, aber wir sind auch kein Kanonenfutter und fahren da nicht zum Besichtigen hin."

Zwar sei der HSV trotz allem Favorit, "sie haben die größere fußballerische Klasse. Aber das war es auch. Wir machen uns nicht kleiner als wir sind. Wir haben unsere Chance." Auf nostalgische Rücksicht sollte der HSV dabei nicht hoffen: Der 27-Jährige, der unter der Woche allerdings wegen einer Einblutung im Sprunggelenk kaum trainieren konnte, erzielte in dieser Saison in zwei Spielen drei Tore gegen St. Pauli.

Darunter war auch sein erster Saisontreffer und es wäre zweifellos eine besondere Pointe in Hennings' Karriere, sollte er jetzt zum Saison-Abschluss seinen Ex-Klub ins Fußball-Unterhaus befördern. Dass die Wortwahl anschließend auch so wohlüberlegt sein wird wie vor den beiden Duellen mit seinem einstigen Wunschteam darf definitiv bezweifelt werden.

Rouwen Hennings im Steckbrief

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