Mittwoch, 28.03.2012

Kevin Volland im Interview

"Rooney? Das habe ich schon mal gehört"

Mit 19 Jahren gehört Kevin Volland bei 1860 München schon zu den Leistungsträgern. Im Interview spricht der U-21-Nationalspieler über hartes Training bei den Löwen, den Sprung nach Hoffenheim und Vergleiche mit Wayne Rooney.

Kevin Volland (l.) hat in dieser Saison bereits zehn Treffer für die Löwen erzielt
© Getty
Kevin Volland (l.) hat in dieser Saison bereits zehn Treffer für die Löwen erzielt

SPOX: Herr Volland, kennen Sie Ex-Langlauf-Weltmeister Johan Mühlegg?

Kevin Volland: Vom Hörensagen, ja. Ich glaube, seine Schwester war mal meine Lehrerin. Er kommt so wie ich aus Marktoberdorf, DEL-Spieler Felix Petermann übrigens auch. Ein paar Namen, die man kennen kann, gibt es in Marktoberdorf schon. (lacht)

SPOX: Sie haben als kleiner Junge auch Eishockey gespielt. Wann fiel die Entscheidung zugunsten des Fußballs?

Volland: Am Anfang habe ich Eishockey und Fußball gespielt. Zur Eishalle musste ich aber eine Dreiviertelstunde fahren und zum Fußballplatz konnte ich zusammen mit meinen Kumpels radeln. Da habe ich mir gesagt: lieber Fußball. Obwohl mir beides sehr viel Spaß macht - immer noch. Ich schaue mir regelmäßig die Spiele des EHC München an.

SPOX: Trotz Ihrer Schnelligkeit und Spritzigkeit sind Sie auch körperlich robust. Kommt das von Ihrer Eishockey-Vergangenheit?

Volland: Ich weiß nicht, ich war damals ja erst acht Jahre alt - da hat man noch nicht so die Muckis. (lacht) Mein Papa (Andreas Volland, ehemaliger Eishockey-Nationalspieler; Anm. d. Red.) ist ein bisschen breiter und ein robuster Typ. Das habe ich wahrscheinlich von ihm.

SPOX: Sie haben ein turbulentes Jahr hinter sich: Vor 14 Monaten haben Sie in Osnabrück Ihr erstes Zweitligaspiel von Beginn an gemacht und gleich das entscheidende Tor geschossen. Seitdem ist viel passiert.

Volland: Das Jahr ging schnell vorbei, aber es war auf jeden Fall ein positives für mich, auf das man aufbauen kann. Nachdem ich bis dahin einige Kurzeinsätze hatte, habe ich in Osnabrück meine Chance bekommen, weil einige verletzt oder gesperrt waren. Solche Chancen musst du dann eben nutzen. Ich habe einen überragenden Tag erwischt und dann das Vertrauen vom Trainer bekommen. Das ist sehr wichtig, denn dadurch kann man sich voll reinhauen und befreiter aufspielen. Ich wusste, dass ich nach Fehlern nicht gleich draußen sitzen würde - das hat mir sehr viel geholfen.

SPOX: Mittlerweile sind Sie einer der Topscorer der 2. Liga. Die Erwartungshaltung Ihnen gegenüber hat sich in den letzten Monaten stark verändert.

Volland: Die Ansprüche sind höher geworden, aber das war mir klar. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass ich immer noch 19 Jahre alt bin. Ich bin kein erfahrener Profi, der schon seit fünf Jahren im Geschäft ist. Ich versuche einfach immer, meine Leistung zu bringen. Es wurde ja vermutet, dass ich in ein Loch fallen würde, da ich im Sommer wenig Pause hatte. Aber im Endeffekt liegt es immer an einem selbst, wie man sich präsentiert. Ich bin ein Typ, der auch an einem schlechten Tag über das Läuferische und Kämpferische ins Spiel finden kann.

SPOX: Bis vor kurzem waren die Löwen noch im Rennen um die Aufstiegsplätze, dann folgten die schlechten Resultate gegen den FSV, Aue und Fürth. Wie ist die Mannschaft mit dem A-Wort umgegangen?

