Montag, 08.11.2010

Herzensangelegenheit für "Zettel-Ewald"

Lienen wird Trainer in Bielefeld

Ewald Lienen wird neuer Trainer des Zweitligisten Arminia Bielefeld. Der 56 Jahre alte Ex-Spieler der Ostwestfalen folgt beim Schlusslicht auf den entlassenen Christian Ziege.

Ewald Lienen, genannt "Zettel-Ewald" war zuletzt Trainer bei Olympiakos Piräus
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Ewald Lienen, genannt "Zettel-Ewald" war zuletzt Trainer bei Olympiakos Piräus

Einst rannte er auf der Alm die Außenbahn rauf und runter. Nicht nur wegen seines langen, wehenden Haupthaars und des Spitzbartes war er Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre so etwas wie ein Revoluzzer unter den Fußball-Profis in Deutschland.

Seit Montag nun steht Ewald Lienen beim Zweitligisten Arminia Bielefeld in schwieriger Mission als Trainer in der Verantwortung und soll den auf dem letzten Rang liegenden Klub, bei dem er einst seine Profilaufbahn begann, vor dem Absturz in die Drittklassigkeit retten.

"Das ist eine Riesenherausforderung, die ich mit Enthusiasmus und Leidenschaft erfüllen will. Ich habe eine sehr emotionale Bindung zu Verein und Region", sagte der 56-Jährige vor einem großen Medienaufgebot im Presseraum des Stadions.

Gut gelaunt und erfreut über "den sensationellen Empfang" präsentierte sich der Nachfolger des am Samstag entlassenen Christian Ziege. Natürlich erschien der Fußball-Lehrer mit modischer Kurzhaarfrisur, gekleidet mit einem eleganten, dunkelgrünen Cordblazer.

"15 Punkte bis zur Winterpause wären schön"

Lienen will sofort die Ärmel hochkrempeln, zusammen mit seinem Co-Trainer und Schwiegersohn Abder Ramdane noch bis zur Winterpause Schadensbegrenzung betreiben.

"15 Punkte bis zur Winterpause wären schön", sagte Lienen, der die Arminia mit vier Zählern aus elf Spielen übernimmt. Der Kontrakt mit dem Trainer ist zunächst bis zum Saisonende terminiert und verlängert sich automatisch mit dem Klassenerhalt. Die Laufzeit dann ist noch zu verhandeln.

Für seine "Herzensangelegenheit" Arminia will der im benachbarten Schloss Holte Stukenbrock geborene Ex-Profi in der Winterpause auf dem Transfermarkt tätig werden.

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Die Verantwortlichen beim Schlusslicht zeigten sich überzeugt, die richtige Wahl getroffen zu haben. Lienen sei ein "Mann mit Durchsetzungskraft, Erfahrung, regionaler Verbundenheit und einem guten Netzwerk", sagte zum Beispiel Arminia-Präsident Wolfgang Brinkmann.

Lienen hatte kurz vor Saisonbeginn den Zweitligisten 1860 München verlassen und war zum griechischen Rekordmeister Olympiakos Piräus gewechselt, dort aber schon nach sieben Wochen entlassen worden.

Die Arminia ist die zehnte Trainerstation, in Deutschland arbeitete er zuvor für den MSV Duisburg, Hansa Rostock, den 1. FC Köln, Borussia Mönchengladbach, Hannover 96 und 1860. Neben bescheidenen sportlichen Erfolgen sorgten vor allem seine Mitschriften, die ihm den Beinamen "Zettel-Ewald" einbrachten, für Aufsehen.

Lienen schrieb Bundesliga-Geschichte im Bielefeld-Trikot

Die Nostalgiker haben aber auch noch den Spieler Ewald Lienen vor Augen. Auf dem Platz als Irrwisch und ständiger Unruheherd im gegnerischen Strafraum, neben dem Platz ein kritischer Geist. Bundesliga-Geschichte schrieb Lienen unfreiwillig im Arminia-Trikot am 14. August 1981 im Gastspiel bei Werder Bremen.

Gegenspieler Norbert Siegmann schlitzte Lienen bei einem Zweikampf den rechten Oberschenkel auf einer Länge von 25 cm auf. Der Stürmer rannte seinerzeit wutentbrannt auf den Bremer Trainer Otto Rehhagel zu und machte diesen dafür verantwortlich, weil er Siegmann angeheizt habe. Noch auf der Bahre zeigte er die geballte Faust in Richtung Bremer Bank.

Drei Jahrzehnte später sind die Töne und Handlungen moderater, mit seiner Lesebrille wirkt er fast väterlich. Auch seine Einstellung zur Ernährung hat er etwas gelockert.

Nicht selten hatten die Profis der Neuzeit bei früheren Engagements Lienes die Speisekarte mit Vollwertkost verflucht und an Autobahnraststätten oder in Trainingslagern Currywürste, Pommes oder Süßigkeiten aller Art nachgeladen.

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