Ingolstadts Pascal Groß im Interview

"Charakter, vorneweg zu marschieren"

Montag, 20.10.2014 | 13:00 Uhr
Pascal Groß hat großen Anteil am Erfolg des FC Ingolstadt
© imago
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Mit dem FC Ingolstadt spielt Pascal Groß für die Überraschungsmannschaft der Saison. Er selbst hat großen Anteil am Erfolg der Schanzer. Im Interview spricht der 23-Jährige über seinen steilen Aufstieg, hinzugewonnene Eigenschaften und die gemeinsame WG-Zeit mit Hakan Calhanoglu.

SPOX: Herr Groß, der FC Ingolstadt ist bisher die Überraschungsmannschaft der Saison - und das nicht zuletzt dank Ihnen. Vor allem das uneingeschränkte Vertrauen, welches Sie unter Trainer Ralph Hasenhüttl genießen, scheint dabei eine große Rolle zu spielen - stimmt das?

Pascal Groß: Das Vertrauen ist für mich unheimlich wichtig. Ich muss einfach das Gefühl haben, dass der Trainer komplett hinter mir steht - auch nach einem schlechten Spiel. Nur so kann ich zu 100 Prozent zeigen, was ich kann. Das spüre ich und deshalb kann ich es auf dem Platz auch mit Leistung zurückzahlen.

SPOX: Das war beim FCI jedoch nicht immer der Fall. Unter Vorgänger Marco Kurz beispielsweise schien diese Rückendeckung zu fehlen. Gab es Probleme?

Groß: Ich habe unter Kurz in jener Saison von neun möglichen Spielen fünf absolviert, gänzlich außen vor war ich also nicht. Klar war die Zeit nicht einfach. Herr Kurz und ich hatten nicht das beste Verhältnis, allerdings wusste ich, dass ich mich durchbeißen muss. Danach konnte ich mich wieder präsentieren, durchsetzen und Verantwortung übernehmen.

SPOX: Für viele Spieler wird eine große Verantwortung schnell zur Last...

Groß: Das ist bei mir nicht der Fall. Verantwortung ist für mich sehr wichtig. Ich bin von der Persönlichkeit her dafür geschaffen, will immer Verantwortung übernehmen. Ich habe den Charakter, um vorneweg zu marschieren.

SPOX: Ihr Weg zum Führungsspieler beim FCI verlief etwas turbulent. Sie kommen aus Mannheim, haben das Fußballspielen beim VfL Neckarau erlernt. Auch hier spielt Ihr Vater, der Sie in der Jugend trainierte und selbst Profi war, eine wichtige Rolle. Ist es ein Vorteil, wenn ein Familienmitglied an der Seitenlinie steht?

Groß: Es kommt darauf an. Einfach war die Situation für keinen der Beteiligten (lacht). Mein Vater hat jedoch von Anfang an großen Wert darauf gelegt, dass ich nicht bevorzugt werde und dies auch nach außen hin stets sehr deutlich gemacht. Das ist ihm zwar sehr gut gelungen, im Gegenzug hatte ich jedoch auch nicht immer das leichteste Leben.

SPOX: Zusammen mit Ihnen gelang gleich mehreren Spielern aus der damaligen Jugend der nächste Schritt. Inwiefern war auch dies Ihrem Vater zu verdanken?

Groß: Er hatte mit Sicherheit seinen Anteil an den Erfolgen, die wir damals hatten und an den vielen guten Spielern, die aus der Jugend hervorgingen. Mein Vater hat inzwischen bereits mit vielen Profis gearbeitet, wie unter anderem mit Marco Terrazzino, Manuel Gulde oder auch Hakan Calhanoglu, den er bei Waldhof Mannheim trainierte.

SPOX: Mit einem Augenzwinkern könnte man also von einer kleinen "Goldenen Generation" beim VfL sprechen. Für stolze sieben Spieler ging es nach Hoffenheim. Aus sportlicher Sicht bot sich Ihnen damit bereits in jungen Jahren eine große Gelegenheit, aber wie sah es auf der privaten Ebene aus?

Groß: Natürlich war es schon eine kleine Umstellung, auch wenn die Distanz nicht ganz so groß war. Ich bin deshalb zunächst bis zur elften Klasse weiter in Mannheim zur Schule gegangen. Mein Abitur habe ich dann allerdings auf dem Wilhelmi-Gymnasium in Sinsheim gemacht. Dort hat Hoffenheim mir die Möglichkeit gegeben, in einer Elite-Schule des Fußballs meinen Abschluss zu machen und gleichzeitig auf hohem Niveau - unter anderem bei den Profis unter Ralf Rangnick - zu trainieren.

SPOX: Ihr Weg schien vorgezeichnet. Im Mai 2009 gaben Sie Ihr Bundesliga-Debüt gegen den VfL Wolfsburg, danach gab es jedoch einen Bruch. War der Aufstieg für einen 17-Jährigen vielleicht doch etwas zu steil?

Groß: Im Nachhinein ist eine Beurteilung natürlich immer einfacher. Wahrscheinlich würde ich mit dem Wissen von heute zustimmen. Mir fehlte damals sowohl auf körperlicher Ebene wie auch von der Reife abseits des Platzes noch etwas zu den Spielern der ersten Liga. Das muss ich so akzeptieren. Allerdings muss man Möglichkeiten immer ergreifen, wenn sie sich einem bieten - und aus ihnen lernen.

SPOX: Talente wie Terrazzino und Sie sollen sich in Hoffenheim größtenteils selbst überlassen worden sein - vor allem bei jungen Spielern ein großes Problem. Wie haben Sie die damalige Situation erlebt?

Groß: Das kann ich so nicht bestätigen. Ich hätte ohne die große Unterstützung des Vereins meine Schule wohl nicht beenden können. Zumindest nicht, wenn ich weiterhin auf dem Platz meine Entwicklung hätte vorantreiben wollen. Dafür war das Trainingspensum einfach zu groß. Die volle Unterstützung war bei mir und auch bei Marco, der seine Ausbildung in dieser Zeit abgeschlossen hat, auf jeden Fall da. Darauf wurde seitens des Klubs großen Wert gelegt.

Seite 1: Groß über den Erfolg des FCI, seinen Aufstieg und das Ende in Hoffenheim

Seite 2: Groß über den Neuanfang beim KSC und Mitbewohner Hakan Calhanoglu

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