Helmut Schulte exklusiv

"Wir leben St. Pauli"

Von Interview: Benny Semmler
Mittwoch, 20.01.2010 | 11:50 Uhr
Helmut Schulte ist seit 1. März 2008 beim FC St. Pauli als Geschäftsführer Sport angestellt
© Imago
Advertisement
Scottish Premiership
Sa13:00
Rangers - Celtic: Das 409. Old Firm steht an!
CSL
Guoan -
Shanghai SIPG
Ligue 1
Nizza -
Angers
Ligue 1
Lille -
Monaco
Primeira Liga
Porto -
Portimonense
J1 League
Kashima -
Gamba Osaka
J1 League
Kobe -
Kawasaki
Primera División
Atletico Madrid -
Sevilla
Premiership
Rangers -
Celtic
Premier League
West Ham -
Tottenham
CSL
Tianjin Teda -
Tianjin Quanjian
Serie A
AS Rom -
Udinese
Premier League
Man City -
Crystal Palace
Championship
Derby -
Birmingham
Primera División
Alaves -
Real Madrid
Ligue 1
Montpellier -
PSG
Serie A
SPAL -
Neapel
Premier League
Leicester -
Liverpool
Primera División
Malaga -
Bilbao
Championship
Aston Villa -
Nottingham
Ligue 1
Bordeaux -
Guingamp
Ligue 1
Caen -
Amiens
Ligue 1
Lyon -
Dijon
Ligue 1
Metz -
Troyes
Premier League
Stoke -
Chelsea (Delayed)
Primera División
Girona -
Barcelona
Serie A
Juventus -
FC Turin
Primeira Liga
Benfica -
Ferreira
Premier League
Everton -
Bournemouth (Delayed)
Premier League
Swansea -
Watford (Delayed)
Premier League
Burnley -
Huddersfield (Delayed)
Premier League
Southampton -
Man United (Delayed)
Serie A
Flamengo -
Avaí
Primera División
Espanyol -
La Coruna
Eredivisie
Utrecht -
PSV
Serie A
Sampdoria -
AC Mailand
Premiership
Motherwell -
Aberdeen
Championship
Sheffield Wed -
Sheffield Utd
Eredivisie
Ajax -
Vitesse
Ligue 1
Saint-Etienne -
Rennes
Serie A
Cagliari -
Chievo Verona
Serie A
Crotone -
Benevento
Serie A
Hellas Verona -
Lazio
Serie A
Inter Mailand -
Genua
Premier League
Rostow -
Lok Moskau
Primera División
Getafe -
Villarreal
Ligue 1
Straßburg -
Nantes
Premier League
Brighton -
Newcastle
First Division A
Charleroi -
Club Brugge
Serie A
Sassuolo -
Bologna
Primera División
Las Palmas -
Leganes
Primera División
Eibar -
Celta Vigo
1. HNL
Hajduk Split -
Lokomotiva Zagreb
Super Liga
Rad -
Partizan
Primera División
Real Sociedad -
Valencia
Serie A
Florenz -
Atalanta
Ligue 1
Marseille -
Toulouse
Ligue 2
Clermont -
Lens
Premier League
Arsenal -
West Brom
Primera División
Real Betis -
Levante
Copa do Brasil
Cruzeiro -
Flamengo
Ligue 1
Monaco -
Montpellier
Premiership
Hamilton -
Rangers
Championship
QPR -
Fulham
Primera División
Celta Vigo -
Girona
J1 League
Niigata -
Kobe
J1 League
Kawasaki -
Cerezo Cosaka
Primera División
Deportivo -
Getafe
Premier League
Huddersfield -
Tottenham
Premier League
Man Utd -
Crystal Palace
Championship
Ipswich -
Bristol City
Primera División
Sevilla -
Malaga
Ligue 1
PSG -
Bordeaux
Serie A
Udinese -
Sampdoria
Premier League
Chelsea -
Man City
Primera División
Levante -
Alaves
Championship
Reading -
Norwich
Ligue 1
Amiens -
Lille
Ligue 1
Dijon -
Straßburg
Ligue 1
Guingamp -
Toulouse
Ligue 1
Nantes -
Metz
Ligue 1
Rennes -
Caen
Premier League
Stoke -
Southampton (Delayed)
Primera División
Leganes -
Atletico Madrid
Serie A
Genua -
Bologna
Premier League
Bournemouth -
Leicester (DELAYED)
Premier League
West Ham -
Swansea (DELAYED)
Premier League
West Brom -
Watford (DELAYED)
Serie A
Palmeiras -
Santos
Serie A
Neapel -
Cagliari
Premier League
Arsenal -
Brighton
Championship
Sheffield Wed -
Leeds
Ligue 1
Troyes -
St. Etienne
Serie A
Benevento -
Inter Mailand
Serie A
Chievo Verona -
Florenz
Serie A
Lazio -
Sassuolo
Serie A
SPAL -
Crotone
Serie A
FC Turin -
Hellas Verona
Primera División
Barcelona -
Las Palmas
Ligue 1
Angers -
Lyon
Primera División
Real Madrid -
Espanyol
Ligue 1
Nizza -
Marseille
WC Qualification South America
Bolivien -
Brasilien
WC Qualification South America
Venezuela -
Uruguay
WC Qualification South America
Kolumbien -
Paraguay
WC Qualification South America
Chile -
Ecuador
WC Qualification South America
Argentinien -
Peru

