Sonntag, 02.05.2010

Holger Stanislawski im Interview

"Natürlich bin ich aufgeregt"

Die Rückkehr in die Bundesliga ist für den FC St. Pauli in greifbarer Nähe - ein Sieg in Fürth und die Kiez-Kicker sind praktisch durch. Im Interview mit SPOX spricht Coach Holger Stanislawski über ausgeschaltete Radios, eine willkommene Massenwanderung ins Frankenland und den besonderen Moment des Aufstiegs.

Spielte von 1993 bis 2004 für die Kiezkicker: St.-Pauli-Coach Holger Stanislawski
© Getty
Spielte von 1993 bis 2004 für die Kiezkicker: St.-Pauli-Coach Holger Stanislawski

SPOX: Herr Stanislawski, welche Bedeutung hat die Partie in Fürth?

Holger Stanislawski: Ich will nicht sagen, dass wir einen historischen Schritt machen können. Aber der Riesenschritt ist möglich. Wir wollen uns jetzt in Fürth für die klasse Saison belohnen.

SPOX: Mit einem Sieg wäre der Aufstieg perfekt?

Stanislawski: Davon gehe ich aus.

SPOX: Sind Sie aufgeregt?

Stanislawski: Ich glaube, ich hätte meinen Job verfehlt, wenn ich nach nur dreieinhalb Jahren auf der Trainerbank sagen würde, diese Geschichte lässt mich kalt. Natürlich bin ich aufgeregt.

SPOX: Halten Sie Radio-Kontakt nach Augsburg?

Stanislawski: Nein. Da wird es nichts geben. Und das finden wir ja gerade gut. Wir haben den Aufstieg selber in der Hand. In dem Moment, wo wir gewinnen, sind wir in der Bundesliga. Deswegen müssen wir nicht hören, wie es in Augsburg steht.

SPOX: Über 7000 St.-Pauli-Fans werden in Fürth dabei sein. Wie wichtig ist das?

Stanislawski: Die Kulisse wird dem Spiel den besonderen Rahmen geben. Es wird eine außergewöhnliche Stimmung herrschen, und ich bin davon überzeugt, dass uns die Atmosphäre zusätzlich beflügeln wird. Gerade wenn die Beine müde werden und der Kopf leer wird, sind unsere Fans wichtig. Es soll ein sehr positiver Sonntag werden.

SPOX: Für die Fürther ist die Saison gelaufen. Noch ein Vorteil für St. Pauli?

Stanislawski: Die Fürther gehören zu den besten Teams in der Rückrunde. Und mit Allagui und Nöthe sind sie im Angriff super besetzt. Ich finde sie fußballerisch sehr, sehr stark. Aber wir wollen aufsteigen und deswegen diese gute Mannschaft schlagen.

SPOX: Wie tickt das Team so kurz vor dem Ziel? Sind alle aufstiegsverrückt?

Stanislawski: Nein, nein. Wir sind sehr ruhig geblieben. Ich konnte im Laufe der Woche auch keine besondere Aufregung feststellen. Die Jungs sind weder nervös noch besonders gut gelaunt. Es ist alles wie immer.

Plötzlich dröhnt höllisch laute Rockmusik aus der Umkleidekabine der St. Pauli-Profis, die nur ein paar Meter entfernt ist. Holger Stanislawski unterbricht und spottet: "Neeein! Die Jungs sind nicht nervös..."

