"Die Ausbildung ist eine schleichende Gefahr"

Von Interview: Stefan Rommel
Freitag, 25.12.2009 | 14:44 Uhr
Holger Stanislawski ist seit dem 20. November 2006 Cheftrainer des FC St. Pauli
© Getty
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Ein Dauerthema des Jahres 2009 war die neu ins Leben gerufene Trainerausbildung des DFB und ihre Auswirkungen auf die Absolventen, die gleichzeitig auch noch in Lohn und Brot bei einem Profi-Klub standen. Besonders der Fall Markus Babbel erregte die Gemüter, war ein ständiges Hin und Her und am Ende eine der Ursachen dafür, dass Babbel seinen Job in Stuttgart verloren hat.

Babbel war dabei nur der letzte einer ganzen Reihe von Leidensgenossen, die den Kampf an zwei Fronten letztlich verloren. Vorher mussten schon die Kollegen Christian Wück, Christian Hock und Tomas Oral kapitulieren.

Wie genau sieht also die viel diskutierte Doppelbelastung wirklich aus? Was und wie wird in Köln gelehrt? Und wie wirkt sich der elfmonatige Stress auf die Beteiligten aus?

SPOX fragte bei Holger Stanislawski nach - dem einizgen "Überlebenden" des Trainerlehrgangs, der die Prozedur als Jahrgangsbester mit der Gesamtnote 1,3 abschloss.

SPOX: Herr Stanislawski, können Sie sich noch an den Titel Ihrer Hausarbeit erinnern?

Holger Stanislawski: "High-Volume-Training versus High-Intensive-Training", also Training im Intervallbereich im Vergleich zu Training in der Maximalbelastung. Eine empirische Studie in unserer C-Jugend. Das war hochinteressant. Nur wenn jemand noch nie eine wissenschaftliche Arbeit verfasst hat, mit Aufbau, Fragestellung, rotem Faden, ist das dann unheimlich schwer. 15 Seiten, dazu zusätzlich noch eine Praktikumsarbeit mit 45 Seiten. Das ist ein wahnsinniger Zeitaufwand.

SPOX: Wie sieht der zeitliche Aufwand beim Trainerlehrgang allgemein aus?

Stanislawski: Der wöchentliche Zeitraum erstreckt sich von Montagmittag ab 12 Uhr bis Donnerstag, ca. 17 oder 18 Uhr. Am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag geht es um 8 Uhr los. Bis auf kurze Kaffee- und Raucherpausen wurde vier Stunden durchgearbeitet, dann eine Stunde frei und dann ab 13.30 Uhr bis 17 Uhr der zweite Theorieblock. Und danach raus auf den Platz zur Praxisarbeit.

SPOX: Und wie ist die Themenverteilung?

Stanislawski: Bis 12 Uhr ist jeden Tag nur Theorie. Methodik, Ernährung, Psychologie, je nach Dozent im Frontalunterricht, bei anderen auch im Dialog oder in Gruppenarbeit. Trainingswissenschaft und Sportmedizin war auch Frontalunterricht, da ist Gruppenarbeit schwer umzusetzen. Dazwischen gab es immer wieder Vorträge von Gastdozenten wie Rangnick, Finke oder Daum zu Themen wie Nachwuchsarbeit, interkulturelle Kommunikation, Nachwuchsleistungszentren in Deutschland oder Holland, Trainerausbildung in der Schweiz. Am späten Nachmittag dann die Praxiseinheiten. Wir hatten einmal in der Woche Training unter uns angehenden Fußballlehrern, ansonsten immer mit den Gruppen vom 1. FC Köln - U15, U17, U19, oder die Taxofit-Gruppe (Untergruppe von Köln, Anm. d. Red.).

SPOX: Wie lief ein normaler Tag ab?

