Ralph Hasenhüttl beim FC Ingolstadt

Mit Tempo gegen das Fehlerspiel

Von Adrian Franke
Montag, 18.05.2015 | 17:52 Uhr
Meister: Ralph Hasenhüttl führte den FC Ingolstadt in Liga 1
© getty
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Nach dem 2:1-Sieg über RB Leipzig war der Aufstieg des FC Ingolstadt in die Bundesliga endgültig perfekt und er trägt komplett die Handschrift von Trainer Ralph Hasenhüttl. Der Österreicher, der einst von Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger lernte, hat einmal mehr seine große Qualität unter Beweis gestellt - und der FCI darf sich dank Hasenhüttl auch im Oberhaus Hoffnungen machen.

Immer wieder waren die Schanzer angerannt, doch der erlösende Siegtreffer wollte einfach nicht fallen. Bis es nach einem verunglückten Leipziger Klärungsversuch ganz schnell ging: Konstantin Engel leitete die Kugel direkt nach vorne weiter, wo Alfredo Morales mit der Hacke ablegte und Stefan Lex, zugegebenermaßen unter der Mithilfe von RB-Keeper Benjamin Bellot, den erlösenden Siegtreffer erzielte. Der Aufstieg war endgültig perfekt.

Klammert man Bellots Patzer aus, war es ein sinnbildlicher Treffer für das System, das Hasenhüttl auch in Ingolstadt installiert hat: Aggressives Pressing nach dem Ballverlust, schnelles Umschaltspiel und Effizienz im gegnerischen Strafraum. "Geschwindigkeit ist mein Ding, ja", hatte der Grazer im Gespräch mit 11 Freunde bereits vor der Saison erklärt: "Um vermeintlich übermächtige Mannschaften zu überraschen, ist das schnelle Umschalten von Defensive auf Offensive ein probates Mittel."

"Am Anfang hast du gar keinen Plan"

Doch Hasenhüttls Stil, der schon häufiger mit dem BVB-Pressing-Fußball aus den Meister-Jahren 2011 und 2012 verglichen wurde, kam keineswegs über Nacht. "Am Anfang hast du gar keinen Plan. Ich hatte nicht einmal eine gescheite Philosophie, was ich spielen möchte. Ich habe ein bisschen von all meinen Trainern mitgenommen. Alles Weitere erlernst du durch Versuch und Irrtum", gab er jüngst in der Kleinen Zeitung zu.

"Learning by doing" wurde gewissermaßen Hasenhüttls Devise - aus Fehlern die richtigen Schlüsse ziehen, um sie so nicht zu wiederholen. Nicht nur auf dem Platz verfolgt der 47-Jährige dieses Motto, auch im Umgang mit seinen Spielern hat er seit seiner ersten Trainerstation in Unterhaching viel gelernt.

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Im Oktober 2007 stieg er dort vom Co-Trainer zum Chef auf, nachdem Werner Lorant seinen Vertrag aufgelöst hatte. Jahre später gab er in der Bild zu: "Anfangs hatten die Jungs wenig Respekt, war ich doch zuvor Co-Trainer. Ich habe dann zwei Spieler suspendiert, um mein Profil zu schärfen. Die reinste Alibi-Aktion, die nur dazu führte, dass mir zwei Spieler fehlten. So einen Quatsch würde ich heute nie mehr machen."

"Fußball ist ein Fehlerspiel"

Heute ist er stattdessen bereit, Fehler einzugestehen. "Es kann passieren, dass ich mit meiner Taktik mal falsch liege - oder der Gegner sich einfach für die bessere entschieden hat. Läuft die eigene Mannschaft ins offene Messer, sollte man als Trainer auch die Courage haben zu sagen: Jungs, leider habe ich euch den falschen Plan an die Hand gegeben, deshalb haben wir hier heute verloren", erklärte er jüngst.

Komplett eliminieren kann man die Fehler allerdings nicht, und Hasenhüttl, der Sport studiert hat, weiß das: "Fußball ist ein Fehlerspiel. Entscheidend ist, übers Jahr gesehen weniger Fehler zu machen als die Konkurrenz."

Von Lahm und Schweinsteiger gelernt

Dabei machte er nie einen Hehl daraus, dass er bei Haching ins kalte Wasser geworfen wurde. Doch Hasenhüttl lernte schnell dazu - und begann seine Trainerkarriere damit in gewisser Weise, wie seine solide Spielerkarriere in Österreich, Belgien und schließlich Deutschland geendet hatte: Als 35-Jährige spielte er mit Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger bei den Bayern-Amateuren und Hasenhüttl betont noch heute: "Da lernst du noch, vorausgesetzt, du bist bereit zu lernen. Das war ich mit 35 noch."

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So führte er Unterhaching 2008 in die dritte Liga und wiederholte das Kunststück einige Jahre später mit dem VfR Aalen: 2011 bewahrte Hasenhüttl den Drittligisten zunächst vor dem Abstieg, ein Jahr später feierte Aalen den Aufstieg in die 2. Liga. Spielerisch verfolgte der Grazer dabei stets ein ähnliches Muster: Spielkontrolle durch Ballbesitz war nie sein Fokus, stattdessen galt es, aus stabiler Defensive heraus schnell umzuschalten.

Überfallartiger Konterfußball wurde schon bald Hasenhüttls Markenzeichen. Den lässt er aus einem 4-5-1 oder einem 4-3-3 heraus spielen; die Formation ist dabei stets auf große Flexibilität bedachtn. Schon im vergangenen Herbst hatte er klargestellt: "Die Arbeit gegen den Ball steht immer im Mittelpunkt unseres Handelns. Das ist der Schlüssel unseres Erfolgs."

Der nächste Turnaround

Diesen Schlüssel durfte Hasenhüttl nach Unterhaching und Aalen in Ingolstadt ein drittes Mal anwenden. Als Tabellenschlusslicht trennten sich die Schanzer im Oktober 2013 von Marco Kurz, wieder schaffte es Hasenhüttl, seinem Team das aggressive Umschaltspiel schnell einzuimpfen. Ingolstadt beendete die Saison auf dem zehnten Platz. Fast exakt ein Jahr nach seinem Amtsantritt absolvierte der FCI sein 18. Auswärtsspiel in Folge ohne Niederlage - Zweitliga-Rekord.

"Ein Aufstieg kann nie zu früh kommen", hatte Hasenhüttl bereits im Februar klargestellt: "Wir haben immer gesagt, dass unsere Infrastruktur bereits perfekt ist, und wir hervorragende Trainingsmöglichkeiten haben. Was also könnte da zu früh kommen?" Jetzt kann er beweisen, dass er zum nächsten Schritt bereit ist.

Das Spielsystem des Österreichers wird Ingolstadt im Oberhaus zugutekommen, Teams, die mit defensivstarkem und reagierendem Fußball aufsteigen, hatten es in der Bundesliga schon immer einfacher. Und dass Hasenhüttl mit dem Klassenerhalt der nächste Husarenstreich auch ganz ohne gegnerische Torhüter-Unterstützung gelingen kann, dürfte zumindest in Ingolstadt wohl kaum jemand bezweifeln.

Der FC Ingolstadt im Steckbrief

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