Fussball

Der Breisgau-Beckham

Von Interview: Benny Semmler
Montag, 11.05.2009 | 10:31 Uhr
Sechs Tore, acht Vorlagen: Shooting-Star Julian Schuster spielt eine starke Saison
© Getty

Freiburgs Shooting-Star Julian Schuster kommt aus der Kreisliga. Beim FV Löchgau war er als Hobbykicker aktiv und machte dort bis vor fünf Jahren auch das, was man in diesen Ligen nach dem Abpfiff so macht. Nach dem vorzeitigen Aufstieg spielt er jetzt plötzlich in der Bundesliga.

Der SC Freiburg ist als erste Mannschaft der 2. Liga in die höchste deutsche Spielklasse aufgestiegen. Das 5:2 in Koblenz gab den finalen Ausschlag.

Sportdirektor Dirk Dufner gab bereits gegenüber dem "Kicker" bekannt, dass die erfolgreiche Aufstiegsmannschaft nur "punktuell verstärkt" wird: "Im Großen und Ganzen steht der Kader für die Bundesliga", so der 41-Jährige.

Heißt also, dass der 24-jährige Schuster bald in den großen Arenen der Eliteliga kickt. Und der "Breisgau-Beckham" hat seinen Anteil. Ecken, Elfmeter, Freistöße - Schuster ist zum Mister Standard geworden. Denn immer wenn er antritt, brennt's im gegnerischen Strafraum.

SPOX: Sie sind der Standard-Spezialist der 2. Liga und Sie tragen die Rückennummer 23. Ein Zufall?

Julian Schuster: Geht's jetzt mit Beckham los?

SPOX: Absolut. Und Sie als Scharfschütze - schießen Sie mal los.

Schuster: Naja, David Beckham hatte lange Zeit überragende Standards drauf. Das hat mich absolut fasziniert. Aber ich habe mir auch von anderen Standard-Spezialisten etwas abgeschaut.

SPOX: Zum Beispiel?

Schuster: Steven Gerrard ist eine Granate. Seine Wucht, dazu die extreme Präzision, die Mentalität. Da kann jeder Fußballer etwas lernen.

SPOX: Sie lernen seit zehn Jahren Freistöße.

Schuster: Weil Standards extrem wichtig geworden sind. Gerade wenn zwei gleichstarke Teams aufeinander treffen, bringen oft die Standards die Entscheidung. Auch bei uns war das zuletzt oft der Fall. Deswegen werde ich weiter an meiner Technik trainieren. Denn nicht nur die Schwächen sind wichtig, auch die Stärken sollte man immer weiter verbessern.

SPOX: Das Freistoß-Szenario als große Bühne. Kribbelt es im Bauch, wenn Sie zum Duell Mann gegen Mauer antreten?

Schuster: Klar freue ich mich auf diese Situationen. In dem Moment schaut eben jeder Zuschauer auf dich. Und die Anspannung steigt da immens. Aber ich bin meistens so konzentriert, dass ich das Kribbeln im Bauch kaum mitbekomme.

SPOX: Was ist denn der Trick bei den Schuster-Freistößen?

Schuster: Üben, üben, üben. Seit zehn Jahren trainiere ich extra Standards. Nur so geht's!

SPOX: Der Schuster-Schuss kriegt also noch immer Sonderschichten?

Schuster: Auf jeden Fall. So oft es geht, schnappe ich mir nach dem Training einen Torhüter. Und dann gibt's eine halbe Stunde noch mal ordentlich was auf die Kiste. Unsere Keeper sind immer wieder aufs Neue hochmotiviert.

SPOX: Und außerdem? Haben Sie gewisse Rituale vorm Kick?

Schuster: Es gibt zwei Punkte. Ich schaue immer dorthin, wo der Ball landen soll. Das gibt mir so eine fiktive Linie. Und der Abstand zwischen Standbein und Ball ist auch immer derselbe. Und dann funktioniert's in der Regel...

Julian Schuster im Steckbrief

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