Stanislawski: In der Theorie wurden die Inhalte vermittelt, die dann nachmittags angewandt werden mussten. Auf dem Platz lief das in Gruppenarbeit ab, zu viert oder zu fünft wurden die Themen ausgearbeitet. Ein Beispiel: Spielverlagerung gegen ein ballorientiertes Abwehrverhalten. Da gibt es Unterteile: Ganzkörpererwärmung (Einlaufen, Koordination), Einführung, Hinführung zum Hauptteil, Hauptteil eins, Hauptteil zwei, Abschlussteil. Im Prinzip sind es immer fließende Trainingseinheiten, von fünf Mann ausgeführt. Jeder sollte jeden Unterbereich einmal gemacht haben. Alle anderen haben sich die Einheiten angeschaut und Notizen gemacht oder die Einheiten gefilmt, analysiert, besprochen. Am nächsten Tag gab's dann Fußballlehre, wir haben ihn den heißen Stuhl genannt. Da wurde die komplette Einheit seziert und auseinandergepflückt: Das war gut, das war schlecht, wieso dieses und nicht jenes. So lief das Tag für Tag, Woche für Woche.

SPOX: Klingt nach viel Arbeit.

Stanislawski: Wir mussten jede Übung und jede Trainingseinheit schriftlich ausarbeiten. Das wurde dann jedem Teilnehmer zugeschickt. Am Ende war mein Laptop kaputt, so viele Ausarbeitungen und kleine Notizen hatte ich auf dem Speicher. Wir hatten alle ein bestimmtes Wissen, der eine aus dem Profi-, der andere aus dem Jugendbereich. Und darauf wurde ein ganzheitliches System gelegt, so dass man in jedem Thema bewandert war.

SPOX: Wie tief wurde in die Materie eingestiegen?

Stanislawski: Im Prinzip hätten wir den Studiengang des Trainingswissenschaftlers machen können oder den des Sportmediziners. Knochen, Sehnen, Muskulatur, Organe, Herz-Kreislauf-System, das volle Programm. Und das Basiswissen dann verteilt auf Frauen- oder Jugend-Fußball. Was bedeuten Östrogene? Was sind Wachstumsstörungen?

SPOX: Wie wurde das Wissen überprüft?

Stanislawski: Es gibt eine bestimmte Anzahl an Modultests nach größeren Unterrichtsblöcken, drei bis vier Stück in jedem Fach. Das ist eine Art Lernzielkontrolle. Darauf gibt es Noten, ebenso wie in der schriftlichen Endprüfung und in der mündlichen auch. Das Ziel war, alle wichtigen Fächer zusammenzufassen und Transferleistungen und Verknüpfungen unter den einzelnen Teilbereichen abzufragen: Psychologie, Trainingswissenschaft, Fußballlehre und Sportmedizin. 45 Minuten lang, mit Prüfungen in allen Bereichen. Wenn z. B. die Aufgabenstellung eine Eins-gegen-eins-Situation war, dann hieß das: Welche Energiebereitstellungswege werden beansprucht? Was passiert, wenn man nicht 30 Sekunden, sondern 3 Minuten im Eins-gegen-eins spielt, was passiert mit der Energiebereitstellung dann? Da geht es größtenteils um Transferleistungen, da kommt man mit Auswendiglernen nicht mehr weiter. Und dann kommt der Sportmediziner und fragt: Was kann denn daraus entstehen? Antwort: Hohe, zu intensive Belastung, also ein Ermüdungsbruch. Dann: Was ist ein Ermüdungsbruch? Dann kommt der Psychologe: Was geht dem Spieler bei dem Hintergrundwissen durch den Kopf?

SPOX: Wie war der Start?

Stanislawski: Zum Beginn des Kurses war's schon hart. Ich hatte sechs Tage frei nach der Saison, dann ging's auch schon los. Das war mein Saisonfinale: Ich beim DFB, die anderen im Urlaub beim Runterfahren.

SPOX: Haben sich die Dozenten auch Feedback bei den Teilnehmern eingeholt? Immerhin war es auch für den DFB der erste Lehrgang in dieser Form.

