"Versuche, ihn nicht zu verletzen"

Von Interview: Jonas Schützeneder
Freitag, 29.11.2013 | 15:52 Uhr
Voller Einsatz: Benjamin Hübner (l.) will in die Bundesliga
© imago
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Benjamin Hübner wurde als Sohn von Frankfurt-Manager Bruno Hübner quasi als Fußballspieler geboren. Im Interview mit SPOX spricht der Abwehrspieler über die fußballverückte Familie Hübner, den härtesten Angreifer der 2. Liga und Duelle mit seinen beiden Brüdern.

SPOX: Herr Hübner, Sie sind mit vier Jahren dem SV Wehen beigetreten. Hatten Sie als Sohn von Bruno Hübner keine andere Wahl als Profispieler zu werden?

Benjamin Hübner: Nicht wirklich. Fußball war immer eine große Sache bei uns zuhause. Wir haben in jeder freien Minute im kleinen Garten hinter dem Haus gekickt und dann hat sich das so ergeben.

SPOX: Ihr Vater war Stürmer in der Bundesliga, Ihre Brüder spielen beim SV Sandhausen und SV Wiesbaden. Wie fußball-verrückt ist die Familie Hübner?

Hübner: Es war sicherlich ein Vorteil, dass wir drei Jungs waren. Wir konnten sofort anfangen zu kicken und mussten nicht erst Freunde anrufen. Als wir noch klein waren, gab es natürlich auch Streit auf dem Platz. Wenn wir uns heute zuhause treffen, spielt Fußball nur noch eine kleine Rolle. Da steht die Familie im Vordergrund.

SPOX: Mittlerweile haben Sie es in die 2. Bundesliga geschafft, wo Sie beim VfR Aalen Stammspieler sind. Dazu ist das Team mit Rang 7 ordentlich gestartet. Damit kann man zufrieden sein, oder?

Hübner: Ja bis dato auf jeden Fall. Man muss da aber aufpassen: Die 2. Liga ist unglaublich dicht gestaffelt. Es gibt keinen, der unten abgeschlagen ist. Von daher ist es eine schöne Momentaufnahme, wir müssen aber weiter konzentriert bleiben und möglichst schnell genug Punkte holen.

SPOX: Sie sind als Innenverteidiger gesetzt, haben vor allem mit starker Zweikampf-Quote auf sich aufmerksam gemacht. Was macht einen guten Zweikämpfer aus?

Hübner: Der absolute Wille. Und man darf keine Angst haben. Mit der Zeit kommt natürlich Erfahrung hinzu, aber einen Zweikampf gewinnt man nur, wenn man es wirklich will.

SPOX: Mit immerhin sieben gelben Karten sind Sie auch in dieser Liste ganz vorne mit dabei...

Hübner: Ja wir sind in der Fairness-Tabelle so weit unten, da dachte ich, ich muss uns etwas nach oben bringen. Nein, im Ernst: Das passiert eben im Fußball. Man kommt eben mal zu spät, oder muss das taktische Foul machen. Ich habe noch keine gelbe Karte wegen Meckern oder Ähnlichem gesehen, von daher kann ich damit leben.

SPOX: Wie reagieren Sie nach einer Verwarnung, werden Sie vorsichtiger?

Hübner: Natürlich ärgert man sich im ersten Moment über eine gelbe Karte. Als Innenverteidiger ist das nie optimal, man muss dann extrem aufpassen und man geht dann vielleicht auch mal einem Zweikampf aus dem Weg, den man aber eigentlich führen müsste. Und die Gegner wissen das natürlich auch.

SPOX: Stichwort Gegner: Helmes, Ujah, Mattuschka: Wer ist der unangenehmste Offensivspieler, auf den Sie treffen?

