Berlins Brasilianer im Aufwind

Herthas Ronny: Das neue Gesicht

Von Jochen Rabe
Freitag, 19.10.2012 | 09:31 Uhr
Peter Niemeyer (l.) lobte Mitspieler Ronny nach dessen starken Leistungen zuletzt in höchsten Tönen
© Getty
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Schlechte Ernährung, Übergewicht, Sprachprobleme und der Schatten des großen Bruders Raffael - Ronny war bei Hertha BSC, das am Freitag beim VfL Bochum antritt (18 Uhr im LIVE-TICKER), lange Zeit das Sorgenkind. In dieser Saison blüht der Brasilianer mit dem härtesten Schuss der Welt jedoch auf. Eine neue Position macht's möglich.

Freistoß für Hertha BSC. Der Ball liegt etwa 25 Meter vor dem Tor. Ronny läuft an, drischt den Ball über die Mauer in Richtung rechter Knick. Nur eine starke Flugeinlage von 1860-Keeper Gabor Kiraly verhindert das 4:0 für die Berliner gegen die Münchner Löwen. Damit verhindert er auch Ronnys fünftes Saisontor.

Vier Treffer und zwei Assists in neun Spielen, dazu ein Platz unter den ersten Elf - nach über zwei Jahren scheint der Brasilianer beim Hauptstadtklub angekommen zu sein. Mitspieler Peter Niemeyer nennt ihn den "wohl besten Ronny, seitdem er in Berlin ist. Er ist fit und arbeitet konzentriert."

Fitness und eine profihafte Arbeitseinstellung waren in der Vergangenheit nicht immer Attribute, die auf den Techniker zutrafen.

Härtester Schuss der Welt

Im Jahr 2006 wechselte der damals 20-Jährige nach Europa. Er entschied sich für den vermeintlich einfachsten Weg: Er umging die Sprachbarriere und heuerte in Portugal bei Sporting Lissabon an.

Schon in seiner ersten Saison setzte Ronny ein echtes Ausrufezeichen. Im Ligaspiel gegen Naval 1º de Maio erzielte der Brasilianer durch einen direkten Freistoß das späte 1:0-Siegtor für die Sportinguistas. Laut dem portugiesischen Fernsehen war der Hammer 211 km/h schnell - und damit der härteste Schuss der Welt.

Zweifel an der Richtigkeit der Messung sind vorhanden. "Ob die Anzeige damals korrekt war, weiß ich nicht", sagt auch Ronny. Doch Superlative hin oder her, mit diesem Treffer zeigte Ronny seine große Qualität: seinen linken Fuß.

Drei Jahre kein Stammplatz

Trotz dieser Waffe wurde der Brasilianer in drei Jahren bei Sporting aber nie wirklich zum Stammspieler. In der Saison 2008/09 brachte er es auf nur sechs Spiele, zwei davon von Beginn an.

Beim 18-maligen portugiesischen Meister hatte Ronny schnell keine Zukunft mehr. Der Umweg per Leihe zu Liganeuling Uniao Leiria half trotz dreier Treffer in 17 Partien auch nicht, um bei Sporting Fuß zu fassen.

Nur ein Köder für den Bruder?

Angebote gab es genügend - "aus der Türkei, Zypern, Piräus und von sechs Klubs aus Portugal. Der Präsident von Leiria stand mit einem Porsche Cayenne und einem Koffer voll Geld vor meiner Tür. Aber Geld ist nicht alles", sagt Ronny heute dazu.

Am Ende entschied er sich für Deutschlands 2. Liga und Hertha BSC, wo bereits sein Bruder Raffael kickte. Da dieser von zahlreichen Klubs umgarnt wurde und auf dem Weg war, Berlin zu verlassen, kamen schnell Gerüchte auf, wonach die Hertha Ronny nur verpflichtete, um Raffael nach dem Abstieg zum Bleiben zu bewegen.

Sollte es ein Plan gewesen sein, Ronny gezielt als Köder auszuwerfen - er ging auf, Raffael blieb. Auch wenn es nicht der einzige Grund gewesen sei, bestätigte Raffael, dass ihm der Transfer seines Bruders "die Entscheidung abgenommen" habe.

Übergewicht und schlechte Laktatwerte

Doch für Ronny selbst geriet das Abenteuer Berlin schnell zum Fiasko. Er trug daran auch eine Mitschuld. Gleich zu Beginn fiel er übergewichtig mit schlechten Werten durch den Laktattest.

