Heidenheim-Keeper Jan Zimmermann im Interview

"Ist doch scheißegal, ich lebe"

Von Interview: Adrian Fink
Dienstag, 19.05.2015 | 18:00 Uhr
Jan Zimmermann steht seit dieser Saison beim 1. FC Heidenheim zwischen den Pfosten
© imago
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Der 8. November 2014 veränderte sein Leben: Im Ligaspiel gegen den FC St. Pauli rauschte Jan Zimmermann mit Ante Budimir zusammen und wurde verletzt ausgewechselt. Wie sich in der Folge herausstellte, rettete dem Keeper des 1.FC Heidenheim genau dieser Zusammenprall womöglich das Leben - in seinem Kopf wurde nämlich ein Tumor entdeckt. Im Interview spricht der 30-Jährige über den Vorfall, die schockierende Diagnose und den Weg zurück in die Normalität.

SPOX: Herr Zimmermann, Sie sind am 8. November beim 3:0-Auswärtssieg beim FC St. Pauli in der 23. Minute mit Ante Budimir zusammengestoßen. Dieser Vorfall sollte Ihr Leben verändern. Wie geht es Ihnen heute?

Jan Zimmermann: Blendend. Ich bin gesund, munter und erfreue mich meines Lebens. Es mag abgedroschen klingen, aber ich bin jetzt einfach nur froh, gesund zu sein.

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SPOX: Wie haben Sie den Vorfall in Erinnerung?

Zimmermann: An die Aktion kurz zuvor kann ich mich noch gut erinnern, aber in der Situation selbst habe ich ihn nicht kommen sehen. Ich weiß, wie ich zum Ball gehe. Von da an habe ich ungefähr 20 Minuten nur noch vereinzelte Blitze im Kopf. Ich war komplett weggetreten und habe bis heute Gedächtnisverluste. Im Krankenhaus wusste ich nicht einmal mehr meine Adresse oder wo mein Handy im Mannschaftsbus liegt. Das war eine sehr verwirrende Situation.

SPOX: Diese Symptome können bei einer Gehirnerschütterung durchaus vorkommen. Doch die Diagnose war eine andere.

Zimmemmann: Genau, die habe ich erst nach dem MRT erfahren - allerdings noch im Konjunktiv. Erst nach dem Termin beim Spezialisten war klar, dass ich eine lebensbedrohliches, relativ großes Geschwulst im Hinterkopf hatte. Das war schwer zu begreifen, weil es keine Anzeichen dafür gab.

SPOX: Überfiel Sie die Panik?

Zimmermann: Nein, ich war nie in Panik. Ich war allerdings brutal überfordert, weil ich das einfach nicht greifen konnte. Mein Vater hat gesagt: 'Lieber einen diagnostizierten Tumor, als einen, der still und heimlich vor sich hinwächst'.

SPOX: Der Tumor wurde letztlich nur aufgrund des Zusammenstoßes entdeckt. Wie dankbar sind Sie Ante Budimir dafür?

Zimmermann: Natürlich werde ich den Namen Ante Budimir in meinem Leben nie vergessen. Gerade nach der Diagnose war ich extrem dankbar für den Tritt. Man muss sich nur überlegen, was da alles zusammengekommen ist: Mein Mitspieler spielt den Pass, den er eigentlich nicht spielen sollte, ich gehe zu einem Ball, zu dem man nicht unbedingt hin muss, Ante zieht durch. In Hamburg wollten sie mich noch behalten, aber ich war dagegen.Unser Mannschaftsarzt Dr. Mathias Frey hat aber Tage später darauf bestanden, dass ich den MRT mache. Bei so vielen Faktoren wäre es falsch, wenn ich nicht dankbar wäre.

SPOX: Würden Sie sagen, dass Budimir Ihr Leben gerettet hat?

Zimmermann: Ich tue mir schon schwer, ihm explizit zu danken. Er hat sich ja nicht gedacht: 'Den trete ich, um ihm zu helfen'. Genauso wenig verurteile ich ihn dafür. Es war eine normale Fußball-Situation.

SPOX: Der Zusammenstoß ist fast ein halbes Jahr her. Haben Sie noch Kontakt zu Budimir?

Zimmermann: Nein. Wenn ich das gemacht hätte, wäre das nur für den medialen Zweck und daher Aktionismus gewesen. Wir waren zuvor keine Freunde und daran hat sich auch danach nichts geändert. Mein größter Dank gilt dem Mannschaftsarzt Dr. Mathias Frey, weil er auf die Untersuchung gepocht hat, obwohl ich sie nicht für nötig hielt.

SPOX: Danach war klar, dass Sie operiert werden müssen. Wie ging es dann weiter?

Zimmermann: Wir haben den schnellstmöglichen OP-Termin gesucht. Das war der 26. November. Anfangs waren neben meiner Familie nur mein Trainer, mein Mannschaftsarzt und der Geschäftsführer eingeweiht. Wir haben gemeinsam beschlossen, dass wir das bis zur Operation nicht öffentlich machen.

SPOX: 13 Tage nach dem Zusammenstoß standen Sie beim 3:0-Sieg gegen Sandhausen sogar noch zwischen den Pfosten.

