Stefan Maierhofer im Interview

"Felix Magath sah eine Waffe in mir"

Von Interview: Christoph Köckeis
Montag, 18.02.2013 | 15:00 Uhr
So kennt man Kölns 2,02-Meter-Riesen Stefan Maierhofer: Extrovertiert und in Jubelpose
© Getty
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Vom Kellner zum Vollblut-Profi: Mit 22 Jahren bewarb sich Stefan Maierhofer bei Bayern München und war plötzlich der schillernden Fußball-Bühne ganz nah. Im Winter heuerte der 30-jährige Österreicher beim 1. FC Köln an. Die neue Nummer neun geht mit den Kritikern hart ins Gericht und verrät, warum Felix Magath ihn zu Schalke lotsen wollte und manch Star bei Hermann Gerland weinen würde.

SPOX: Köln befand sich zuletzt im Ausnahmezustand: Sie gelten gemeinhin als positiv-verrückter Kerl - wie gefiel Ihnen demnach Karneval?

Stefan Maierhofer: Es war ein schönes Erlebnis, live dabei gewesen zu sein. Mit dem Spielplan ließ es sich ideal vereinbaren, da wir montags frei hatten. So besuchte ich mit zahlreichen Teamkollegen den Rosenmontagszug. Am Rande genossen wir auch den Straßenkarneval, der Köln auszeichnet.

SPOX: Verraten Sie uns auch die Kostümierung?

Maierhofer: Ich war eine Art Dante-Verschnitt. Warm eingepackt und mit Perücke am Kopf. Eine Verkleidung ist eben Pflicht, um die Atmosphäre und den Spaß mittendrin zu genießen. Das Wetter war zwar eisig, aber die Stimmung am Höhepunkt (lacht).

SPOX: Welchen Eindruck haben Sie von der Rhein-Metropole und besonders vom 1. FC Köln?

Maierhofer: Alles sehr positiv! Die Mannschaft hat einen tollen Charakter, ebenso der Betreuerstab und die Leute im Umfeld. Auch die Stadt durfte ich schon kennenlernen. Wenn das Wetter besser ist, hoffe ich, weitere schöne Ecken zu entdecken. Unabhängig vom Dom hat Köln nämlich viel zu bieten.

SPOX: Welche Erwartungshaltung hat Trainer Holger Stanislawski an Sie?

Maierhofer: Ich bin ein Typ, der durch körperliche Präsenz und Auftreten gewisse Aspekte mitbringt. Für mich ist wichtig, mehr Einsatzzeit zu erhalten als im letzten Jahr. Wir sind gut in die Rückrunde gestartet. Zwei Spiele, vier Punkte. Am Millerntor müssen wir gegen St. Pauli wieder abliefern.

SPOX: Der Kiezklub durchlebt ein hartnäckiges Tief, rutschte nach vier sieglosen Spielen in den Keller. Erhalte ich Zuspruch, wenn ich behaupte, ein Dreier ist im Kampf um den Relegationsplatz Pflicht?

Maierhofer: In der 2. Liga kann man zu keinem Gegner fahren und den Erfolg einplanen. Aber: Wenn dein Name 1. FC Köln, Hertha BSC, Eintracht Braunschweig oder Kaiserslautern ist, fährst du überall hin, um drei Punkte zu erobern. Das ist die Erwartungshaltung. Nur bei einem Montagabend-Spiel im rappelvollen Millerntor wird es nicht einfach. Die großartige Atmosphäre pusht zusätzlich. Ich hoffe, dass uns das entsprechend beflügelt. Der Rückstand zum Relegationsplatz beträgt vor dem Spiel neun Punkte. Es gibt noch 39 Zähler zu vergeben. Wenn du möglichst viele holst, bist du dick im Geschäft.

SPOX: Der Abschied von Red Bull Salzburg schlug in Ihrer österreichischen Heimat hohe Wellen: In der Vorsaison noch Torschützenkönig landeten Sie auf dem Abstellgleis. Sie zeigten sich von Sportdirektor Ralf Rangnick enttäuscht. Menschlich sei das Verhalten unterste Schublade gewesen. Was ist vorgefallen?

Maierhofer: Dazu nehme ich keine Stellung mehr. Ich verlasse Salzburg als Doublesieger. Wir hatten super eineinhalb Jahre. Ich wurde Torschützenkönig, habe Freunde gewonnen und alles erreicht - das war's.

SPOX: In den Überlegungen von Trainer Roger Schmidt hatten Sie keinen Platz mehr. Wasser auf die Mühlen der Kritiker, die Ihnen noch immer Talentfreiheit unterstellen. Was halten Sie dagegen?

Maierhofer: Ich erzielte 46 Tore in 88 Spielen der österreichischen Bundesliga, bin in drei Jahren zwei Mal Meister und einmal Cupsieger geworden. Die Leute, die ständig zweifeln, sitzen hinter dem Schreibtisch und sind wahrscheinlich im Schulsport durchgefallen. Dann werden meine technischen Fertigkeiten bemängelt. Ich bin 2,02 Meter, wiege 103 Kilogramm. Dass ich mich nicht bewege wie Lionel Messi und fünf Übersteiger mache, ist selbsterklärend. Ich habe aus meinen Möglichkeiten sehr viel gemacht. Aber ich wollte mehr, habe mich überwunden und durchgebissen. Liebe Grüße an meine Kritiker!

SPOX: Ihr Werdegang ist für einen Profi völlig untypisch: Erst kam die Lehre im Familienbetrieb, dann die Bewerbung beim FC Bayern München...