Der Lebensstil des Brasilianers war seinem damaligen Trainer Markus Babbel ein Dorn im Auge: "Außerhalb des Platzes muss Ronny deutlich professioneller werden." Besonders prangerte Babbel die schlechte Ernährung des Neuzugangs an. Die Konsequenz: Die Hertha stellte dem Mittelfeldspieler tatsächlich eine eigene Köchin an die Seite. "Sie achtet darauf, dass ich mich richtig ernähre und es gleichzeitig gut schmeckt. Das klappt hervorragend", sagte Ronny.

Eine Gewichtsabnahme von acht Kilo änderte letztlich aber auch nichts daran, dass er unter Babbel kaum einmal mehr als den Status des Ergänzungsspielers einnahm. Nach dem Aufstieg in die Bundesliga kam Ronny in der Saison 2011/12 nur auf zwei Startelfeinsätze.

Auffällig: Auch als Babbel gehen musste, schaffte er es nicht, einen der drei weiteren Trainer (Michael Skibbe, Rene Tretschok, Otto Rehhagel) von seinen Qualitäten zu überzeugen.

Luhukay kritisiert Sprachprobleme

Die aktuelle Spielzeit leitete dann einen neuen Abschnitt ein. Nicht nur für den Verein, der sich schon wieder in der 2. Liga widerfand, sondern auch für Ronny. Sein Bruder verließ Berlin in Richtung Kiew, mit Jos Luhukay bekam er bereits seinen fünften Trainer vorgesetzt.

Es folgte ein Katastrophenstart mit nur einem Punkt aus zwei Spielen in der Liga und dem Pokal-Aus in Runde eins. Nach der ernüchternden Pleite beim FSV Frankfurt platzte Luhukay der Kragen - und Ronny bekam die volle Breitseite ab.

Luhukay kritisierte die Sprachprobleme des 26-Jährigen, Ronny stand kurz vor dem Rauswurf: "Ich gucke mir das noch zwei Tage an. Ronny hat seine Chance bisher bei keinem Trainer genutzt. Er muss mehr zeigen", sagte der Coach.

Wichtiges Siegtor gegen Union

Schaut man heute auf diese Aussage zurück, dann mag sie womöglich die richtige Ansage zur richtigen Zeit gewesen sein. Denn seitdem agiert Ronny wie ausgewechselt. Genauer gesagt: Seit dem Berliner Derby gegen Union, als er nur drei Minuten nach seiner Einwechslung urplötzlich mit einem ordentlichen Freistoß-Pfund den Siegtreffer beisteuerte und so zum Held des Abends wurde.

Luhukay nutzte in der Folge das Momentum und brachte Ronny in den kommenden Partien von Anfang an. Und erstmals in seiner Berliner Zeit liefert er nun auch das, was man sich von ihm verspricht. Zwei Treffer und eine Vorlage ließ er folgen und baute sichtlich Selbstbewusstsein auf.

Beste Hertha-Zeit in neuer Rolle

Jetzt klingt auch sein Trainer ganz anders: "Er hat den vielleicht stärksten linken Fuß der ganzen Liga. Auch was die Technik und die Spielübersicht angeht, gehört er zu den Top-Leuten."

Keine Frage, Ronny erlebt seine beste Zeit im Hertha-Trikot. Womöglich auch deswegen, weil Luhukay in ihm etwas anderes sieht als seine Vorgänger: "Ich weiß, dass Ronny auch im linken Mittelfeld gespielt hat oder als linker Außenverteidiger. Da werde ich ihn nicht aufstellen. Im Zentrum hat er mehr Ballkontakte als auf der Außenbahn und kann mit seiner Kreativität mehr Impulse geben. Für mich ist er ein Achter oder Zehner", sagt er.

Dennoch muss Ronny weiter an der Konstanz seiner Leistungen arbeiten. Diese schwanken noch zu sehr, um dauerhaft aus dem Schatten seines Bruders zu treten. "Er taucht noch zu oft ab und muss noch ausgeglichener werden", formuliert Luhukay die Hausaufgaben an seinen Spielmacher.

Genau die will er aber bewerkstelligen, um nicht nur über das Vertragsende 2013 hinaus an der Spree zu bleiben, sondern auch, um seine ambitionierten Zukunftspläne zu verwirklichen: "Ich will mit Hertha zurück in die Bundesliga, meinen Vertrag verlängern, und natürlich träume ich von der WM 2014."

Ronny im Steckbrief

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