Fussball

Reiner Maurer: "Das war ein Imageverlust"

SID
Stürmer Benjamin Lauth und seine Münchner Löwen kommen derzeit nicht vom Fleck
© Getty

Das Wetter am Montag in München passte ganz gut zur aktuellen Situation beim Traditionsklub TSV 1860 München: grau und ungemütlich. Der Auslöser ist die jüngste 1:3-Heimniederlage des Zweitligisten gegen den VfL Bochum.

"Wir haben dem Verein einen unglaublichen Schaden zugefügt, der nur schwer zu beheben ist", gab Trainer Reiner Maurer zu und ergänzte: "Das war ein Imageverlust."

Es heißt was bei Maurer, der in der Szene eher als bedachter Analytiker gilt, wenn er zu solch markanten Worten greift.

Nach 14 Spieltagen auf Platz acht

Die Löwen geben in der Saison eins nach der Rettung durch den jordanischen Investor Hasan Ismaik - er verhinderte mit einer Geldspritze von 18 Millionen Euro die drohende Insolvenz - weiter ein erschreckendes Bild ab.

Von den vergangenen sechs Zweitligaspielen gewann der TSV 1860 nur eines. Nach 14 Spieltagen scheint die Zweitligasaison für den TSV 1860 bereits gelaufen zu sein: Platz acht, ohne reelle Chance in den Aufstiegskampf einzugreifen. "Wir wussten, dass wir in dieser Saison nicht ganz vorne mitspielen werden", sagte 1860-Sportdirektor Florian Hinterberger.

"Alles andere wäre Träumerei gewesen." Auch Präsident Dieter Schneider spricht immer wieder von einem "Jahr der Konsolidierung", doch das ist dem Löwen-Fan nur schwer zu verkaufen.

Zuschauerschwund in der Allianz Arena

Die Folge: die Zuschauer tun sich immer schwerer, sich mit dem Deutschen Meister von 1966 zu identifizieren. Gegen Bochum kamen nur noch 18.300 Zuschauer ins WM-Stadion, das Platz für 69.000 Besucher bietet.

Da spielt es auch keine Rolle, dass der neue 1860-Vermarkter H.I. Squared International den Oberrang mit Tüchern abdeckt und optisch den Eindruck erwecken will, dass das Stadion gut gefüllt sei.

Maurer: "Jetzt müssen sie bluten"

Der, der dafür sorgen soll, dass die Fans wieder in die Arena kommen, ist Trainer Maurer. Doch auch der 51-jährige Ex-Profi darf sich bei 1860 längst nicht mehr sicher fühlen, auch wenn Präsident Schneider sagt: "Wir suchen jetzt nicht nach einem Bauernopfer - das wäre der falsche Weg."

Unterdessen geht Maurer erstmals auf Distanz zu seiner Mannschaft und sagt Sätze, die wie eine Drohung klingen: "Ich werde die Woche hart trainieren. Jetzt müssen sie bluten. Dagegen ist ein Laktattest harmlos. Das ist ein Zeichen an die Mannschaft."

Denkmal Radenkovic macht sich Sorgen

Auch 1860-Denkmal Petar Radenkovic ("Bin i Radi, bin i König") macht sich nicht erst durch die neuesten Entwicklungen große Sorgen um seinen Verein. "So steigen die Löwen in 100 Jahren nicht mehr auf", sagte der 77-Jährige. "Das macht mich alles sehr traurig, was aus dieser großen deutschen Marke geworden ist."

Was den ehemaligen Torwart der 60er-Jahre am meisten verwundert, ist das Engagement von Ismaik.

"Ich blicke bis heute nicht durch, warum Ismaik mit seinem Geld erst 1860 rettet und sich dann wieder zurückzieht. Das ist total untypisch für einen Investor. Ismaik muss auch Geld in die Mannschaft stecken, sonst sind seine 18 Millionen Euro schneller weg als er glaubt. Die Leute bei 1860 müssen endlich aufwachen."

Der TSV 1860 München im Steckbrief

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