Jos Luhukays geplanter Wutausbruch

Von Alexander Maack
Dienstag, 14.08.2012 | 13:01 Uhr
Kein einfacher Job: Jos Luhukay (M.) soll aus den Hertha-Spielern einen Aufsteiger formen
© Getty
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Der Fehlstart ist perfekt. Dem 2:2-Unentschieden zum Auftakt gegen den SC Paderborn folgte am Sonntag die blamable 1:3-Auswärtsniederlage beim FSV Frankfurt. Das Resultat: Es kriselt wieder bei Hertha BSC, dieses Mal aber gewollt.

Über 20 Minuten nahm sich Trainer Jos Luhukay am Montag Zeit, um auf die am Boden sitzenden Spieler von Hertha BSC einzureden. Mit einem Spickzettel bewaffnet, analysierte er die Leistung seiner Mannschaft vom vergangenen Wochenende. "Mangelnden Einsatzwillen", "fehlende Laufbereitschaft" und "schlechtes Zweikampfverhalten" attestierte Luhukay den Profis und knöpfte sich einzelne gesondert vor. "Du hast einen guten Schuss, schießt aber drei, vier Mal aus 40 Metern aufs Tor. Das kann einfach nicht sein", sagte er etwa zu Ronny.

Schon bei der Pressekonferenz nach dem 1:3 in Frankfurt war dem Niederländer der Kragen geplatzt. Er sei "mehr als tief enttäuscht", erklärte Luhukay: "Wir haben in der zweiten Halbzeit völlig versagt." Schon als der Trainer sich nach dem Ende der Bundesliga-Saison Gedanken über seine Zukunft machte, hätten ihm "viele abgeraten", den Job in Berlin anzutreten. Dennoch entschied sich der Niederländer ausgerechnet für Hertha. Er hatte darin "eine tolle Herausforderung" ausgemacht.

"Scheißegal, wer im Tor steht"

Nach zwei Spieltagen in Liga zwei knüpft der 49-Jährige nun dort an, woran sämtliche Verantwortliche seit Jahren verzweifeln: Trotz größter Ambitionen und talentierter Spieler bleiben die Berliner fast alljährlich unter ihren Möglichkeiten. "Es ist mir scheißegal, wer im Tor steht, ob wir mit zehn oder elf Mann spielen. Ich will Leidenschaft sehen", polterte der Niederländer: "Sie alle hier arbeiten acht bis zehn Stunden hart am Tag. Eine Fußballmannschaft muss nur eineinhalb Stunden arbeiten, und das hat sie nicht getan."

Trotz aller markigen Worte scheint der Wutausbruch des Trainers berechnet. Luhukay ist kein Neuling, dem die Hutschnur platzt, und für sein überschäumendes Temperament ist er ebenso wenig bekannt. "Das ist das erste Mal in 20 Jahren als Trainer, dass ich in der Kabine so laut geworden bin. Das ist nicht gut für mein Herz", resümierte er selbst. "Bei uns fehlt es an der Bereitschaft zu laufen. Das kann nicht sein."

Wenn seine Philosophie ihn den Köpfen seiner Spieler verankert sei, werde Hertha durchstarten, hatte Luhukay während der Vorbereitung angekündigt: "Ab Oktober sind wir unschlagbar." Acht Wochen bleiben Luhukay dafür noch, seine Euphorie hat sich mittlerweile aber gelegt.

"Wir haben nicht als Mannschaft miteinander gespielt", analysierte er, um dann wieder zu schimpfen: "Ich habe da kein Team gesehen, nur Einzelspieler!" Als "katastrophal" und "inakzeptabel" bezeichnete er das Spiel seiner Mannschaft, bei der die als Leistungsträger eingeplanten Ronny und Adrian Ramos maximal unauffällig blieben.

Krtitik an Kapitän Peter Niemeyer

Luhukay will seine Spieler anstacheln, aus der Lethargie reißen: "Es waren einige da, die hätten vorangehen sollen, aber von denen habe ich nichts gesehen." Ein klarer Seitenhieb gegen Kapitän Peter Niemeyer, der vorab über den FSV Frankfurt getönt hatte, er wolle "die weghauen, am liebsten zu null", und anschließend von der "Bild" als Kapitänchen bezeichnet wurde.

Immerhin: Die gute Laune ist den Berlinern noch nicht vollends vergangen. "Nach so einem Spiel gibt es einigen Anlass für ein Gespräch zwischen Trainer und Kapitänchen", erklärte Niemeyer nach der Rückkehr in die Hauptstadt. Er hat trotz der flapsigen Formulierung erkannt, wie ernst die Lage schon nach dem zweiten Spieltag ist: "Wir haben als Kollektiv versagt. Das will ich als Kapitän nicht nochmal sagen müssen."

Der Graben zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist in Berlin trotz des abermaligen Abstiegs aus der Bundesliga noch immer erschreckend groß. Der Mannschaft fehlt Charakter. "Zu viele meinen, dass sie groß sind und einen Namen haben. Diesen Status können sie in die Mülltonne werfen", sagte Luhukay. Der Einsatz auf dem Platz erinnert eher an einen müden Kick im ersten Vorbereitungsspiel.

Durch Schulden zum Aufstieg verdammt

Ein Scheitern ist undenkbar. Hertha ist regelrecht zum Aufstieg verdammt. Schon vor der Saison musste der hoch verschuldete Klub mehr als ein Dutzend Geschäftsstellenmitarbeiter entlassen. Mit dem vermeintlich einfachen Auftaktprogramm wollten die Verantwortlichen die Berliner Medien beruhigen.

Im "Tagesspiegel" sagte Manager Michael Preetz über seine Ambition, mit Luhukay durch Dick und Dünn zu gehen: "Das haben wir uns auch immer bei anderen Trainern vorgenommen. Mit Jos Luhukay unternehmen wir einen neuen Anlauf, da habe ich ein gutes Gefühl. Kontinuität ist leicht, wenn man Erfolg hat. Wenn es schwierig wird, muss man zusammenstehen." Der Zeitpunkt könnte früher gekommen sein, als ursprünglich gedacht.

Der Kader von Hertha BSC im Überblick

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