Fussball

"Ich hatte den Spaß an meinem Beruf verloren"

Von Interview: Jochen Tittmar
Trainer Armin Veh soll Eintracht Frankfurt wieder in die 1. Bundesliga führen
© Getty

Nachdem Armin Veh beim Hamburger SV vor die Tür gesetzt wurde, wollte er keinen Verein in Deutschland mehr trainieren. Nun ist der 50-Jährige Coach bei Eintracht Frankfurt und soll die Hessen direkt zurück in die 1. Bundesliga führen. Im Interview erklärt Veh, warum er sich nun doch für einen deutschen Klub entschieden hat, ob er die 2. Liga als Karriererückschritt sieht und spricht über Christoph Daums Sohn.

SPOX: Herr Veh, können Sie sich vorstellen, welche Reaktionen in unserer Redaktion vorherrschend waren, als die Meldung Ihres Wechsels zu Eintracht Frankfurt bei uns ankam?

Armin Veh: Wahrscheinlich wart Ihr ähnlich überrascht wie manch anderer auch, oder?

SPOX: Richtig. Aber daran sind ja sozusagen Sie "schuld". Sie sagten nach Ihrem Engagement in Hamburg, dass Sie in Deutschland keinen Verein mehr übernehmen werden.

Veh: Klar, aber inzwischen weiß doch jeder, dass diese Aussage nichts mit der sportlichen Situation zu tun hatte, sondern mit einigen handelnden Personen in der Führungsetage des HSV. Außerdem ist es ja in Deutschland nicht verboten, seine Meinung zu revidieren.

SPOX: Natürlich nicht. Aus welcher Emotion oder Überlegung heraus entstand denn damals diese Aussage?

Veh: Ich hatte für kurze Zeit den Spaß an meinen Beruf verloren, den ich schon seit über 20 Jahren ausübe.

SPOX: In Wolfsburg und Hamburg gab es etliche "politische" Probleme während Ihrer Amtszeit. War dies der Grund für Ihre Aussage?

Veh: Da ging es nicht mehr um Fußball, nicht mehr um meinen Job. Aus dieser Situation heraus kam es dann zu meiner Aussage. Nicht mehr und nicht weniger.

SPOX: Welches Bild hatten Sie als Beobachter der Eintracht während der letzten Saison, als Sie selbst noch Coach in Hamburg waren?

Veh: Natürlich habe ich die erfolgreiche Vorrunde verfolgt, aber auch den unerklärlichen Abstieg. Vor der Saison habe ich die Eintracht zwischen Platz neun und elf vermutet.

SPOX: Nach dem Abstieg müssen jetzt Sie in Frankfurt die Kohlen aus dem Feuer holen. Warum - außer der Tatsache, dass Sie sich beide schon sehr lange kennen - spielte Sportdirektor Bruno Hübner eine solch große Rolle bei Ihrem Wechsel?

Veh: Die Mischung stimmt einfach. Der Bruno ist ein ähnlich Fußballverrückter wie ich. Außerdem ist er sehr hartnäckig. Am Ende blieb mir quasi nichts anderes übrig, als "OK" zu sagen (lacht).

SPOX: Welche Rolle spielte Heribert Bruchhagen im Vergleich dazu?

Veh: Heribert Bruchhagen kennt die Bundesliga wie kaum ein anderer. Er war ja schon auf allen Seiten des Fußballs aktiv: Als Spieler, Trainer, Manager, DFL-Funktionär und Klubchef. Er ist also ebenfalls in jeder Hinsicht ein kompetenter Gesprächspartner.

SPOX: Ist diese Schlussfolgerung richtig: Wenn Hübner nicht Sportdirektor geworden wäre, dann wären Sie auch kein Eintracht-Coach?

Veh: Bekanntlich weiß man im Fußball ja nie, was passieren kann. Richtig ist aber, dass sich Bruno Hübner sehr intensiv um mich bemüht hat.

SPOX: Christoph Daums Sohn Marcel ist dem Verein als Analyst erhalten geblieben. Können Sie einmal erklären, welche Aufgaben er hat?

Veh: Er analysiert sowohl das zurückliegende Spiel als auch den kommenden Gegner. Mit diesen Informationen können wir eigene Schwächen erkennen und versuchen, diese im Training zu verbessern und uns gezielter auf den kommenden Gegner einzustellen. Mittlerweile nutzen ja viele Vereine die Videoanalyse.

SPOX: Wenn man sich Ihre Trainervita anschaut, könnte diese eine Wellenbewegung beschreiben: Von Reutlingen und Rostock zum VfB, dort Meister geworden, dann zum amtierenden Meister nach Wolfsburg und danach in die Weltstadt Hamburg. Inwiefern ist die 2. Liga ein Rückschritt für Sie?

Veh: Was heißt Rückschritt? Die Mannschaft hat die Qualität, sofort wieder aufzusteigen. Daran arbeiten wir hart. Das ist auch für mich eine interessante Herausforderung. Eintracht Frankfurt gehört einfach in die 1. Bundesliga.

SPOX: Können Sie es nachvollziehen, wenn Ihnen manche Beobachter diesen Rückschritt dennoch attestieren?

Veh: Ich könnte es nachvollziehen. Es interessiert mich aber auch nicht besonders.

SPOX: In all der Zeit in der Bundesliga schrieb man in Frankfurt vernünftiges Understatement groß. Das ist in der 2. Liga nicht mehr möglich. Inwiefern ist das eine Umstellung für die Verantwortlichen im Verein?

Veh: Etwas anderes als den Wiederaufstieg kannst du in Frankfurt nicht vermitteln. Der Aufstieg ist unser Ziel. Alle Beteiligten stehen hinter diesem Ziel und wir versuchen gemeinsam, es zu erreichen.

SPOX: Passt diese Phrase vom Aufsteigen-Müssen, das ja auch die Medien und Öffentlichkeit seit dem Abstieg einfordern, zu dem sonst recht besonnenen Gemüt der Eintracht?

Veh: Bei der Eintracht wurde in den letzten Jahren sehr gut gewirtschaftet, sportlich war der Verein im Bundesliga-Mittelfeld etabliert. Der Abstieg in diesem Jahr passt da so gar nicht rein. Das muss schnell wieder korrigiert werden.

SPOX: Es heißt, die Eintracht erwarten riesige Probleme, wenn der Wiederaufstieg nicht gelingt. Womit hätte denn der Verein konkret zu rechnen?

Veh: Das sind ja derzeit auch nur Hypothesen, die sich nicht konkretisieren lassen. Wirtschaftlich gesehen würde das der Eintracht aber auf alle Fälle schaden. Denken Sie nur an die geringeren Zuschauereinnahmen oder Fernsehgelder.

SPOX: Während der Vorbereitung sagten Sie, dass mit der "damaligen" Mannschaft der Aufstieg nicht möglich sei und vor allem ein Innenverteidiger vonnöten wäre. Mit dem Transfer von Bamba Anderson ist die Verteidigung komplett. Welches Urteil geben Sie nun ab?

Veh: Das man weiterhin sehen konnte, dass es noch Abstimmungsschwierigkeiten in der Innenverteidigung gibt. Das ist ja aber auch nicht verwunderlich, wenn man nur einige Trainingseinheiten zusammen absolviert hat. Ansonsten bin ich vom aktuellen Kader aber überzeugt.

Armin Veh im Steckbrief

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