Stanislawski: Wir waren die Versuchskaninchen. Der Lehrgang wurde von sechs auf elf Monate ausgedehnt, mit anderen Inhalten versehen, es wurde mehr Input vermittelt. Die ganze Strecke war viel intensiver als früher. Dass es da noch Ecken und Kanten gibt, die abgeschliffen werden müssen, ist klar. Es kann natürlich alles noch effektiver und strukturierter angelegt werden. Wir Teilnehmer haben Feedback darüber gegeben, was gut und was schlecht war. Ich denke, dass der Lehrgang erst im übernächsten Jahr so richtig ausgereift sein wird.

SPOX: Die Teilnehmer absolvieren also in elf Monaten ein Sportwissenschaftsstudium, das an der Uni mit acht bis zehn Semestern angesetzt ist?

Stanislawski: Im Prinzip schon. Das schwierige ist, dass man schwer reflektieren kann, was man eigentlich macht. Es geht Schlag auf Schlag. Auf die Trainingslehre folgt sofort Psychologie, dann geht's raus auf den Platz. Die Dozenten liefern eine Folie nach der anderen, die müssen den Stoff durchknallen. Da bleibt wenig Platz, um noch mal etwas zu wiederholen oder nachzufragen. Das war eine Idee zu viel.

SPOX: Sie waren deshalb immer auch drei Tage von ihrer Mannschaft entfernt.

Stanislawski: Deshalb waren die Freitagsspiel immer besonders kritisch. Uns wurden 12 oder 13 Spiele auf einen Freitag angesetzt. Da habe ich mich schon über die DFL gewundert, weil die auch wussten, dass wir beim Lehrgang sind. Donnerstags kommst du zurück, Freitag schaust du dir das Kreisspielen beim Anschwitzen noch mal, dann sitzt man auf der Bank, bekommt fünf Stück und wird danach gefragt: 'Was war los?' Dann kannst du sagen: 'Keine Ahnung, beim Kreisspielen heute Morgen sah alles noch super aus.' Deshalb bin ich oft auch schon mittwochs wieder gefahren - musste den verpassten Stoff dann aber auch nachholen. Oder ich bin sonntags schon angereist und habe mich mit einem Dozenten für vier Stunden im Hotel getroffen. Danach gelernt bis drei oder vier Uhr, ein bisschen geschlafen und um acht ging's wieder weiter.

SPOX: Was war das schwerste für Sie?

Stanislawski: Zu verlieren und dann wieder nach Köln zu fahren. Das war die Hölle. Man muss sich eigentlich auf den Kurs konzentrieren, hat aber natürlich immer die Situation zu Hause im Kopf. Das war hoch belastend. Ich habe mehrere Prüfungen gerne in eine Woche gelegt. Das war dann unheimlich viel Lernaufwand, aber die nächste Woche konnte ich dafür wieder bei meiner Mannschaft sein.

SPOX: Was waren die schlimmsten Momente?

Stanislawski: Für mich persönlich: Um halb acht raus aus dem Hotel, dann die Kurse bis abends um 20 Uhr. Die letzten beiden Stunden davon auf dem Platz, bei drei Grad und Nieselregen. Danach kurz aufs Bett. Und dann soll man eigentlich büffeln, obwohl da nur noch Leere ist. Es gab auch Tage, da habe ich beim Essen noch drei Sätze mit meiner Frau gesprochen und bin dann sofort eingepennt. Man fragt sich dann: Was tust du dir alles an? Ich hatte davor noch die B- und A-Lizenz gemacht und war als Trainer und Manager in einer Doppelfunktion tätig. Da musste ich mich selbst stoppen. Sonst ist die Ehe kaputt.

SPOX: Und allgemein?

Stanislawski: Bei allem Stress und Selbstmitleid: Das schlimmste war, wenn ich mit einem Sieg nach Köln kam und die anderen hatten verloren. Das war hart. Weil man genau weiß, wie es dem anderen jetzt geht und dass er überhaupt keinen Zugriff auf die Situation in seinem Verein hat. Es waren für den gesamten Kurs die bittersten Momente, wenn einer seinen Job verloren hatte.

SPOX: Mit Markus Babbel hat nach Tomas Oral, Christian Wück und Christian Hock auch der vierte Schüler, der gleichzeitig auch als Profi-Trainer aktiv war, seinen Job verloren. Ist die Ausbildung eine schleichende Gefahr?

