Aachen zum Tivoli-Abschied gegen Werder

SID
Sonntag, 26.07.2009 | 11:19 Uhr
Zum zweiten Spieltag gegen St. Pauli wird das neue Stadion in Aachen eingeweiht
© sid
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Mit Feuerwerk und Wunderkerzen verabschieden Spieler und Fans von Alemannia Aachen ihr Kultstadion. Am heutigen Sonntag findet das 2216. und letzte Spiel gegen Werder Bremen statt.

Einmal noch Gänsehaut-Feeling beim Einmarsch, bebende Stadion-Atmosphäre und 90 Minuten Fußball pur. Dann werden Tausende Wunderkerzen dem Kultstadion Tivoli die letzte Ehre erweisen, ein buntes Feuerwerk wird die altehrwürdige Arena endgültig in den Ruhestand verabschieden und ab diesem Moment steht Fußball in Aachen unter dem Motto: "Champagner statt Schimmel" ("taz").

Ein Kultstadion wie der Tivoli weckt bei den treuen Fans durchaus Emotionen für zwei rauschende Abschiedspartys. Schon nach dem letzten Liga-Spiel gegen den FC Augsburg (4:0) im Mai hatte es eine große und tränenreiche Abschiedsfete gegeben.

Am heutigen Sonntag steigt mit dem Testspiel gegen Werder Bremen das letzte große Spiel. Es wird das 2216. sein in 81 Jahren mit über 12 Millionen Zuschauern.

Abschied vom "geilen Kasten"

"Es freut mich, noch einmal auf dem alten Tivoli spielen zu können", sagt der Bremer Torsten Frings, der seine erfolgreiche Karriere bei der Alemannia begann und sie nach eigener Ankündigung irgendwann auch dort beenden will.

Für Ex-Kapitän Erik Meijer war das Stadion "eine Mischung aus Schweiß, Rasen und Schimmel", für Publikumsliebling Willi Landgraf schlichtweg ein "geiler Kasten".

Mit dem Abpfiff am Sonntag beginnt eine an den Olympischen Fackellauf angelegte Fan-Aktion. Die Anhänger werden den Spielball als Staffelläufer drei Wochen durch die Region tragen. Die Ball-Staffette endet am 17. August beim Eröffnungsspiel des neuen Tivolis gegen den FC St. Pauli auf dem Spielfeld.

2010 erstmals Austragungsort eines A-Länderspiels

Die neue 50-Millionen-Arena, die fast fertig ist und direkt neben der alten steht, bietet Platz für 32.900 Zuschauer und wird nach offiziellen Klubangaben "eng, steil, laut und gelb". Man will schließlich versuchen, möglichst viel von der außergewöhnlichen Arena hinüberzuretten.

Darüber hinaus wird Aachen aber neue Möglichkeiten als Fußball-Standort erhalten. Am 4. September bestreitet die U 21 dort ihr EM-Qualifikationsspiel gegen San Marino, 2010 wird die Grenzstadt erstmals Austragungsort eines A-Länderspiels.

Der Tivoli als Oase für Nostalgiker

Doch am Sonntag wird die Wehmut noch die Vorfreude überlagern. Denn in Zeiten der hypermodernen Multiplex-Arenen war der enge, stimmungsvolle Tivoli eine der letzten Oasen für Nostalgiker.

Seinen Grundcharakter hat das Stadion seit dem Bau 1928 immer erhalten. Fangzäune hinter den Toren erhielt das Stadion erst 2002 - offiziell, "um die Zuschauer vor den harten Schüssen der Profis zu schützen". Erst 2003 wurde eine elektronische Anzeigentafel eingeweiht.

Tradition zählt hier mehr als sonstwo. Vor dem Spiel singen die Alemannia-Fans stets ihr uraltes Fanlied "Wir brauchen keinen Seeler, keinen Brülls, denn wir kaufen alle Spieler bei Marl-Hüls." Als per Wettbewerb ein neues ausgeschrieben wurde, pfiffen die Fans dabei so lange, bis das Projekt verworfen wurde.

Ausschreitungen waren Seltenheit

Ein klassisches Lieblings-Szenario gibt es am Tivoli seit jeher. "Das Licht muss an sein und die Wiese nass", sagt Landgraf. Fritz-Walter-Wetter, also Regen, heißt hier einfach Tivoli-Wetter. Und wenn das Licht an war und die Wiese nass, hat so manch erfahrener Schiedsrichter oder Profi weiche Knie bekommen.

Zu Ausschreitungen kam es dennoch selten in dem reinen Fußball-Stadion. Den schlimmsten Zwischenfall gab es im November 2003, als Nürnbergs Trainer Wolfgang Wolf vom einem Wurfgeschoss am Kopf getroffen wurde. Das "Skandalspiel" wurde im Januar 2004 unter Ausschluss der Öffentlichkeit als "Geisterspiel" wiederholt.

In der kommenden Spielzeit wird der alte Tivoli als Spielstätte der Amateure dienen, dann wird das Grundstück ausgeschrieben. Das Kultstadion wird dann abgerissen und Standort für Geschäfts- oder Wohnräume. In der Erinnerung wird der Kult aber weiterleben.

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