KSC-Stürmer Lavric im Porträt

Klemen Lavric: Odyssee des Fast-Königlichen

Von Marc-Oliver Robbers
Montag, 19.09.2011 | 11:21 Uhr
Klemen Lavric (l.) soll den neuen KSC zusammen mit Kapitän Alexander Iashvili führen
© Imago
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Nach drei Jahren auf Wanderschaft ist Klemen Lavric zurück in Deutschland. Er soll die neue Mannschaft des Karlsruher SC führen, dank seiner Vorgeschichte sind allerdings durchaus Zweifel angebracht. Schuld an allem ist das ominöse Real-Madrid-Gerücht.

Sein Name ist in Fußballkreisen untrennbar mit Real Madrid verbunden. Dabei hat Klemen Lavric nie für die Königlichen gespielt. Es war im Januar 2007, als plötzlich die Meldung die Runde machte, dass der slowenische Nationalspieler in Diensten des MSV Duisburg bei Real auf dem Einkaufszettel stehe.

Die Nachricht sorgte für ungläubiges Staunen. Schnell war klar, dass sich da jemand einen Scherz erlaubt haben musste. Auch wenn das Interesse vom MSV und Lavric' Berater-Agentur bestätigt wurde, dementierte Reals damaliger Sportdirektor Predrag Mijatovic umgehend: "Ich weiß nicht, woher diese Nachricht stammt. Man sollte den MSV-Präsidenten mal fragen, mit wem er gesprochen hat. Vielleicht ist er einem Scherz aufgesessen und hat mit jemandem telefoniert, der sich als ein Verantwortlicher von Real ausgegeben hat. Solche Dinge kommen im Fußball vor."

Mysteriöses Real-Angebot

In Internetforen galt das Satiremagazin "Titanic" als Urheber des Gerüchts. Jedoch erschien dort nie eine Auflösung oder ein Artikel zum Thema. Die Geschichte ist bis heute nicht aufgeklärt und doch war sie der Knackpunkt in der Karriere des Stürmers.

Nur wenig später kam es zum Bruch mit den Verantwortlichen in Duisburg. Unter Trainer Rudi Bommer verlor der Slowene seinen Stammplatz. Im August 2007 wollte er durch eine Flucht nach Frankreich gar seinen Wechsel erzwingen, da er sich weigerte, weiter für den MSV zu spielen. Der VfB Stuttgart bekundete leises Interesse am Angreifer.

Unrühmlicher Abgang in Duisburg

Nach Zahlung einer Geldstrafe kehrte Lavric nach Duisburg zurück und absolvierte die Hinrunde für die Meidericher. Aber bereits in der Rückrunde flammte der Konflikt mit dem Trainer wieder auf und endete in einer vorläufigen Suspendierung.

"Klemen Lavric spielt in dieser Saison nicht mehr für uns. Er hat in einem Gespräch mit mir einen Stammplatz gefordert und erklärt, wenn er den nicht bekomme, setze er sich auf die Tribüne. Das habe ich in meiner Karriere noch nie erlebt. Sowas können wir hier nicht einreißen lassen. Klemen hat von mir genug Möglichkeiten bekommen und ist immer wieder angeschoben worden. Leider ohne Erfolg", sagte Bommer damals.

Aus der Not heraus wurde die Degradierung allerdings kurz vor Saisonende wieder aufgehoben. Den Abstieg des MSV konnte aber auch Lavric nicht mehr verhindern.

Wechsel nach Japan

Nach der Saison klappte es schließlich mit einem Wechsel: Der Slowene schloss sich Omiya Ardija an. Nicht wenige Fans quittierten diese Nachricht mit Hohn und Spott. Statt nach Madrid oder Stuttgart ging es ins japanische Saitama.

