Nach Manfred Stoffers' Rücktritt

TSV 1860: Fortbestand gefährdet

Von Andreas Lehner
Freitag, 16.07.2010 | 15:30 Uhr
Das ehemalige Führungsduo der Löwen: Miroslav Stevic (l.) und Manfred Stoffers
© Getty
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Der TSV 1860 München durchlebt mal wieder eine Krise. Nicht die erste in den vergangenen Jahren. Am Mittwoch verlor der Verein den sogenannten Catering-Prozess gegen den FC Bayern, am Donnerstag trat Geschäftsführer Manfred Stoffers zurück. Den Löwen droht der finanzielle Kollaps. Die Hintergründe.

Warum ist Stoffers zurückgetreten?

Die Niederlage im Catering-Prozess gegen die Bayern war auch eine persönliche Niederlage Stoffers. Er war im Februar 2009 angetreten, um den Verein wieder auf solide Beine zu stellen und finanziell zu konsolidieren. Kein einfacher Job nach vielen Jahren großer Misswirtschaft vor allem unter Präsident Karl-Heinz Wildmoser. Er musste noch immer die Fehler seiner Vorgänger ausbügeln.

Stoffers brachte noch im Juni eine Schmuckanleihe auf den Weg, entwickelte ein neues Sponsoring-Modell und schaffte es gemeinsam mit Sportdirektor Miroslav Stevic, die Kosten des Profikaders deutlich zu reduzieren. Die Bekämpfung der Arena-Verträge war allerdings sein größtes und wichtigstes Vorhaben.

"Im Sinne des TSV 1860 war es nach meinem Amtsverständnis erforderlich, die für den Verein äußerst belastenden Stadionverträge anzugreifen", so Stoffers in seiner Erklärung. Die Niederlage von Mittwoch war ein schwerer Schlag.

Nicht nur wegen der finanziellen Aufwendungen fürs Catering (542.344 Euro plus Zinsen und Gerichtskosten), sondern wegen der Auswirkungen auf einen weiteren Prozess, den Stoffers im Namen des Vereins gegen die Bayern geführt hatte. 1860 zweifelt an der Rechtmäßigkeit des Mietvertrags, da der FC Bayern beim Erwerb der Löwen-Anteile an der Arena seine Monopolstellung missbraucht und dem Mieter untragbare Bedingungen auferlegt hätte.

Da die Löwen mit ihrem gerichtlichen Vorhaben wohl endgültig gescheitert sind - noch besteht die Möglichkeit, Berufung einzulegen und auf ein anderes Urteil des Oberlandesgerichts zu hoffen - muss der Verein wieder mit dem FC Bayern an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Mit Stoffers war dies nicht mehr möglich, hatte er doch durch diverse öffentliche Auftritte den Zorn des FC Bayern auf sich gezogen. Sein womöglich größter Fehler. Die Person Stoffers hätte die Verhandlungen mit den Bayern noch weiter verkompliziert oder sogar unmöglich gemacht.

"Den nun dringend gebotenen Gesprächen zur Lösung der Stadionproblematik zwischen den Verantwortlichen des FC Bayern und des TSV 1860 möchte ich nicht im Wege stehen", so Stoffers, der damit die richtige Entscheidung zum Wohle des Klubs traf und sein Amt niederlegte.

Die Aufgaben Stoffers wird bis auf weiteres Thomas Maier, Leiter der Abteilung Finanzen und Controlling übernehmen. In den Verhandlungen mit dem FC Bayern sind aber besonders die Präsidiumsmitglieder gefordert. Allen voran natürlich Präsident Rainer Beeck.

Wie ist die finanzielle Lage des Vereins?

1860 befindet sich seit Jahren in einer ungesunden Schieflage. Der Angriff auf die Arena-Verträge (Laufzeit bis 2025) bzw. der Auszug aus der Arena sind die einzigen Möglichkeiten, um den Verein vor der Insolvenz zu retten.

Die Löwen erhofften sich durch Rückzahlungen für zu viel bezahlte Catering-Kosten und Business-Seats 5,5 Millionen Euro sowie eine Nachzahlung von neun Millionen Euro für die an die Bayern verkauften Arena-Anteile. Insgesamt also 14,5 Millionen Euro plus die Aussicht auf eine dauerhafte Senkung der Arena-Kosten in den nächsten Jahren.

Da dies nicht gelungen ist, bleibt nur der Umzug ins Olympiastadion und der ist frühestens zur Saison 2011/12 möglich. Die Miete würde von 5,6 Millionen Euro (Arena) auf circa zwei Millionen Euro (Olympiastadion) pro Jahr fallen, Kosten für Catering und Business-Seats könnten deutlich zurückgeführt werden.

Dabei sind sie aber auf die Hilfe des FC Bayern angewiesen. Daran dürfte das Vorhaben aber nicht scheitern. Die Roten dürften froh sein, den streitlustigen Mieter los zu sein. Allerdings muss eine finanzielle Lösung für den Verdienstausfall der Bayern gefunden werden.

Für das Geschäftsjahr 2010/11 haben die Löwen bereits mit einem Minus von drei Millionen Euro geplant. Laut aktuellem Jahresabschluss wird ein "Misslingen der Platzierung der Schmuckanleihe", aus der sich 1860 Einnahmen von sechs Millionen Euro erhofft, als "bestandsgefährdendes Risiko" eingeordnet.

Ohne zusätzliche Transfererlöse wäre dem Jahresabschluss zufolge auch "der Fortbestand des Unternehmens unmittelbar bedroht". Geplant wird bis zum 30. Juni 2011 mit Erlösen von 4,5 Millionen Euro. Bisher wurden Peniel Mlapa (ca. eine Million Euro) nach Hoffenheim und Jose Holebas (ca. 600.000 Euro) zu Olympiakos Piräus abgegeben.

Was heißt das für den sportlichen Bereich?

Die oben genannten Zahlen lassen erahnen, dass Sportdirektor Stevic gezwungen ist, noch den einen oder anderen Spieler abzugeben. Außerdem soll er laut Jahresabschluss "Spieler mit vergleichbar geringeren Grundgehältern und höheren erfolgsabhängigen Gehaltsbestandteilen zu beschäftigen". Eine Rückkehr von Bayerns Andreas Görlitz scheint in dieser Situation unmöglich.

Um die fehlenden Millionen aufzutreiben wird sich 1860 spätestens nach der nächsten Saison von den letzten Stücken Tafelsilber in Form von Talenten verabschieden müssen. Da 1860 im Moment 23 Spieler im Profikader hat, fehlt aber auch die Verhandlungsmasse.

Aleksandar Ignjovski scheint dabei das größte Spekulationsobjekt. In der Vorbereitung weckte der 17-jährige Markus Ziereis große Hoffnungen. Weitere Zugänge scheinen fast ausgeschlossen, obwohl seit dem Abschied von Holebas ein Linksverteidiger fehlt.

Die nächste Spielzeit wird auch zur Schicksalssaison für Stevic. In seiner ersten kompletten Saison, in der er mit Ex-Trainer Ewald Lienen den Kader zusammenstellen konnte, blieb das Team hinter den Erwartungen zurück. Durch den Abgang von Stoffers ist er zusätzlich  geschwächt.

Uli Hoeneß nach Catering-Prozess zufrieden

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