Das Stehaufmännchen Albert Bunjaku

Von Timo Schilder
Mittwoch, 05.12.2012 | 18:43 Uhr
Der Kapitän des 1. FC Kaiserslautern: Albert Bunjaku scheint endlich angekommen zu sein
© Getty
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Im Sommer entschied er sich für den Schritt zurück in die zweite Liga. War dieser Schritt zurück auch gleichzeitig ein Rückschritt? Albert Bunjaku ist ein gutes Beispiel für die Schnelllebigkeit des Profi-Fußballs und die ständigen Berg- und Talfahrten eines Fußballers. Er sieht seinen unspektakulären Abschied beim 1. FC Nürnberg als Stärkung für sich selbst.

10. August 2008, DFB-Pokal, 1. Runde. Ausverkaufte Bude im Erfurter Steigerwaldstadion. Der Drittligist Rot-Weiß Erfurt empfängt den großen FC Bayern München. Zur Halbzeit steht es bereits 2:1 für den Rekordmeister. Erfurts Trainer Karsten Baumann bringt den damals noch 24-jährigen Albert Bunjaku. Was dann passiert, wird Bum Bum Bunjaku, wie er später einmal heißen soll, in seinem Leben nicht mehr vergessen.

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Der Torjäger schießt zwei Minuten nach seiner Einwechslung den Ausgleich zum 2:2. Miroslav Klose erhöht zehn Minuten später auf 3:2. Das Erfurter Spiel des Jahres sollte noch verrückter werden: In der 67. Spielminute passt Massimo Cannizzaro ind die Tiefe auf Bunjaku. Der nimmt den Ball im Sechzehner an und schlenzt ihn rotzfrech mit dem rechten Außenrist ins lange Eck, 3:3! Bayern-Torwart Michael Rensing kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Vielleicht wäre er der Bayern-Killer geworden, wenn der Drittligist die Sensation geschafft hätte und Toni Kroos nicht kurz vor Schluss das 4:3 geschossen hätte. Vielleicht hätten die Überschriften der Zeitungen nicht "Bayern entgeht Debakel bei Klinsmann-Debüt", sondern "Bunjaku fertigt die Bayern ab - Europa jagt Sturmtalent" geheißen.

Per Zufall nach Erfurt

Dabei hatte ihm das Pokalerlebnis seine Frau Arijeta durch einen glücklichen Zufall ermöglicht. Als Bunjaku 2006 noch beim SC Paderborn kickte, arbeitete sie in einer Boutique, wo die Frau von Pavel Dotchev, dem damaligen Trainer des Fast-Bayern-Schrecks Rot-Weiß Erfurt, regelmäßig einkaufte. "Mein Mann spielt bei Paderborn, kommt aber nicht vom Fleck", gestand sie und hoffte auf einen neuen Job für ihren Ehemann. "Das trifft sich gut", antwortete die Trainer-Frau, "mein Mann sucht gerade einen Stürmer."

Durch einen Zufall heuerte Bunjaku bei Erfurt an, machte dort auf sich aufmerksam und unterschrieb dann 2009 in der 2. Liga beim 1. FC Nürnberg einen Profivertrag. Im selben Jahr kam es zu seinem "schönsten Tag in seinem Leben", weil ihn Ottmar Hitzfeld zur Nationalelf einlud. Insgesamt kommt der 29-Jährige auf sechs Einsätze für die Nationalmannschaft der Schweiz.

Dankbar für jeden Moment in der Nationalelf

Richtig durchsetzen konnte er sich bei Trainer Hitzfeld nicht: "Ich bin erst spät zur Schweizer Nati dazu gestoßen und es war dann auch schwierig, in einer funktionierenden Mannschaft einen Stammplatz zu erkämpfen."

Beurteilt man den 29-Jährigen nach seinen aktuellen Leistungen, wäre eine Rückkehr in die "Nati" nicht abwägig: In der aktuellen Saison, hat Albert Bunjaku bereits acht Saisontore in dreizehn Spielen erzielt. Im Vergleich: Beim 1. FC Nürnberg schoss er in 48 Spielen lediglich 15 Tore. "Aktuell besteht kein Kontakt zu Ottmar Hitzfeld. Ich bin aber dankbar für jedes Training in der Nationalelf und jeden Moment beim Team."

Das Anfang vom Ende beim Club

Die starken Leistungen in dieser Saison erinnern schon sehr an seine starke Saison 2009/2010 beim Club, als er auf zwölf Saisontore kam. Nach seiner besten Saison folgte im September 2010 der schwierigste Moment in seiner Karriere: Am 3. Spieltag der Bundesliga verletzte er sich gegen den Hamburger SV am Knie. Zuerst sah es nach einem Außenmeniskusriss im rechten Knie aus, dann der Schock: Beim Eingriff wurde zusätzlich ein Knorpelschaden diagnostiziert. Bunjaku musste knapp zehn Monate pausieren.

Für ihn war es der Anfang vom Ende beim Club. Bunjaku gibt zu, dass ihm in schwierigen Zeiten seine Familie entscheidend dabei half den "Glauben an sich selbst nicht zu verlieren. Sie haben mir sehr geholfen, wieder Aufzustehen. Daher bin ich meiner Frau, meinen Kindern und meinen Eltern auch für alle Zeiten dankbar. Aber natürlich war es schwierig, eine positive Einstellung zu behalten."

Trotz des merkwürdigen Endes beim 1. FC Nürnberg im Sommer 2012, bleibt Bunjaku fair: "Nach der langen Verletzungspause hat einfach auch die nötige Fitness gefehlt, um noch einmal richtig durchzustarten. Ich bin jetzt sogar gestärkt aus der Situation beim Club zurückgekommen."

"Der FCK und Albert Bunjaku - das passt einfach gut."

Der Schweizer mit bosnischen Wurzeln verließ im Sommer den 1. FC Nürnberg und entschied sich mit dem 1. FC Kaiserslautern für einen Verein, der "wieder auf ihn setzt", wie er sagt. Großen Anteil dabei hat Lauterns Vorstandsvorsitzender Stefan Kuntz: "Ich hatte überragende Gespräche mit ihm."

Für Franco Foda ist er auf dem Platz der verlängerte Arm, der Trainer ernannte den Schweizer vor der Saison zum Kapitän. Bunjaku zeigte sich erfreut über das Vertrauen: "Ein solches Amt bei einem solch großen Verein wie dem FCK ist für mich etwas ganz Besonderes und erfüllt mich mit Stolz." Scheint so, als wäre er endlich angekommen: "Ich denke und fühle: Der FCK und Albert Bunjaku - das passt einfach gut."

Saisonziel: Aufstieg mit dem FCK

In der Vergangenheit folgte auf eine gute Phase schnell eine schlechte. Entweder hervorgerufen durch eine Verletzung oder eben durch ein schlechtes Spiel zu einem ungünstigen Zeitpunkt. "Ich hatte schon sieben oder acht Meniskus-Operationen und einige weitere Verletzungen." In dieser Saison denkt er gar nicht erst an eine Verletzung wie im Jahr 2010.

"Für mich ist es erst einmal das Wichtigste, dass ich endlich schmerzfrei bin und mich total fit fühle." Kaum jemand weiß so gut, wie der Schweizer, dass im "Fußball alles sehr schnell gehen kann." Trotzdem hat er klare Vorstellungen von seiner Zukunft: "Bundesliga mit dem FCK ist mein Ziel, ist unser Ziel - das kann ich mir sehr, sehr gut vorstellen."

Albert Bunjaku im Steckbrief

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