Zimmermann: Der Trainer hat mir freigestellt, ob ich spielen will, aber ich habe mich in der nötigen Verfassung gefühlt. Mir war allerdings wichtig, dass Spieler und Zuschauer nichts wissen, weil man unter solchen Umständen niemandem zumuten kann, ein Zweitligaspiel zu bestreiten. Das wäre für sie schlimmer gewesen als für mich. Nach dem Spiel habe ich die Jungs informiert und bin ab auf den OP-Tisch.

SPOX: Wie lange mussten Sie warten, bis Sie erfahren haben, dass Sie Glück im Unglück hatten?

Zimmermann: Ich wurde am Mittwoch danach operiert und Gott sei Dank wurde mir das schon am Freitag mitgeteilt. Ich hatte immer die innere Überzeugung, dass der Tumor gutartig ist. Die Leute haben mich schon für verrückt erklärt, weil ich so entspannt war. Insofern wurde mein Gefühl bestätigt und ich war natürlich extrem glücklich darüber.

SPOX: Als die Zeit der Genesung anstand, mussten Sie zunächst mit dem Fußballspielen pausieren. Wie erging es Ihnen da?

Zimmermann: Der Fußball ist schlagartig in den Hintergrund geraten. Es hat für mich keine Rolle gespielt, ob ich in vier Wochen oder erst in zwei Jahren wieder spielen kann. Es standen andere Dinge im Mittelpunkt, der Alltag war total anstrengend. Nicht von der körperlichen Müdigkeit her, aber mein Kopf war enorm schnell erschöpft. Drei Tage nach der Operation konnte ich das Handy wieder in die Hand nehmen, auch wenn nach zwei SMS Schluss war.

SPOX: Haben Sie sich einen Plan zurück in die Normalität zurecht gelegt?

Zimmermann: Ja - alles zu machen, was ich kann, aber ohne dabei zu übertreiben. Als ich zehn Minuten joggen konnte, war ich glücklich. Als ich das erste Mal eine Stunde am Fernseher ein Spiel anschauen konnte, war ich begeistert. Bei diesen kleinen Schritten habe ich Freude und Dankbarkeit empfunden. Bis Normalität einkehrte dauerte es ungefähr drei bis vier Wochen. Die Krönung war dann natürlich das erste Mal Torwarttraining.

SPOX: Was fühlen Sie, wenn Sie an diese Phase zurückdenken?

Zimmermann: Wenn ich die Geschichten erzähle, kommt es mir selbst krass vor. Das führt mir immer wieder vor Augen, was ich durchgemacht habe. Die Dankbarkeit, gesund zu sein, überwiegt. Wenn jemand zu mir kam und sagte, wie lange man wohl im Krankenhaus liegen muss, dachte ich nur: 'Hey, ist doch scheißegal, ich lebe!'.

SPOX: Hat der Tumor Sie verändert?

Zimmermann: Ja. Ich war zwar zuvor schon ein positiver Mensch, der das Glas immer halb voll gesehen hat. Doch der Vorfall hat diese Einstellung noch einmal verstärkt. Ich bin absolut dankbar und stehe jeden Tag glücklich auf.

SPOX: Und der Fußball, hat der noch die gleiche Wertigkeit für Sie wie vor dem Zusammenprall?

Zimmermann: Im Großen und Ganzen hat sich meine Einstellung zum Sport nicht verändert. Vielleicht bin ich durch diese positive Lebenseinstellung auch im Fußball generell demütiger. Ich war mir meiner exponierten Stellung, in der 2. Liga Erfahrungen sammeln zu dürfen, schon bewusst. Wenn jetzt aber eine harte Einheit ansteht und ein paar Spieler zu stöhnen beginnen, muss ich immer anfangen zu lachen. Dann denke ich mir: 'Ach Zimmermann, sei doch einfach dankbar, dass du das machen darfst'. (lacht)

SPOX: Welchen Zuspruch haben Sie vom 1. FC Heidenheim 1846 während dieser Zeit bekommen?

Zimmermann: Die Anteilnahme war überwältigend, ständig hatte ich Besuch von Mitspielern oder Verantwortlichen vom Verein. Das war alles andere als selbstverständlich.

SPOX: Am 1. März gaben Sie gegen Fortuna Düsseldorf Ihr Comeback. Mit welchen Gefühlen?

Zimmermann: Das hat schon während der Trainingswoche angefangen: Sich endlich wieder gezielt auf das Spiel vorzubereiten, wieder Spannung, wieder das Kribbeln, wieder mit Vorfreude zum Spiel fahren. Als die Fans mich mit Sprechchören gefeiert haben, war das natürlich Gänsehaut pur. Da hat sich der Kreis geschlossen.

SPOX: Kürzlich kam es zum Rückspiel gegen St. Pauli, Budimir stand allerdings nicht im Kader. Hätten Sie gerne ein paar Worte mit ihm gewechselt?

Zimmermann: Ja, klar. Das war sehr schade, ich hätte ihm gerne mit einem Augenzwinkern gedankt. So konnte er immerhin kein Tor gegen mich schießen.

Jan Zimmermann im Steckbrief

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