Löwen-Keeper Gabor Kiraly im Interview

"Mit dieser jungen Mannschaft ist einiges drin"

SID
Freitag, 19.08.2011 | 10:59 Uhr
Löwen-Keeper Gabor Kiraly träumt von einer Rückkehr in die Bundesliga
© Getty
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Zwei Kantersiege in Folge, zwölf Tore aus vier Spielen, Tabellenplatz zwei: Zweitligist 1860 München ist zurück in der Erfolgsspur und träumt schon wieder von der Bundesliga. Am Freitag spielen die Löwen beim Tabellensechsten Fortuna Düsseldorf (18 Uhr im LIVE-TICKER). Als einer der Erfolgsgaranten gilt Gabor Kiraly. Der 35-jährige Torwart musste seit zwei Spielen nicht mehr hinter sich greifen, bremst aber die Euphorie um das Überraschungsteam.

Frage: Herr Kiraly, der TSV 1860 München steht nach vier Spieltagen überraschend auf dem zweiten Platz. Sind auch Sie überrascht?

Gabor Kiraly: So wirklich überrascht bin ich von dem Tabellenplatz nicht. Ich habe mit meinen 35 Jahren schon zu viel erlebt, um nicht zu wissen, was im Fußball alles möglich ist. Natürlich habe ich auch diese hohen Siege gegen Aue (4:0, Anm. d. Red.) und bei Cottbus (5:0, Anm. d. Red.) nicht erwartet, aber ich weiß, dass mit dieser jungen Mannschaft und diesen großen Talenten einiges drin ist in dieser Saison.

Frage: Ursprünglich wurde der Klassenerhalt als Saisonziel ausgerufen. Definieren Sie jetzt schon das Ziel neu?

Kiraly: Es muss unser Ziel sein, so schnell wie möglich 40 Punkte zu sammeln, und dann zu sehen, was nach oben noch geht. Der Klassenerhalt ist das primäre Ziel. Je früher der Verein die 40 Punkte in der Tasche hat, umso besser. An andere Sachen denken wir noch nicht, auch wenn die Euphorie bei den Fans und in den Medien groß ist. Es ist logisch, dass nach solch einem Start, mit so vielen Toren, vieles nach oben gejubelt wird, insbesondere von den Medien.

Frage: Was hat sich im Vergleich zur Vorsaison geändert?

Kiraly: Vor einem Jahr war unsere finanzielle Lage noch weit unsicherer. Dass der Verein mit Hasan Ismaik einen finanzstarken Investor gefunden hat, gibt auch der Mannschaft Sicherheit.

Frage: Es gab vor der Saison und auch noch während der ersten Spieltage viele Diskussionen um den Investor Hasan Ismaik. Wie haben Sie ihn persönlich kennengelernt?

Kiraly: Die Mannschaft hat ihn erst einmal, bei einer Besprechung vor einem Spiel, getroffen. Er hat auf uns einen sehr sympathischen und aufgeschlossenen Eindruck gemacht. Ich persönlich habe noch nicht mit ihm gesprochen, dafür war damals die Zeit zu kurz. Ich selbst habe eine ähnliche Situation in England bei Crystal Palace schon einmal erlebt, als der Verein von einem britischen Investor finanziell unterstützt wurde.

Frage: Sie sind mit Abstand der älteste Spieler der Mannschaft. Fühlen Sie sich wie ein Opa unter den vielen Jungspunden?

Kiraly: Also Opa oder Papa sagen die Spieler noch nicht zu mir (lacht). Ich bin sicher der Älteste, doch ich fühle mich noch jung, auch im Kopf, und verstehe mich auch mit den jungen Spielern gut.

Frage: Wie viele Jahre wollen Sie noch spielen?

Kiraly: Ich fühle mich noch wie ein 21-Jähriger (lacht). Nein, körperlich bin ich noch sehr gut drauf. Das fühle ich, und ich denke, dass kann man auch in den Spielen sehen. Auch vom Kopf her traue ich mir noch einige Jahre zu. Als Torwart kann man immer ein paar Jahre länger spielen als die Feldspieler. Ich bin mir sicher, dass auch ein Jens Lehmann oder Oliver Kahn noch spielen könnten. Aber sie wollten wohl nicht mehr.

Frage: Hand aufs Herz: Wie gern würden Sie noch einmal in der Bundesliga spielen?

Kiraly: Natürlich bin ich mit diesem Ziel zu 1860 gekommen, aber dafür müssen wir noch viel arbeiten. Diese erste Liga reizt mich immer noch. München ist eine tolle Stadt, die auch einen zweiten Erstligaklub verdient hätte. Als ich mit Hertha BSC damals gegen 1860 München spielte, habe ich gesehen, was das für ein toller Verein ist, mit dem ganzen Umfeld und den Fans.

Frage: In der Saison 2003/2004 hieß es, Sie seien an Depressionen erkrankt. Sind Sie heute von diesen Stimmungstiefs gänzlich befreit?

Kiraly: Also erst einmal möchte ich klarstellen, dass ich nicht an Depressionen erkrankt war. Das wurde damals von den Medien in Berlin nur so aufgebauscht. Ich war nie bei einem Therapeuten oder habe Medikamente genommen. Ich bin vielmehr in ein mentales Loch gefallen, man könnte auch sagen, ich hatte ein "Burnout", wie es viele Menschen in ihrem Beruf einmal erleben. Ich hatte damals eine Phase von drei vier Monaten, in der ich fast jedes Spiel verloren habe. Auf jedes Spiel habe ich mich zu einhundert Prozent vorbereitet, und dann ging es trotzdem verloren. Und nach dem Spiel habe ich mich immer gefragt: Was ist denn hier los? Als sich diese Negativerlebnisse gehäuft haben, bin ich eben in dieses Tief geraten, konnte es aber mithilfe von erfahrenen Torwarttrainern, ehemaligen Torhütern in Ungarn und Freunden hinter mir lassen. Ich habe daraus viel gelernt. Ich habe inzwischen einige Erfahrungen gemacht, sodass ich nie mehr in so eine Situation kommen werde.

Der 5. Spieltag der 2. Liga

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