In Japan avancierte Lavric wieder zum Stammspieler und erzielte fünf Tore in 21 Spielen. Doch auch dies hielt nicht lange an. Im Juli 2009 wurde er auch bei Omiya aussortiert. So ging es nach nur einem Jahr zurück nach Europa. Sturm Graz gab dem Slowenen einen Einjahresvertrag.

Keine Vertragsverlängerung bei Sturm Graz

Mangelnde Fitness war zunächst der Grund, warum Lavric erst zur Rückrunde den Durchbruch in Graz schaffte - sieben von acht Toren erzielte er in der zweiten Saisonhälfte und schoss dazu sein Team zum Pokalsieg.

Video: Lavrics Tor des Jahres 2004

Plötzlich schien die Sonne wieder für Lavric, doch konnte er sich zur allgemeinen Verwunderung nicht mit Sportdirektor Oliver Kreuzer auf eine Vertragsverlängerung einigen. "Von meiner Seite denke ich, dass nichts mehr geht", lautete Lavrics enttäuschter Kommentar.

In der Folge ging aber auch bei keinem anderen Verein etwas, so dass er ein halbes Jahr lang quasi arbeitslos war. Zur Rückrunde der Saison 2010/11 schloss er sich dem FC St. Gallen an. Doch auch da folgte auf einen guten Start ein schwaches Ende: Seinen einzigen Treffer erzielte er gleich bei seinem ersten Einsatz, am Ende stand der Abstieg.

Abseits des Platzes drosch der Boulevard wegen seiner Gewichtsprobleme herzhaft auf ihn ein.

Überraschende Rückkehr nach Deutschland

Sein Wechsel zurück nach Deutschland zum Karlsruher SC kam daher durchaus überraschend. KSC-Sportdirektor Kreuzer ist von der Verpflichtung überzeugt, man kennt sich schließlich: "Klemen bringt all das mit, was wir in Sachen Stürmersuche als Kriterien festgelegt hatten. Er kennt die Liga, hat seine Qualitäten als Torjäger schon viele Jahre unter Beweis gestellt und wir sind sehr zuversichtlich, dass ihm das auch hier im Wildpark gelingen wird."

Lavric selbst merkt man die Erleichterung an, nach dreijähriger Odyssee zurück in Deutschland zu sein: "Ich hatte hier eine gute Zeit. Ich kenne die zweite Liga. Das ist eine tolle Liga mit guten Mannschaften. Ich freue mich, da dabei zu sein."

Der Saisonstart verlief durchwachsen. Lavric traf zwar erneut gleich beim ersten Auftritt, doch ähnlich wie in der Schweiz waren die folgenden Spiele weniger erfolgreich. Zudem verletzte er sich am 6. Spieltag gegen den FSV Frankfurt an den Adduktoren und am Außenband.

Lavric zeigt sich im Vergleich zu früher aber geläutert. "Jeder Spieler zählt gleich viel, unabhängig davon, ob er gerade spielt oder nicht." Von Lavric wird erwartet, dass er die neu zusammengestellte Mannschaft führt. Gegen den FC St. Pauli (0:2) feierte der Stürmer sein Comeback.

Hoffnungsträger des neuen KSC

Für den 30-Jährigen dürfte der Wildpark die letzte Chance sein, im Profifußball noch einmal Fuß zu fassen. Die Erwartungshaltung der KSC-Fans bleibt groß. In 66 Zweitligaspielen traf Lavric immerhin 30 Mal.

Der Stürmer ist sich dessen bewusst. "Egal wo ich hinging, egal wo ich war, wurde das erwartet. Und immer sage ich, dass ich gekommen bin, um Tore zu schießen. Ich sage nicht wie viele, ich muss eben am Ende genug geschossen haben, dass wir eine gute Saison gespielt haben", sagte er.

Eine Saison hat er Zeit, sich wieder in Deutschland zu etablieren. Dann läuft sein Vertrag im Wildpark aus. Real Madrid wird wohl nicht mehr anklopfen.

Klemen Lavric im Steckbrief

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