"FCB-Profibereich war nicht existent"

Von Interview: Matthias Faidt
Montag, 10.02.2014 | 10:47 Uhr
Markus Steinhöfer (l.) anno 2012 im Duell mit Bayerns Philipp Lahm
© getty
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Markus Steinhöfer duellierte sich schon mit Neymar und Co., gegen Manchester United erlangte er Kultstatus. Nach seinem Wechsel zu 1860 München spricht der Neu-Löwe im Interview über seine Jugend beim FC Bayern, das Chaos bei Real Betis und unvergessliche Momente in der Königsklasse.

SPOX: Kurz vor dem Trainingslager hat es mit dem Wechsel zum TSV 1860 München geklappt. Wie sehr standen Sie aufgrund der ungeklärten Zukunft unter Druck?

Markus Steinhöfer: Die Situation war nicht nervenaufreibend, aber ich wollte gerne wechseln. Wir waren uns auch einig, aber es hing noch an Kleinigkeiten. Ich bin froh, dass alles über die Bühne ist. Hier fühle ich mich wie zuhause. In Sevilla habe ich gemerkt, dass der deutschsprachige Raum meine Region ist. Ich freue mich, wieder zurück in München zu sein und mit den Löwen in der Rückrunde anzugreifen. Wir haben ja noch einiges vor!

SPOX: Nach einem Jahrzehnt Zweitklassigkeit soll es wieder ins Oberhaus gehen. Die Konkurrenz ist allerdings groß, der 1. FC Köln scheint enteilt. Wie bewerten Sie die Tabellensituation?

Steinhöfer: Wir müssen uns auf Platz zwei und drei konzentrieren. Nach dem Start in die Rückrunde wird an der Spitze relativ schnell aussortiert. Wir wollen auf jeden Fall eine der Mannschaften sein, die sich dann oben festsetzt.

SPOX: Ihr Vertrag läuft bis 2015. Bis dahin sollte der Aufstieg also spätestens geschafft sein?

Steinhöfer: Natürlich ist das mein Ziel. Bestenfalls haben wir das in einem halben Jahr erreicht, deshalb bin ich hierhergekommen. Für diesen Traum geben wir alles. Sechzig gehört einfach in die erste Liga.

SPOX: Gab es neben den Löwen weitere aussichtsreiche Interessenten?

Steinhöfer: Es gab weitere Gespräche, aber für mich hat das Gesamtpaket bei den Löwen am besten gepasst. Entscheidend war Friedhelm Funkel. Der Trainer kennt mich, er weiß um meine Stärken, aber auch um meine Schwächen. Er hat gesagt: 'Ich will, dass Du zu uns kommst. Ich will mit dir Erfolge feiern.' Das war für mich ausschlaggebend, und die Löwen sind ein absoluter Traditionsverein. Wenn es eine Stadt in Deutschland verdient, zwei Bundesligaklubs zu haben, dann München.

SPOX: Sie haben mit Funkel bereits in Frankfurt zusammengearbeitet. Er sieht Sie als Allrounder rechts, links, hinten, vorne und sogar zentral einsetzbar. Wo sehen Sie sich?

Steinhöfer: Es kommt immer auf die Spielweise des Trainers an, aber im System von Friedhelm Funkel liegen meine Stärken in der Offensive. Ob nun auf der Außenbahn oder doch im Zentrum, entscheidet der Trainer. Ich habe keine Wunschposition. Der Trainer muss überzeugt davon sein, wo er mich aufstellt.

SPOX: Wie waren die ersten Eindrücke von den neuen Mannschaftskollegen?

Steinhöfer: Daniel Adlung, Kai Bülow und Yannick Stark kenne ich noch von früher. Die Integration läuft reibungslos. Es fühlt sich so an, als wenn ich schon viel länger hier wäre. Im Ausland ist das schwieriger. Es geht einfach wahnsinnig schnell, wenn man die gleiche Sprache spricht. Das ist der Schlüssel, wie ich im vergangenen halben Jahr gelernt habe.

SPOX: München kennen Sie ja bereits, schließlich wurden Sie einst in der Jugend des FC Bayern ausgebildet.

Steinhöfer: Aber das sind zwei verschiedene Paar Schuhe für mich. Ich war in der Jugend dort und habe bei den Amateuren gespielt. Der Profibereich bei den Bayern war nicht existent für mich. Ich habe ja kein Spiel für die erste Mannschaft gemacht. In der Jugend hatte ich eine schöne Zeit da und eine sehr gute Ausbildung. Jetzt bin ich froh, ein Blauer zu sein. Es wird Zeit, dass es bald mal wieder zum Derby kommt. Schon in der Jugend ging es immer heiß her, das wäre im Profibereich aber noch viel schöner.

SPOX: Dann könnten Sie auf Ihren ehemaligen Mitspieler in Basel, Xherdan Shaqiri, treffen.

Steinhöfer: Da kommen tolle Erinnerungen auf. Das war bisher die schönste Zeit in meiner Karriere. Wir waren super erfolgreich mit Basel. Wir hätten kaum mehr gewinnen können: Den Pokal haben wir zwar 'nur' einmal geholt, aber ich wurde dreimal Meister und wir haben international für Furore gesorgt. In Basel habe ich immer noch viele Freunde. Dort habe ich mich immer wohl gefühlt. Shaq lebt ja auch in München, wir werden uns auf jeden Fall mal treffen. Wir sind schon in Basel gut ausgekommen.

SPOX: Zum Stammspieler hat es für ihn auch unter Pep Guardiola noch nicht gereicht. Wann kommt der große Durchbruch?

Steinhöfer: Die Konkurrenz ist einfach wahnsinnig groß, aber er ist noch sehr jung und hat auf jeden Fall das Zeug dazu. Für mich ist es nur eine Frage der Zeit, dass er den Sprung endgültig schafft. Als schneller, gewiefter und flinker Spieler kommt ihm das Spiel der Bayern entgegen. In seinem ersten Jahr hat er einige Spiele gemacht und das Triple gewonnen - was will man mehr? Er wird sich durchsetzen, er hat die Qualität.

Seite 2: Steinhöfer über Betis-Chaos, Duelle mit Neymar und Bayerns Spielstil

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