Vom "Vollidioten zum Vorbild"

SID
Dienstag, 13.05.2014 | 12:20 Uhr
Süleyman Koc lief in dieser Saison in elf Partien für die Paderborner auf
© getty
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Vor wenigen Monaten war Süleyman Koc noch Freigänger in einem Berliner Gefängnis - jetzt ist der Fußballer mit dem SC Paderborn in die Bundesliga aufgestiegen.

Die fast schon unglaubliche Geschichte von Süleyman Koc erreichte am vergangen Sonntag auf dem Rathausplatz in Paderborn ihren vorläufigen Höhepunkt. Mit seinen Mannschaftskollegen aus Ostwestfalen feierte Koc ausgelassen den Aufstieg in die Bundesliga. Eintrag ins Goldene Buch und Händeschütteln mit dem Bürgermeister inklusive.

Vor nicht allzu langer Zeit schien dieses Szenario ungefähr so realistisch wie Spiele des SC Paderborn gegen Bayern München und Borussia Dortmund. Doch beides ist wahr geworden. Der 24-Jährige schrieb parallel zum Aufstieg des Klubs sein eigenes "Fußball-Märchen" - denn vor wenigen Monaten war Koc noch Freigänger in einem Berliner Gefängnis.

"Die letzten Monate kann man nicht zusammenfassen, das muss man erleben", äußert er: "Das wünsche ich aber natürlich keinem."

Beihilfe zu Überfallen

Und Koc weiß, wovon er spricht. 6.45 Uhr aufstehen, waschen, Zimmer fegen und Brote schmieren für den Tag - all das hat er miterlebt.Doch der Knastalltag liegt hinter ihm, das Leben des Fußballprofis hat eine beeindruckende Wende genommen.

Aus dem Straftäter, der 2011 wegen Beihilfe bei sieben Überfällen auf Spielcasinos in Berlin zu drei Jahren und neun Monaten verurteilt, ist ein respektabler Zweitligaprofi geworden. "Vom Vollidioten zum Vorbild", beschreibt er selbst die Wandlung.

Fast ein Jahr saß der schüchtern wirkende und im Ortsteil Moabit geborene Berliner nach seiner Verurteilung im geschlossenen Vollzug. Wegen seiner guten Sozialprognose wurde er später Freigänger und konnte wieder bei seinem ehemaligen Verein SV Babelsberg Fuß fassen.

Aus der Regionalliga ins Oberhaus

Ende des vergangenen Jahres kam er aus der Haft und wechselte nach Paderborn. Der Sprung von der Regionalliga ins Unterhaus ist längst gelungen, zuletzt kam er regelmäßig zum Einsatz und erzielte wichtige Tore für den Aufstieg.

Selbst in einem Film des Fußball-Weltverbandes FIFA über die Reise des WM-Pokals bekommt seine Geschichte einen Platz. Auch wenn er dafür noch einmal hinter Gefängnismauern musste.

In Zusammenarbeit mit der Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) berichtete er dabei auch jugendlichen Straftätern von seinen Erfahrungen - und spielte mit seinem ehemaligen Klub aus Babelsberg gegen eine Auswahl der Jugendstrafanstalt (JSA) Berlin.

"Erinnerungen sind eigentlich nicht hochgekommen. Ich saß ja woanders", berichtet Koc von seinen Emotionen hinter den geschlossenen Toren. Doch man merkt, Interviews und das Stehen in der Öffentlichkeit sind nicht sein Ding.

Eckel: "Schöne Sache"

"Ich muss sagen, seine Geschichte ist eine schöne Sache. So sollte es häufiger laufen", sagt Horst Eckel, Weltmeister von 1954 und seit Jahren für die Sepp-Herberger-Stiftung im Einsatz.

Und Janina Deininger von der JSA ergänzt: "Das ist auch, was eine Gesellschaft auszeichnet: Menschen eine zweite Chance zu geben. Ich glaube Herr Koc hat wirklich verstanden, dass er mehr als einen großen Fehler gemacht hat."

Das versucht er auch direkt den jugendlichen Gefängnisinsassen zu vermitteln. "Ich weiß, was für eine schwere Zeit sie durchmachen. Man muss dranbleiben und ehrgeizig bleiben", betont er: "Ich sage ihnen dann, wenn es mit Fußball nicht geht, dann müsst ihr etwas anderes machen. Eine Ausbildung, etwas Anständiges. Und das sehen sie dann auch ein. Ich hoffe, dass sie das auch ernst meinen."

Nur die Frage nach Deutschlands prominentesten Straftäter Uli Hoeneß ist Koc sichtlich unangenehm. "Ich weiß nur, dass Herr Hoeneß ein super Mensch war. Ich habe noch größeren Mist als er gebaut - und ich habe eine zweite Chance bekommen."

Süleyman Koc im Steckbrief

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