"Ich wollte gar nicht weg aus Frankfurt"

Von Interview: Max Marbeiter
Mittwoch, 25.07.2012 | 14:54 Uhr
Oscar Corrochano (M.) hat im März den Trainerlehrgang des DFB abgeschlossen
© Getty
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Oscar Corrochano tritt bei Jahn Regensburg die Nachfolge von Aufstiegstrainer Markus Weinzierl an und geht somit in seine erste Saison als Coach einer Profimannschaft. Im Interview spricht der 35-Jährige über den Trainerlehrgang mit Stefan Effenberg und Mehmet Scholll, ein Praktikum bei Eintracht-Trainer Armin Veh die Nachwuchsarbeit und das DFB-Pokalspiel gegen den FC Bayern München.

SPOX: Herr Corrochano, es ist nicht lange her, da haben Sie gesagt, dass Sie Eintracht Frankfurt lediglich bei einem Anruf von Real Madrid verlassen würden. Waren Sie enttäuscht, als dann "nur" Jahn Regensburg angerufen hat?

Oscar Corrochano: Das war natürlich eine ironische Aussage. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass das überhaupt aufgeschrieben wird. Das war natürlich Schmarrn. Für mich ist Jahn Regensburg ein Traditionsverein und somit eine tolle Herausforderung.

SPOX: Nach Markus Weinzierls Wechsel zum FC Augsburg hatte Sie niemand so richtig als dessen Nachfolger auf dem Zettel. Wie kam der Kontakt zustande?

Corrochano: Wir standen schon vorher in Kontakt. Damals ging es allerdings nicht um einen Trainerjob. Die Scoutingabteilung des Jahn hat mich wegen einiger junger Spieler angerufen. Auch Manager Franz Gerber brauchte einige Infos, so kamen wir uns Gespräch. Erst nach dem Aufstieg haben sie mich dann kontaktiert, um mich zu fragen, ob ich mir vorstellen könnte, in Regensburg zu arbeiten.

SPOX: Haben Sie lange überlegt?

Corrochano: Ich wollte eigentlich gar nicht weg aus Frankfurt, war im Leistungszentrum voll integriert und hätte dieses Jahr die im Verein hochangesehene U 19 übernommen. Auch die Zusammenarbeit mit Armin Veh lief sehr gut. Als der Anruf aus Regensburg kam, musste ich dennoch nicht lange überlegen. Das Ganze lief dann über ein paar Wochen. Wir haben uns getroffen. Sie wollten mich, meine Ideen und Vorstellungen richtig kennenlernen.

SPOX: Haben Sie dabei schnell gemerkt, dass es zwischen Ihnen und dem Verein passt?

Corrochano: Ich habe meine Vorstellungen und Philosophie. Dass es für einen Aufsteiger schwer wird, war mir allerdings von Beginn an klar. Dennoch ist das eine große Chance für mich. Die Tatsache, dass wir eine junge, entwicklungsfähige Mannschaft haben, erleichtert meine Arbeit deutlich.

SPOX: In Frankfurt waren sie für den Nachwuchs zuständig. Haben Sie schon Unterschiede zwischen der Arbeit dort und der mit den Profis in Regensburg feststellen können?

Corrochano: Bei der U 23 und im Leistungszentrum der Eintracht haben wir auch schon sehr professionell gearbeitet. Das war ein Fulltime-Job. Jetzt ist alles natürlich ein Stück intensiver. In der zweiten Liga zählen die Ergebnisse noch mehr, man steht in der Öffentlichkeit, der Druck ist größer. Zudem wird im Leistungszentrum perspektivischer gearbeitet. Das müssen wir jetzt in der zweiten Liga zwar auch, dort liegt der Fokus allerdings vorwiegend auf dem Tagesgeschäft.

SPOX: Wo liegen für Sie die größten strukturellen Unterschiede zwischen dem Bundesligisten Eintracht Frankfurt und dem Zweitliga-Aufsteiger Jahn Regensburg?

Corrochano: Das ist grundsätzlich nicht zu vergleichen. Allerdings hatte ich auch noch nicht wirklich Zeit, mir einen ausführlichen Eindruck vom Regensburger Leistungszentrum zu verschaffen. Momentan liegt mein ganzer Fokus auf der ersten Mannschaft. Da ist mein Zeitplan ziemlich eng gesteckt. Sobald ich etwas Luft habe, werde ich mir aber die U 17, die in der Bundesliga spielt, und auch die anderen Nachwuchsmannschaften anschauen.

SPOX: Sie sind in jungen Jahren ins Trainergeschäft eingestiegen. Wie verlief der Übergang vom Spieler zum Trainer?

Corrochano: Als ich meine Karriere aufgrund einer Sprunggelenksverletzung von heute auf morgen beenden musste, hat mich der damalige Jugendkoordinator der Eintracht gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, im Nachwuchsleistungszentrum eine Mannschaft zu übernehmen. Ich habe recht schnell zugesagt und dann auch meine Trainerlizenz gemacht.