Hübner: Echt schwer zu sagen. Gegen Helmes habe ich schon gespielt, er hat zum Glück nicht getroffen. Mattuschka kommt mehr aus dem Mittelfeld, den treffe ich nur selten. Am härtesten waren bisher eigentlich die Duelle mit Braunschweigs Kumbela, weil er auf den ersten Metern einen sehr guten Antritt hat und seine Chancen sofort nutzt.

SPOX: Sie sind vor der Saison aus der 3. Liga gekommen. Wieso war Aalen die optimale Adresse?

Hübner: Ich wollte mich weiter verbessern und vor allem möglichst viel Spielpraxis. Ich habe im Vorfeld viel mit den Aalener Verantwortlichen gesprochen und mich auch bei Spielern umgehört. Das Umfeld hier ist ruhig und junge Spieler bekommen Zeit, sich zu entwickeln. Das hat mich am Ende überzeugt.

SPOX: Und Ihr Vater hat als Berater mitgewirkt?

Hübner: Genau. Für mich ist es optimal, dass ich in solchen Sachen seine Hilfe bekomme. Er hat enorm viel Erfahrung und kann mir mit seinen Tipps weiterhelfen. Er war genauso überzeugt, dass Aalen für mich die beste Option ist.

SPOX: Sollte Eintracht Frankfurt Interesse an Ihnen haben, könnte Ihr Vater gleich mit sich selbst verhandeln...

Hübner: Das wären ja sehr einfache Verhandlungen. Wir haben schon öfter darüber gesprochen aber Stand heute kann ich ausschließen, dass ich im gleichen Verein wie mein Vater spielen werde. Das wäre nicht sinnvoll. Vom Spielertyp her würde er mich aber gerne in seinem Verein haben. Sagt er zumindest...

SPOX: Wir schwer ist es, als Sohn eines prominenten Fußballers seinen eigenen Weg zu gehen?

Hübner: Klar werden wir oft auf ihn angesprochen, das ist ja normal. Leider habe ich meinen Vater kaum spielen sehen, weil er seine Karriere recht früh beendet hat. Ich sehe es nicht als Belastung, sondern bin froh, dass er mir Tipps geben kann.

SPOX: Sportlich läuft es für Sie derzeit besser als für Ihren Vater.

Hübner: Ja, er tut mir zurzeit ein bisschen leid. Die Eintracht hat viel Pech, wartet in der Bundesliga auf Erfolgserlebnisse und es kommen einfach keine. Dazu das Pech mit den vielen Gegentoren kurz vor Schluss. Mein Vater nimmt sich das immer recht stark zu Herzen und hinterfragt alles um schnell wieder erfolgreich zu sein.

SPOX: Zusammen mit ihm haben Sie einen Vertrag bis Sommer 2014 ausgehandelt. Kommt dann der nächste Schritt in die Bundesliga?

Hübner: Das werden wir sehen. Natürlich spiele ich Fußball, um irgendwann mal in der Bundesliga aufzulaufen. Zuerst will ich mich aber weiter verbessern, konstant gute Leistungen zeigen und dann werden wir uns irgendwann im Frühjahr zusammensetzen und entscheiden.

SPOX: Davor kommt am letzten Spieltag vor der Winterpause noch das Duell mit Ihrem jüngeren Bruder Florian, der beim SV Sandhausen unter Vertrag steht.

Hübner: Ich spiele eigentlich nicht so gern gegen einen meiner Brüder. Vor zwei Jahren haben wir in Wiesbaden noch zusammen in der Verteidigung gespielt. Aktuell sieht es aber ganz gut aus, dass wir beide gegeneinander auflaufen werden. Weil wir beide Abwehrspieler sind, werden wir uns aber selten begegnen.

SPOX: Und wenn doch?

Hübner: Dann muss ich als älterer Bruder den Zweikampf natürlich gewinnen!

SPOX: Und notfalls eine gelbe Karte abholen?

Hübner: Ja notfalls schon. Aber keine rote! Und ich würde versuchen, Ihn nicht zu verletzen.

Benjamin Hübner im Steckbrief

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