Maierhofer: Ich war acht Jahre im Gastgewerbe tätig. Mit 22 schickte ich einige E-Mails an diverse Vereine in Österreich. Letztlich konnte mir ein ehemaliger Betreuer das Probetraining bei Bayern organisieren. Deswegen schätze ich den täglichen Aufwand, den ich im Profi-Alltag betreiben darf. Ich habe ein anderes Verhältnis dazu, weiß es vielleicht mehr wertzuschätzen. Ob dieser Demut bin ich weiter gekommen als manch anderer.

SPOX: Von der österreichischen Provinz zum großen FCB - später trainierten Sie sogar mit den Profis und kamen zu zwei Bundesliga-Einsätzen. Was ging da in Ihrem Kopf vor?

Maierhofer: Es war absolut genial! Felix Magath gab mir diese einzigartige Chance. Wir haben uns danach wieder getroffen. Er meinte, dass er gerne mit mir weitergearbeitet hätte. Vor zweieinhalb Jahren, bevor ich zum MSV Duisburg ging, wollte er mich zum FC Schalke 04 lotsen. Wolverhampton hatte jedoch eine zu hohe Ablöse-Forderung. Felix wusste, wenn ich gewisse Faktoren abrufe, kann ich eine Waffe sein. Das gab mir extrem Mut, den Weg mit Nachdruck zu verfolgen. Ich durfte bei Koblenz, Greuther Fürth, Duisburg meine Erfahrungen sammeln. Die eineinhalb Jahre mit Rapid Wien waren fantastisch. Zudem erfüllte ich mir den Traum von England. Ich wollte unbedingt in die Premier League.

SPOX: Wie haben Sie das Training unter Magath empfunden? Hat er sich den Beinamen "Quälix" wirklich verdient oder sind manche Profis zu verweichlicht?

Maierhofer: Wenn man alles besitzt und plötzlich zu einem Trainer wie Magath kommt, werden dir körperliche Grenzen aufgezeigt. Die Medizinbälle und andere Methoden sorgten natürlich für Furore. Nur: Dort wo Felix arbeitete, hatte er meistens Erfolg und die Spieler waren topfit. Ich machte auch mit Hermann Gerland in der Bayern-Reserve meine Erfahrungen. Da würde auch der ein oder andere Profi weinen.

SPOX: Sie genießen in Deutschland eine hohe Wertschätzung, anders als in Österreich. Warum?

Maierhofer: In Österreich ist der Neid-Faktor ausgeprägter als anderswo. Schon in der Schulzeit machte ich erste leidvolle Erfahrungen. Mein Vater sparte 20 Jahre auf einen Mercedes. Andere Leute verrauchten das Geld. Als er ihn hatte, damit Einkaufen fuhr und das Personal abholte, begann die Lästerei. Bei mir dasselbe. Niemand gönnte es mir, als ich mit 20 Jahren ein schönes Auto fuhr. Dass ich davor fünf Jahre im Gastgewerbe arbeitete, am Wochenende bis zu 30 Stunden, das sieht niemand. Jeder sieht nur das Momentane.

SPOX: Glauben Sie, dass diese Mentalität daran Schuld ist, weshalb die Karrieren auffällig vieler Österreicher verebben?

Maierhofer: Man gibt sich zu leicht mit wenig zufrieden - das ist das größte Problem. Für mich ist das Erziehungssache. Dafür kann ich meinen Eltern danken. Aber ich bin so, wie ich bin. Ab einer gewissen Altersgruppe, wenn du technisch begabt bist, verdienen manche richtig Kohle. Ich habe in einer unteren Klasse gekickt. Man muss etwas im Kopf haben, wissen seine Stärken einzusetzen - ob du belächelt wirst oder nicht. Ich bin fußballerisch limitiert, doch habe ich mir Herausforderungen gesucht.

SPOX: Wie groß ist nun die Freude, zurück in Deutschland zu sein?

Maierhofer: Du spielst in Köln gegen Erzgebirge Aue vor 42.000 Zuschauern. Deswegen wollte ich Profi werden. Der Stellenwert ist riesig, der Fußball hat eine zentralere Bedeutung. In Österreich lockt lediglich Rapid regelmäßig um die 12.000 Fans an, sonst sind die Stadien halbleer. Da laufe ich lieber in der 2. deutschen Klasse auf als in der österreichischen Bundesliga.

SPOX: Ihre extrovertierte Art polarisiert, spaltet die Massen. Bei Ihren Vereinen waren Sie meist einer der Publikumslieblinge. Worin liegt dieser Zuspruch der Fans begründet?

Maierhofer: Ich bin ein offener Mensch, gehe auf Leute zu. Wenn jemand normal auf mich zukommt, unterhalte ich mich gerne. Ich bin direkt, sage, was ich denke. Hin und wieder ist es vorteilhaft, hin und wieder sollte ich mir vielleicht auf die Zunge beißen. Natürlich sehen es Fans gerne, wenn man sich aufopfert. Ich bin einer, der nicht verlieren will. Auf dem Rasen rufe ich alles ab, was möglich ist.

SPOX: Was fehlt Ihnen noch, um Ihre neue Mannschaft mitzureißen?

Maierhofer: Ich nähere mich der Verfassung, um über 90 Minuten das bringen zu können, was ich mir vorstelle. Mir fehlte einfach Spielpraxis, jetzt kommen die letzten Prozente. Durch meine Art, wie ich auf dem Platz agiere, will ich mentale Stärke vermitteln. Ich kann für Unruhe in den Abwehrreihen sorgen, Gegenspieler auf mich ziehen. Meine Mitspieler können davon profitieren.

Stefan Maierhofer im Steckbrief

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