Der FC St. Pauli ist eine der positiven Überraschungen der Zweiten Liga und wurde hinsichtlich der Integration deutscher Talente kürzlich von DFB-Sportdirektor Matthias Sammer als Vorbild gelobt.

Trainer Holger Stanislawski und Geschäftsführer Helmut Schulte seien "Glücksfälle für den Klub", sagte Sammer dem "Hamburger Abendblatt". "Schulte hat bei Schalke schon im Jugendbereich erstklassige Arbeit geleistet und setzt dies jetzt beim FC St. Pauli fort", sagte der DFB-Sportdirektor dort.

Ein Kompliment, das Schulte als Bestätigung seiner Arbeit sehen dürfte. Der 52-jährige Geschäftsführer ist gerade dabei, St. Pauli von Grund auf zu renovieren. Mannschaft, Trainingsgelände, Stadion - beim Kiezklub hat man eine Vision und verfolgt diese mit Herzblut.

Schulte über das neue St. Pauli, den Intelligenzquotienten von Fußballern und die Tatsache, dass viele Vereine keine Ahnung von Leihgeschäften haben.

SPOX: Herr Schulte, ging es dem FC St. Pauli jemals besser?

Helmut Schulte: Ich kann nur die letzten 25 Jahre beurteilen. Und da muss ich sagen: St. Pauli war nie stabiler. Erstmals seit über 20 Jahren arbeitet der Verein wieder an seiner Substanz. Das sagt viel über die Entwicklung.

SPOX: Der Etat ist dabei mit knapp 20 Millionen Euro überschaubar. Das Stadion ist noch mindestens die nächsten vier Jahre eine Großbaustelle und das Trainingsgelände bietet bestenfalls Oberliga-Bedingungen. Das klingt weniger rosig.

Schulte: Der Klub St. Pauli lebt - und das mehr denn je. Das letzte Mal, dass Bauarbeiter in diesem Stadion zu sehen waren, war 1988. Damals haben wir provisorisch die Gegentribüne und das Flutlicht gebaut. Danach passierte hier gar nichts mehr. Uns geht es bestimmt nicht rosig, aber doch ziemlich gut. Und auch die Trainingsbedingungen werden wir demnächst wesentlich verbessern.

SPOX: St. Pauli macht sich bundesligahübsch?

Schulte: Wir haben gesagt: Nur Schritt für Schritt ist gesund. Das gilt für die Mannschaft, die mit viel Aufwand entwickelt wird. Das gilt für das Trainingsgelände, und wie jeder sehen kann, auch für das Stadion. Wir können mit Stolz sagen, dass wir seit 100 Jahren nie bessere Trainings- und Spielbedingungen für die Profis und Nachwuchsmannschaften hatten.