Volland: Bei Sechzig spricht man schnell mal vom Aufstieg, das war letztes Jahr auch so, als wir am Anfang der Saison drei, vier Spiele gewonnen haben. Dieses Jahr haben wir uns durch die Siegesserie wieder gut an die oberen Plätze hingekämpft. Wir haben die Situation aber immer realistisch gesehen und uns nicht zu sehr mit dem Aufstieg beschäftigt. Klar träumt jeder davon und gibt alles dafür. Aber da die vorderen Teams ziemlich gefestigt sind und so gut wie jedes Spiel gewinnen, ist es sehr schwer. Es war vorauszusehen, dass wir nicht jedes Spiel in der Rückrunde gewinnen würden, aber eines ist klar: So wie gegen den FSV Frankfurt hätten wir nicht verlieren dürfen.

SPOX: FSV, Aue, Dresden, Rostock: 1860 hat gegen diese Teams einige Punkte liegen lassen. Woran liegt es, dass sich die Löwen gegen die sogenannten Kleinen so schwer tun?

Volland: Ich glaube, das ist ein Vorurteil. Wir gehen in jedes Spiel gleich. In der 2. Liga kann eben jeder jeden schlagen. Klar hatten wir in der Hinrunde gegen Rostock und Dresden Ergebnisse, die nicht gepasst haben. Aber andere Teams aus der Spitzengruppe haben auch ein paar Punkte gelassen.

Die Top-Torjäger der Zweitliga-Saison 2011/2012
Rang 1: Oliver Occean von Greuther Fürth (17 Tore)
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Rang 1: Oliver Occean von Greuther Fürth (17 Tore)
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Rang 1: Nick Proschwitz vom SC Paderborn 07 (17 Tore)
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Rang 1: Nick Proschwitz vom SC Paderborn 07 (17 Tore)
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Rang 1: Alexander Meier von Eintracht Frankfurt (17 Tore)
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Rang 1: Alexander Meier von Eintracht Frankfurt (17 Tore)
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Rang 4: Mohamadou Idrissou von Eintracht Frankfurt (14 Tore)
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Rang 4: Mohamadou Idrissou von Eintracht Frankfurt (14 Tore)
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Rang 4: Kevin Volland vom TSV 1860 München (14 Tore)
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Rang 4: Kevin Volland vom TSV 1860 München (14 Tore)
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Rang 6: Sascha Rösler von Fortuna Düsseldorf (13 Tore)
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Rang 6: Sascha Rösler von Fortuna Düsseldorf (13 Tore)
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Rang 6: Max Kruse vom FC St. Pauli (13 Tore)
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Rang 6: Max Kruse vom FC St. Pauli (13 Tore)
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Rang 6: Zlatko Dedic von Dynamo Dresden (13 Tore)
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Rang 6: Zlatko Dedic von Dynamo Dresden (13 Tore)
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Rang 6: Christopher Nöthe von Greuther Fürth (13 Tore)
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Rang 6: Christopher Nöthe von Greuther Fürth (13 Tore)
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SPOX: Täuscht es, oder haben Sie in den letzten Monaten an Muskelmasse zugelegt?

Volland: Ein bisschen vielleicht. Das ist bei der Umstellung vom Jugendtraining auf den Profibetrieb ganz normal. Man muss im Kraftzirkel regelmäßig was machen, dass man gegen die Ochsen in der Abwehr den Ball halten kann. Aber eigentlich bin ich konstant bei meinen 79, 80 Kilogramm. Bewusst geändert am Training wurde nichts.

SPOX: Wer ist Ihr fußballerisches Vorbild?

Volland: In der Jugend fand ich Michael Ballack immer überragend. Allein sein Auftreten und sein Spielverständnis sowie seine Präsenz und Übersicht haben mich beeindruckt. Man kann sich viel von solchen Führungsspielern abschauen. Mein Lieblingsspieler war damals Ronaldinho, weil es einfach Spaß gemacht hat, ihm zuzusehen.

SPOX: Wenn man Sie spielen sieht, kommt man auch auf Wayne Rooney.

Volland: (lacht) Das habe ich schon ein paar Mal gehört. Vom Spielertyp sind wir uns ähnlich, er ist auch ein Kämpfer. Das kann man schon stehen lassen.

"Im Nationalteam löst man die eine oder andere Situation nicht über den Zweikampf, sondern über das Spielerische."


Kevin Volland

SPOX: Apropos Führungsspieler: Benjamin Lauth hat sich dahingehend sehr positiv über Sie geäußert. Ist das eine Rolle, in die Sie hineinwachsen wollen?

Volland: Da haben wir in der Mannschaft noch andere, die als Leader vorangehen. Die Hierarchie passt sehr gut. Da stelle ich mich hinten an. Ich bin ja noch jung. Aber klar, ich habe auch schon knapp 50 Zweitligaspiele auf dem Buckel - und auf dem Platz muss man ja miteinander reden, mal einen Mitspieler pushen oder selbst gepusht werden. Da kann ich auch mal was sagen.

SPOX: Sind Sie ein kommunikativer Typ auf dem Platz?

Volland: Ich war in der Jugend Kapitän der U 19, da lernt man einiges in diese Richtung. Ich rede schon viel auf dem Platz und pushe gern, aber man muss sich immer auch auf seine Leistung konzentrieren.

SPOX: Wo sehen Sie in Ihrem Spiel noch Verbesserungsbedarf?

Volland: Auf jeden Fall bei der Ballannahme, das geht noch besser. Stärker werden möchte ich auch mit dem rechten Fuß und im Kopfballspiel. Aber ich muss auch weiter an meinen Stärken arbeiten und meine Dynamik und Spritzigkeit nicht verlieren.

SPOX: Sie sind ein klassisches Produkt der 1860- und DFB-Jugendarbeit. Seit 2008 haben Sie alle DFB-Jugendmannschaften durchlaufen. Was haben Sie da mitgenommen?

Volland: Das hat mir alles sehr geholfen. Die internationalen Spiele, wie etwa die U-17-WM, sind eine gute Bühne, um sich zu präsentieren. Ein kleiner Nachteil war, dass das ganze mit einem hohen Aufwand verbunden war: Ich war viel unterwegs und habe oft in der Schule gefehlt. Aber es war immer eine super Zeit - bis auf die U-19-EM-Qualifikation im letzten Jahr.

SPOX: Was ist da passiert?

Volland: Ich durfte nur wenig spielen, das war enttäuschend. Es gab Entscheidungen, die ich als Spieler nicht verstanden habe. Als gestandener Zweitliga-Spieler nur 20 Minuten in drei Qualifikationspartien zu spielen und dann auch noch auszuscheiden - das ist nicht so toll. Aber das muss man abhaken und ist auch schon vergessen. Es geht ja immer weiter.

SPOX: Auf was wird beim DFB am meisten Wert gelegt?

Volland: Außerhalb des Platzes ist Disziplin immer ein ganz wichtiges Thema. Auf dem Rasen steht das spielerische Element im Mittelpunkt. Dabei wird taktisch und spielerisch an Feinheiten gearbeitet, denn der DFB weiß, dass wir im Verein genug trainieren. Der Fokus liegt darauf, Situationen spielerisch zu lösen. Da lernt man viel dazu, denn man steht immer mit technisch versierten Spielern auf dem Platz.

SPOX: Wo liegen die größten Unterschiede zum Zweitliga-Training?

Volland: Ich will nicht sagen, dass es vom Tempo her höher ist, aber es ist einfach etwas anderes. Im Nationalteam löst man die eine oder andere Situation nicht über den Zweikampf, sondern über das Spielerische.

SPOX: Diese Kombination aus spielerischem und kämpferischen Element müsste Ihnen also zugute kommen.

Volland: Das ist überragend. Deshalb bin ich ja auch dieses halbe Jahr noch bei 1860 geblieben. Wichtig sind Spielpraxis und die kämpferischen Momente, da wirst du robust. Ich fühle mich hier einfach wohl.

SPOX: Im Sommer geht es dann aber nach Hoffenheim. Hatten Sie bereits Kontakt zu Markus Babbel?

Volland: Nein, noch nicht. Mit Ernst Tanner stand ich bis zu seiner Entlassung regelmäßig in Kontakt. Ich verfolge, was in Hoffenheim passiert.

SPOX: Was wird Sie dort erwarten?

Volland: Das Tempo wird noch einmal höher werden. Ich muss mich im neuen Umfeld einfinden, an das Tempo gewöhnen und so schnell wie möglich ins Team einfügen. Das ist für mich der nächste Schritt: Ich hoffe, dass ich eine Verstärkung bin und kein Mitläufer, denn ich will mich voll etablieren. Alles Weitere wird man sehen, es wird schließlich auch die erste Saison des Trainers, die er von Beginn an bestreitet.

Kevin Volland im Steckbrief

Interview: Christian Bernhard

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