Stanislawski: Ja, sie ist eine schleichende Gefahr. Man hat einfach nicht den Einfluss auf die Dinge, wie es wünschenswert wäre. Man ist stark von einem funktionierenden Team und den handelnden Personen abhängig, die vor Ort sind, während man selbst beim Lehrgang weilt.

SPOX: Kann so eine Doppelbelastung nur mit einem eingespielten Trainerteam funktionieren?

Stanislawski: Das Team ist entscheidend. Ich habe mit meinem Co-Trainer Andre Trulsen öfter telefoniert als mit meiner Familie. Wir vertrauen uns blind, was ein unheimlicher Vorteil war. Die Trainingsinhalte kann jeder absprechen. Aber man braucht ein Gespür für die Lage und die Spieler. Die Co-Trainer müssen mitbekommen, wenn es einem Spieler schlecht geht, wenn seine Körpersprache nicht stimmt. Die Mediziner, wenn einer ein Wehwehchen hat. Da muss das Feedback zum Trainer hundertprozentig passen. Sonst verpasst man die Nuancen - und die sind ganz oft von entscheidender Bedeutung.

SPOX: Kann man am Ende überhaupt durchfallen?

Stanislawski: In der Schulungsarbeit wird schon mal ein Auge zugedrückt, wenn man terminlich gebunden ist. Aber bei den Prüfungen nicht. Bei uns ist einer durchgefallen. Der musste den Prüfungsteil wiederholen.

SPOX: Presst der DFB mit dem Lehrgang auch seine Ansichten bei den Teilnehmern durch? Also offensiv ausgerichtet im 4-4-2...

Stanislawski: In der Grundform schon. Aber letztlich entwickelt jeder einzelne Trainer seine Philosophie selbst. Man bekommt eine Unmenge an Informationen und daraus macht sich jeder für sich sein ganz persönliches Skript. Deshalb sind die Diskussionen darüber, ob die Bundesliga richtig oder falsch trainiert, auch Humbug. Die Nationalmannschaft bezahlt die Spieler nicht und sie bildet sie auch nicht aus. Das machen wir. Der DFB ist Verwalter. Der Verwalter der Leistung von Spielern, die wir ausbilden. In den drei Tagen, in denen die Nationalelf zusammen ist, macht Jogi Löw aus Mario Gomez keinen besseren Spieler. Sondern der VfB Stuttgart oder jetzt Bayern München.

SPOX: Was ist heute die größte Herausforderung für einen Trainer?

Stanislawski: Es gibt verschiedene Spielphilosophien und Ausrichtungen, taktische Schemata und so weiter. Aber eines haben alle gemeinsam: Es gilt, 25 Spieler gesamtheitlich so zu führen, dass sie als Kollektiv funktionieren, aber ihre Individualität nicht verlieren. Der eine braucht einen Arschtritt, der andere eine Streicheleinheit. Den nächsten muss man drei Wochen in Ruhe lassen, ein anderer will jeden Tag kommunizieren. Eine Fußballmannschaft ist wie ein kleiner Kindergarten. Da gibt es dann die Trainer-Diktatoren, die autoritär sind oder die Kumpeltypen. Jeder nach seinem Gusto. Wichtig ist nur, dass man seinen Weg beibehält. Sich zuerst duzen lassen und dann bei Misserfolg auf die ultra-harte Tour zu kommen, ist unglaubwürdig.

SPOX: Die entscheidende Frage: Ist man nach dem Lehrgang wirklich ein besserer Trainer?

Stanislawski: Man weiß definitiv mehr über das Gesamtkonstrukt Fußball. Man macht sich auch deutlich mehr Gedanken über den Fußball an sich. Alles ist im Kontext komplexer, man hinterfragt sich viel öfter. Ob das jemand annimmt und umsetzt, ist eine ganz andere Sache. Das Gerüst ist da - jetzt muss es der Trainer in seinem Job noch mit Leben füllen.

Holger Stanislawski im Steckbrief

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