Trauer und Drohungen in Dresden

SID
Sonntag, 11.05.2014 | 19:02 Uhr
Tiefe Trauer: Olaf Janßen musste seine Spieler nach dem Abstieg trösten
© getty
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Enttäuschung pur in Sachsen: Dynamo Dresden verpasst im Abstiegs-Duell gegen Bielefeld die Relegation und steigt ab. Teile der Zuschauer drohen unmittelbar nach Schlusspfiff dem eigenen Team.

Die Profis von Dynamo Dresden sanken vor Enttäuschung und Niedergeschlagenheit auf den Rasen. Der Traditionsklub aus Sachsen hat den Heimvorteil im Abstiegs-"Endspiel" der 2. Liga gegen Arminia Bielefeld nicht genutzt und muss den bitteren Gang in die Drittklassigkeit antreten. Selbst eine zeitweilige Überzahl wurde nicht genutzt.

Und dann das befürchtete Chaos: Schon während der Partie musste das Duell wegen eines Feuerwerkskörpers unterbrochen werden. Nach dem Schlusspfiff flogen weitere Gegenstände auf den Rasen.

Offene Drohung an das Team

Unrümlicher Höhepunkt: Teile der Zuschauer entrollten ein Plakat: "Ihr habt eine Stunde Zeit unsere Stadt zu verlassen" - eine offene Drohung an das eigene Team.

Sicherheitskräfte mussten nach dem Spiel die Dynamo-Spieler aus dem Stadion eskotieren. Insgesamt blieb es nach dem Abstieg in die Drittklassigkeit aber ruhig.

Das Team von Trainer Olaf Janßen unterlag zuvor den Gästen aus Ostwestfalen 2:3 (0:1), die damit in der Relegation am 16. und 19. Mai gegen Darmstadt 98 weiter um den Klassenerhalt kämpfen dürfen. Vielen Dynamo-Fans standen Tränen in den Augen. Überschattet wurde das Spiel schon zuvor von einer mehr als zehnminütigen Unterbrechung.

"Der Abstieg ist enttäuscht, damit habe ich nicht gerechnet. Ich habe geglaubt, dass wir das Spiel gewinnen würden. Aber fußballerisch war das einfach zu wenig. Nur fünf Siege reichen halt nicht", sagte Dynamo-Ikone Hans-Jürgen "Dixie" Dörner.

Turbulente Schlussphase

Der Treffer von Kacper Przybylko (77.) zum 3:2 für die Ostwestfalen besiegelte den Abstieg von Dynamo. Fabian Klos (41.) traf nur wenige Minuten nachdem sein Teamkollege Thomas Hübener mit Gelb-Rot vom Platz musste. In der zweiten Halbzeit sah der Dresdner Cheikh Gueye ebenfalls Gelb-Rot (59.), wenig später erhöhte erneut Klos (63.)auf 2:0. Die Partie schien gelaufen, doch Dynamo bäumte sich auf.

Mickael Poté traf in der 67. Minute zum Anschluss. Dann überschlugen sich die Ereignisse. Robert Koch (75.) glich für die Hausherren aus, damit war Dresden in der Relegation. Doch der Ex-Kölner Przybylko machte den Sieg für die Arminia perfekt. In der Schlussphase verpassten die Bielefelder noch weitere Großchancen zur Resultatserhöhung.

Mit versteinerten Mienen verschwanden die Dynamo-Spieler in der Kabine. Im Stadion herrschte Stille bei den Fans der Hausherren, nur die Bielefelder Anhänger feierten. Dann wurde aus Frust eine Rakete aufs Spielfeld abgefeuert und ein Nebelbengalo gezündet. Bereits nach dem 0:2 waren Böller und Pyrotechnik von Dresdner Fans aufs Spielfeld geworfen worden. Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin) schickte die Spieler daraufhin in die Kabinen.

Cottbus und Dynamo müssen runter

Die Ausgangssituation hatte eigentlich für den achtmaligen DDR-Meister gesprochen. Schon ein Unentschieden hätte den Dresdnern zum Einzug in die Entscheidungsspiele gereicht. Doch nach einer katastrophalen Rückrunde mit lediglich zwölf Punkten und nur einem Sieg muss Dynamo zusammen mit dem Ost-Rivalen Energie Cottbus absteigen.

Von einer "extremen Situation" hatte Dynamo-Coach Olaf Janßen im Vorfeld des Spiels gesprochen. Dafür mobilisierte der Verein alle Kräfte. Mehrere Tausend Anhänger hatten den Dynamo-Mannschaftsbus mit einem Spalier zum Stadion geleitet und angefeuert. Und auch Janßen zeigte sich mutig. Er berief den lange verletzten Flügelspieler Idir Ouali in die Startelf.

Vor 29.608 Zuschauern im ausverkauften Dresdner Stadion begannen beide Teams dem Anlass entsprechend kämpferisch. Auch wenn spielerisch zunächst bei keiner Mannschaft große Aktion zu sehen waren, wurde der Willen bei allen Akteuren schnell deutlich. Es entwickelte sich ein leidenschaftlicher Kampf - allerdings ohne Happy End für Dresden.

Die 2. Liga im Überblick

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