Holger Stanislawski: St. Paulis Urgestein
Ein echtes Urgestein: Holger Stanislawski posiert mit seinen Mannschaftskollegen Heinz Weber (l.) und Andre Trulsen
© Getty
1/8
Ein echtes Urgestein: Holger Stanislawski posiert mit seinen Mannschaftskollegen Heinz Weber (l.) und Andre Trulsen
/de/sport/diashows/0807/Fussball/stanislawski/stanislawski-artikel.html
Insgesamt absolvierte Stani von 1993 bis 2004 289 Spiele für den FC. St Pauli
© Getty
2/8
Insgesamt absolvierte Stani von 1993 bis 2004 289 Spiele für den FC. St Pauli
/de/sport/diashows/0807/Fussball/stanislawski/stanislawski-artikel,seite=2.html
Auf viele Tore brachte es der Abwehrspieler dabei nicht, 18 Mal netzte er ein
© Getty
3/8
Auf viele Tore brachte es der Abwehrspieler dabei nicht, 18 Mal netzte er ein
/de/sport/diashows/0807/Fussball/stanislawski/stanislawski-artikel,seite=3.html
Auf dem Platz ging er nicht gerade zimperlich mit seinem Kollegen um
© Getty
4/8
Auf dem Platz ging er nicht gerade zimperlich mit seinem Kollegen um
/de/sport/diashows/0807/Fussball/stanislawski/stanislawski-artikel,seite=4.html
Abseits des Platzes war er aber für fast jeden Spaß zu haben
© Getty
5/8
Abseits des Platzes war er aber für fast jeden Spaß zu haben
/de/sport/diashows/0807/Fussball/stanislawski/stanislawski-artikel,seite=5.html
2006 tauschte er das Trikot dann gegen den Anzug und wurde Trainer bei seinem Klub
© Getty
6/8
2006 tauschte er das Trikot dann gegen den Anzug und wurde Trainer bei seinem Klub
/de/sport/diashows/0807/Fussball/stanislawski/stanislawski-artikel,seite=6.html
Zusammen mit Andre Trulsen führte er St. Pauli 2007 zurück in die 2. Liga
© Getty
7/8
Zusammen mit Andre Trulsen führte er St. Pauli 2007 zurück in die 2. Liga
/de/sport/diashows/0807/Fussball/stanislawski/stanislawski-artikel,seite=7.html
Da durfte dann auch die obligatorische Bierdusche nicht fehlen. Auch wenn sie etwas klein ausfiel
© Getty
8/8
Da durfte dann auch die obligatorische Bierdusche nicht fehlen. Auch wenn sie etwas klein ausfiel
/de/sport/diashows/0807/Fussball/stanislawski/stanislawski-artikel,seite=8.html
 

SPOX: Was haben Sie in den letzten Monaten gelernt?

Stanislawski: Mit meinen 40 Jahren bin ich ja noch ein junger Trainer und auch erst seit dreieinhalb Jahren dabei. Insofern versuche ich mich immer und überall weiter zu entwickeln. Jedes Spiel, das ich sehe, jedes Interview, das ich lese - überall finde ich Dinge, die mich und meine Fußballphilosophie weiterbringen.

SPOX: Welches Spiel hat Sie zuletzt beschäftigt? Es gab ja gleich mehrere Höhepunkte in dieser Woche.

Stanislawski: Barcelona gegen Inter Mailand. Bei solchen Spielen denke ich 90 Minuten mit. Als Spieler hätte ich mir das Spiel entspannt auf der Couch angeschaut. Jetzt versuche ich mich in den Trainerkollegen hineinzuversetzen. Ich frage mich: Wie hätte ich in der Situation reagiert? Wie könnte mein Team jetzt noch häufiger zum Abschluss kommen? Da denke ich mit und beobachte viel.

SPOX: Hatten Sie eigentlich Zweifel, dass nach dem Negativlauf im Februar die schöne Geschichte mit dem Aufstieg noch scheitern könnte?

Stanislawski: Wir haben uns in der Situation sehr viel unterhalten, rumphilospohiert und eben auch rumgerechnet. Und dann haben wir uns gesagt: Wenn wir die letzten vier, fünf Spieltage oben dabei sind - auch mit vielleicht vier Punkten Rückstand - dann haben wir eine realistische Chance aufzusteigen. Wir wollten dieses Ziel nie aus den Augen verlieren und unbedingt oben in dieser Gruppe bleiben. Das war wichtig.

SPOX: Vor neun Jahren sind Sie nach einem dramatischen 2:1-Sieg am letzten Spieltag in Nürnberg aufgestiegen. Wie war das?

Stanislawski: Das ist ein unglaublich bewegender Moment für jeden. Wenn du weißt, gleich pfeift der Schiedsrichter ab, und dann geht's hoch in die Bundesliga. Diesen Pfiff musst du genießen. Das ist etwas ganz Besonderes.

Stanislawski: "Die Ausbildung ist eine schleichende Gefahr"

Interview: Benny Semmler

Diskutieren Drucken Startseite
15. Spieltag
16. Spieltag

2. Liga, 15. Spieltag

2. Liga, 16. Spieltag


www.performgroup.com

Copyright © 2016 SPOX. Alle Rechte vorbehalten.