SPOX: Gab es schon während Ihrer aktiven Laufbahn Überlegungen, später einmal ins Trainergeschäft einzusteigen?

Corrochano: Nein, das nicht. Mit 27 oder 28 macht man sich über so etwas keine großen Gedanken. Das hat sich einfach ergeben.

SPOX: Hat es ein junger Trainer denn schwerer, von Mannschaft und Verein akzeptiert und respektiert zu werden?

Corrochano: Da muss man von Fall zu Fall unterscheiden. Wir haben in Regensburg zum Beispiel viele junge Spieler in der Mannschaft, da ist ein solcher Prozess einfacher.

SPOX: Ihre Trainerlizenz haben Sie gemeinsam mit Stefan Effenberg und Mehmet Scholl abgeschlossen. Wo sehen Sie, der bereits sehr früh erste Erfahrungen als Trainer gesammelt hat, Ihre Vor- und Nachteile gegenüber langjährigen Nationalspielern, die zuvor nie als Trainer aktiv gewesen sind?

Corrochano: Natürlich sind das Spieler, die in der Nationalmannschaft und Champions League viele Spiele bestritten haben. Allerdings stand ich während meiner Karriere auch bei Eintracht Frankfurt im Kader - mit Spielern wie Andreas Köpke oder Maurizio Gaudino. Deshalb kenne ich die Abläufe ebenfalls. Was die beiden während ihrer Laufbahn erlebt haben, war aber natürlich für jeden einzelnen Lehrgangsteilnehmer interessant. Da kann man einiges lernen. Ich hatte dafür bereits fünf Jahre als Trainer gearbeitet. Das Schöne war jedoch, dass sich alle gut ergänzt haben und jeder von jedem etwas mitnehmen konnte.

SPOX: Im Rahmen des Lehrgangs haben Sie auch ein Praktikum bei Armin Veh absolviert. Welche Erfahrungen haben Sie daraus mitgenommen?

Corrochano: Von einem so erfahrenen Trainer wie Veh etwas lernen zu dürfen, ist natürlich Gold wert. Da kann man in jeder Hinsicht etwas mitnehmen. Zudem imponiert mir seine natürliche Autorität. Gerade als U-23-Trainer stand ich mit ihm in sehr engem Kontakt. Dennoch hat jeder Trainer seine eigene Identität. Man nimmt gewisse Dinge mit - positive wie negative - kann aber nichts kopieren. Das werde ich auch nicht tun. Grundsätzlich lernt man aber nie aus.

SPOX: Regensburg hat eine sehr junge Mannschaft. Sind Ihre Erfahrungen im Nachwuchsbereich deshalb von Vorteil?

Corrochano: Absolut. In Zukunft wird es immer mehr von Bedeutung sein, dass man - wie vom DFB auch gefordert - bereits in Leistungszentren gearbeitet hat, um die guten jungen Spieler zu verstehen. Schließlich soll ihnen bereits in jungen Jahren einiges an Methodik vermittelt werden. Allerdings können ältere Trainer, deren Erfahrungsschatz schwer aufzuholen ist, auch Fortbildungen besuchen. Man kann das also nicht pauschalisieren.

SPOX: Mit Tobias Schweinsteiger hat ein Führungsspieler den Verein verlassen. Wie gedenken Sie ihn zu ersetzen?

Corrochano: Eines ist sicher: Wenn wir die Liga halten wollen, schaffen wir das nur im Kollektiv. Deshalb ist es auch nicht meine Art, nur einen Spieler in die Verantwortung zu nehmen.

SPOX: Die Erwartungshaltung in Regensburg ist realistisch, das Vertrauen in Sie sehr groß. Vereinfacht das Ihre Arbeit und den Start?

Corrochano: Unser Vorteil ist, dass wir wissen, wo wir hingehören. Mit dem Aufstieg ist das Ziel Klassenerhalt auch schon klar definiert worden. Darum müssen wir bis zum letzten Spieltag kämpfen, nicht nur bis zum achten oder zehnten.

SPOX: In der 1. Runde des DFB-Pokals geht es gleich gegen den FC Bayern München. Ist ein solches Highlight nicht Segen und Bürde zugleich? Machen Sie sich Sorgen, dass es die Liga ein wenig in den Schatten rückt?

Corrochano: Das habe ich noch nicht festgestellt. Wir haben vorher zwei enorm wichtige Spiele. Generell müssen wir uns erst mal finden, deshalb sprechen wir auch noch nicht über die Bayern. Zudem ist der Ligaalltag nach dem Aufstieg allein schon Highlight genug. Ich selbst beschäftige mich ohnehin noch nicht mit dem Pokal.

SPOX: Mit dem TSV 1860, Duisburg, Berlin und Bochum hat der Jahn kein leichtes Auftaktprogramm erwischt...

Corrochano: Wir wissen, dass es schwer wird. Andererseits liegt darin genau unsere Chance. Die Mannschaft arbeitet gut, aber wir müssen und werden uns noch verstärken.

Oscar Corrochano im Steckbrief

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