SPOX: Korrigieren Sie, wenn es nicht stimmt: Der DFB benotet regelmäßig die Jugendarbeit aller Profiklubs. Punkte wie Datenbankpflege der eigenen Spieler, Umsetzung der Vereinsphilosophie, Lizenzen der Trainer und Zustand des Trainingsgeländes werden dort beurteilt. Soweit richtig?

Schulte: Soweit ja.

SPOX: Stimmt es dann auch, dass St. Paulis Bedingungen als mangelhaft eingestuft wurden?

Schulte: Erstmal: In dieser Benotung gibt es kein mangelhaft. Wir haben nicht in jeder Kategorie die optimale Punktzahl erreicht, jedoch in einigen. Die Zertifizierung war ein Zustandsbericht, der die Lage 2007 beurteilte. Inzwischen ist in der Vereinsstruktur viel passiert. Wir haben mittlerweile sechs Leute im Verein, die die Fußballlehrerlizenz besitzen. Vorher gab es hier niemanden mit einer solchen Lizenz. Diese Leute verfügen alle über eine große Profi-Erfahrung - und waren gleichzeitig alle schon mal beim FC St. Pauli als Spieler oder Trainer tätig. Wir alle leben St. Pauli. Das ist einfach gut.

SPOX: Sie haben sich also nicht gewundert, dass DFB-Sportdirektor Matthias Sammer dem Verein kürzlich ein großes Lob aussprach?

Schulte: Matthias Sammer hat ja nur den Kurs der Lizenzspielermannschaft beschrieben. Ihm gefällt, dass wir auf junge, deutsche und gut ausgebildete Talente setzen und ihnen Spielpraxis auf hohem Niveau anbieten. Um Namen zu nennen: Rouwen Hennings, Max Kruse, Deniz Naki, Richard Sukuta-Pasu und Bastian Oczipka. Bei ihren vorigen Vereinen hatten sie kaum Einsatzmöglichkeiten. Bei uns ist das anders. Auch das ist unsere Philosophie. Wenn Matthias Sammer das wertschätzt, freuen wir uns.

SPOX: Ist das der Weg der Zukunft, dass große Vereine ihre jungen Spieler vermehrt bei kleineren Klubs parken, um sie später wieder zurückholen zu können? Momentan scheint das ziemlich schick.

Schulte: Wenn die großen Klubs schlau sind, dann machen sie es. Aber das Verständnis für Leihmodelle ist nicht bei allen Vereinen so stark ausgeprägt, wie beispielsweise bei Bayer Leverkusen. Bayer wickelt das sehr kompetent ab und hat ein großes Interesse an der Entwicklung der Spieler. Andere Vereine ticken nicht so.

SPOX: Warum ist Leverkusen die große Ausnahme?

Schulte: Viele Vereine verstehen das Ausbildungsgeschäft nicht. Denn es ist doch so: Wir geben dem Spieler X die Möglichkeit sich auf hohem Niveau und unter professionellen Bedingungen zu entwickeln. Da liegt es doch auf der Hand, dass wir bei späteren Transfers des Spielers eine gewisse Beteiligung durchaus begrüßen. Leverkusen macht das so. Sie nehmen neue Partner mit ins Boot. Das ist top.

SPOX: Jeder Klub hat eben seine Philosophie.

Schulte: Keine Frage. Aber wir zahlen doch nicht für unsere Leistung drauf. Wir machen den Spieler ja besser. Wir bieten ihm die Chance, sich im Profifußball zu etablieren. Wenn Vereine sich hinstellen und eine Leihgebühr verlangen, aber keine Kauf-Option anbieten, auf den Spieler jederzeit zugreifen und uns an einen späteren finanziellen Gewinn nicht beteiligen wollen - dann ist das in meinen Augen unprofessionell.

SPOX: Stimmt es, dass Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler eine gewisse Einsatzzeit von seinen Leihspielern bei St. Pauli erwartet?

Schulte: Nein.

SPOX: Vereine sprechen bei der Verpflichtung von jungen Spielern auffällig und oft vom guten Charakter, den der Spieler mitbringen muss. Der DFB hat in seiner neuen Richtlinie die Persönlichkeitsbildung sogar besonders herausgestellt.

