Bielefeld und der Abwärtstrend

Ohne Hochmut folgt auch der Fall

Von Tim Holzwarth
Freitag, 22.11.2013 | 10:46 Uhr
Arne Feick (l.) und Christian Müller sind bedient - zuletzt gab es sechs Niederlagen in Folge
© getty
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Nach dem überraschenden wie überzeugenden Saisonstart steckt Arminia Bielefeld mittlerweile mittendrin im Abstiegskampf. Die Leichtigkeit der Anfangsphase scheint verloren und das gegnerische Tor wie vernagelt. Trainer Stefan Krämer sieht das Spiel gegen Bochum (Fr., 18.30 Uhr im LIVETICKER) schon als Endspiel.

Starke 14 Punkte holte der Aufsteiger in den ersten acht Saisonspielen und belegte damit Platz drei. Gerade einmal drei Punkte Rückstand auf Tabellenführer Greuther Fürth ließen das eigentliche Saisonziel Klassenerhalt, zumindest bei den Fans, schnell in Vergessenheit geraten.

Die Euphorie nach dem Saisonstart war groß und die Fans träumten schon leise vom möglichen Durchmarsch in die Bundesliga. Doch mittlerweile ist die Begeisterung restlos verpufft. Die 0:1-Niederlage gegen 1860 München war die sechste infolge - neuer Negativrekord der zweiten Liga.

Die ernüchternde Bilanz: Null Punkte, nur ein erzieltes Tor und elf Gegentreffer. Das Resultat dieser schwarzen Serie ist ein freier Fall um 14 Tabellenplätze bis in die Abstiegszone. Momentan liegen die Westfalen auf dem vorletzten Platz, nur einen Punkt vor Schlusslicht Energie Cottbus.

Defensive als Schwachpunkt

Mit insgesamt 27 kassierten Treffern stellt Bielefeld die schwächste Abwehr der Liga. Schon früh in der Saison offenbarten die Arminen Schwächen in der Defensive. Zwölf Gegentore in den ersten acht Spielen fielen durch die bis dahin beste Torausbeute von 15 Treffern jedoch nicht weiter ins Gewicht.

Trainer Stefan Krämer bemängelte aber schon zu diesem Zeitpunkt das Defensivverhalten seiner Truppe. Zusammen mit dem sportlichen Leiter Samir Arabi warnte er damals vor zu viel Euphorie, beide sprachen von einer Momentaufnahme. Sie sollten Recht behalten.

Dem anfänglichen Stimmungs- und Leistungshoch folgte ein herber Einbruch mit anhaltendem Kater. Das große Problem: Offensiv klemmt es mittlerweile auch gewaltig. In den letzten fünf Partien blieb der DSC viermal ohne eigenen Torerfolg.

Klos-Ausfall wiegt schwer

Seit Torjäger Fabian Klos verletzt fehlt, hat seine Mannschaft nur einmal beim Gegner einnetzen können. Den Ausfall des bulligen Stoßstürmers, der sich am 4. Oktober im Spiel gegen Kaiserslautern eine Gesichtsfraktur zuzog, scheint das Team von Trainer Stefan Krämer nicht kompensieren zu können.

Das Offensivspiel sei stark auf die Fähigkeiten und die körperliche Präsenz des 1,94-Meter-Mannes zugeschnitten, machte Trainer Stefan Krämer nach der Verletzung deutlich.

Die Alternativen zum 25-Jährigen sind rar gesät. Der Kongolese Francis Sembolo und der junge Niederländer Anass Achahbar sind beide mehr technisch als körperlich veranlagt und können Klos somit nicht eins zu eins ersetzen. Eine Umstellung mit der Bielefeld bisher noch nicht zurechtkommt.

Klos' Heilungsverlauf gibt allerdings Grund zur Hoffnung, denn der Ex-Wolfsburger trainiert mit speziell angefertigter Karbonmaske bereits wieder individuell und schuftet für sein Comeback. Ursprünglich war eine Rückkehr frühestens zur Rückrunde in Sicht, nun könnte er eventuell noch im Dezember zurückkehren.

Mannschaft soll verstärkt werden

Über Neuzugänge im Winter wird dennoch spekuliert. Vor kurzem absolvierte der gambische Verteidiger Omar Colley ein Probetraining in Bielefeld. Der 21-Jährige steht momentan beim finnischen Erstligisten Kuopion Palloseura unter Vertrag und soll einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.

In der Offensive ist der bei Düsseldorf in Ungnade gefallene Stefan Reisinger ein Kandidat. Der Vertrag des 32-Jährigen läuft am Saisonende aus, weshalb er möglicherweise schon im Winter günstig zu haben wäre.

Ein wichtiger Aspekt, denn die Arminia ist finanziell alles andere als auf Rosen gebettet. Ein gehöriger Schuldenberg verhindert kostspielige Transfers. "Wir werden alles dafür tun, um die Mannschaft zu verstärken", bekräftigte Geschäftsführer Marcus Uhlig dennoch im "Westfalen-Blatt".

Auch finanziell angeschlagen

Wie auf dem Spielfeld hat Bielefeld auch im finanziellen Bereich zu kämpfen. Auf der Jahreshauptversammlung am vergangenen Montag wurde ein aktueller Schuldenstand von 25,7 Millionen bestätigt. Durch den Aufstieg in die 2. Bundesliga und die damit verbundenen Mehreinnahmen, wie zum Beispiel Fernsehgelder, ist aber Besserung in Sicht.

Wenig hilfreich bei der finanziellen Stabilisierung ist jedoch die Tatsache, dass Hauptsponsor "getgoods.de" in der Vorwoche seine Zahlungsunfähigkeit erklärte und Insolvenz anmelden musste.

Der Ausfall des größten Sponsors würde ein Loch von 500.000 Euro reißen. Die Zeichen stehen bereits auf Trennung. Schon im Spiel gegen Bochum könnten die Arminen ohne Schriftzug auf dem Trikot auflaufen.

Rückendeckung für den Trainer

Bemerkenswert in dieser ereignisreichen wie schwierigen Zeit für den Aufsteiger ist die Ruhe, die die Verantwortlichen an den Tag legen. Trotz sechs Niederlagen infolge gab es bisher keine Trainer-Diskussion auf der Alm.

Schon vor dem Spiel gegen 1860 München sprach Geschäftsführer Marcus Uhlig seinem Trainer eine Jobgarantie, auch im Fall einer weiteren Niederlage, aus. Krämer selbst hatte bereits mit einem Einbruch seiner Mannschaft gerechnet. "Wir müssen Ruhe bewahren und hart arbeiten", sagte der 46-Jährige.

Auch der sportliche Leiter Samir Arabi betonte die Unaufgeregtheit im Verein. "Zu Beginn der Saison sind wir nach Platz drei nicht in Ekstase verfallen, bei Platz 16 kommt auch keine Panik auf", erklärte Arabi.

Krämer: "Bochum ist Endspiel"

Trainer Stefan Krämer weiß dennoch um die Bedeutung des nächsten Spiels und die Gefahr eines Rauswurfs bei einer weiteren Niederlage. Der Partie gegen den VfL Bochum (Fr., 18.30 Uhr im LIVETICKER) misst er deswegen besondere Bedeutung zu: "Ich bin nicht blauäugig, kenne die Gesetze des Geschäfts. Die kommende Heimpartie gegen Bochum ist ein echtes Endspiel."

Mit dem Herzen ist der Coach offensichtlich voll dabei. Nicht nur wegen seines Tattoos. Schließlich ziert seine Brust seit dem Aufstieg im Sommer ein überdimensionales Arminia-Emblem.

Die Tabelle der 2. Liga

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