Schulte: Also: Einen koordinativen Umgang mit dem Ball setze ich für einen Profi im Grunde erstmal voraus, die entsprechende Physis ebenfalls. Doch der Mensch hinter dem Fußballer, die Persönlichkeitsbildung, die Motivstruktur - diese Bereiche wurden tatsächlich früher weniger beachtet. Heute wollen wir bereits vor der Verpflichtung wissen, ob sich der Spieler ins Team einbringen kann. Da hilft uns seriöses Scouting.

SPOX: Was meinen Sie mit 'seriösem Scouting'?

Schulte: Jeder aus unserem Team hat sein persönliches Netzwerk. Ich weiß beispielsweise, wem ich was glauben kann, und wem nicht. Und gemeinsam versuchen wir, so viele Informationen wie nur möglich von Spielern zu bekommen.

SPOX: Informationen?

Schulte: Da kommen wir auf die Persönlichkeitsbildung und Motivstruktur zurück. Wir telefonieren mit ehemaligen und aktuellen Trainern, beziehen das Umfeld des Spielers mit ein. Und wenn wir mit diesem Wissen noch immer das Gefühl haben, dass uns der Spieler interessiert, dann gibt es ein persönliches Gespräch mit mir und dem Trainer.

SPOX: Wann lehnen Sie einen richtig guten Fußballer ab?

Schulte: Wenn ein Spieler in den letzten fünf Jahren nur 60 Prozent aller Spieler absolviert hat. Da frage ich: Warum soll er jetzt ausgerechnet 100 Prozent aller Spiele bei uns machen? Es gibt wirklich einige Fußballer, die uns besser machen würden. Doch nicht gerade selten haben wir Zweifel an der Integration. Und da sind wir uns dann auch schnell einig: Finger weg von solchen Kickern!

SPOX: Wie wichtig ist Ihnen die Bildung der Spieler?

Schulte: Der Fußball hat sich verändert. Früher gab es nur die Situation Eins-gegen-Eins. Da brauchte man nicht so richtig pfiffig sein. Heute denken wir fast ausschließlich im Raum. Das bedeutet, dass der Spieler jederzeit seinen Raum abscannen, sich gleichzeitig auf Handlungen seiner Mit- und Gegenspieler einstellen muss. Das erfordert ein situativ richtiges Handeln - bestenfalls über 90 Minuten. Jeder Spieler trifft mit und ohne Ball einfach unglaublich viele Entscheidungen in sehr kurzer Zeit. Die Trainer erwarten automatisierte Laufwege - all diese Dinge finden im Kopf des Spielers statt. Da schadet es nicht, wenn dieser gut versorgt ist.

SPOX: Das Abitur als Vorraussetzung für die Bundesliga?

Schulte: Ich will niemandem zu nahe treten, aber die Anforderung an den Intellekt und an die Rechenkapazität des Spielers ist größer geworden. Wir haben viele Spieler mit Abitur - ohne dass ich das jetzt überbewerten will -, die sich nach dem Training in anderen Bereichen weiterbilden. Das ist hilfreich. Allerdings: Es gibt sicher auch Fußballer, die zu schlau sind...

SPOX: Bei aller Wertschätzung für Leverkusen. In punkto Jugendarbeit haben Sie kürzlich Schalke 04 als Vorbild angegeben.

Schulte: Der FC Schalke 04 gehört zu den Vereinen in Europa, der in den vergangenen fünf Jahren die meisten Jugendspieler in den bezahlten Fußball gebracht hat. Es gibt eine Schule auf dem Vereinsgelände. Es gibt Spieler wie Manuel Neuer, Christian Pander, Tim Hoogland - gehen Sie einfach den jetzigen Kader mal durch, da haben wirklich viele Spieler Fußball auf Schalke gelernt. Die Jugendausbildung auf Schalke ist einfach geil. Die Jungs lernen ohne Erfolgsdruck, dafür mit einem gewissen Entwicklungsdruck. Ansonsten überzeugt mich nur noch Werder Bremen.

Exklusiv: Holger Stanislawski erklärt die Trainerausbildung des DFB

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung