Löwen-Kapitän Bierofka: Sieg für den Trainer

SID
Dienstag, 16.09.2008 | 13:16 Uhr
2. Liga, 1860 München, Daniel Bierofka, MSV Duisburg
© Getty
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Gedankenversunken küsste Marco Kurz während des bislang schwersten Spiels seiner Trainerkarriere den Ehering, nach dem Schlusspfiff beim ersten Sieg seit fünf Monaten wurden dann aber vor allem Streicheleinheiten zwischen ihm und dem Team ausgetauscht.

"Das ist eine Floskel, das eine Mannschaft für den Trainer spielt, aber bei uns ist es so. Es war ein kleiner Sieg für den Trainer", sagte Löwen-Kapitän Daniel Bierofka, der mit seinem Führungstreffer maßgeblichen Anteil am 2:0 (1:0)-Erfolg des TSV 1860 München über den MSV Duisburg hatte.

Der zweite Treffer durch Joker Timo Gebhart machte dann den Sprung vom Tabellenende der 2. Bundesliga auf Rang zwölf perfekt und ließ den 39 Jahre alten Trainer durchschnaufen. "Allerhöchsten Respekt. Ich bin stolz auf diese Truppe", erklärte Kurz, der bei einer weiteren Niederlage wohl seine Sachen hätte packen können.

Reuter voller Bewunderung für den Trainer

Null Punkte hatte Kurz' Team nach drei Niederlagen in den ersten drei Saisonspielen in der Bilanz stehen, die Kritik wurde immer lauter. Zwar betonte der Coach stets, dass es nicht um seine Person als Trainer gegangen sei, aber die Situation dürfte den Familienvater innerlich mehr mitgenommen mehr haben, als er sich es äußerlich anmerken ließ. 

"Ich bewundere den Trainer, wie er mit der Kritik der letzten Wochen umgegangen ist", gestand Geschäftsführer Stefan Reuter, der wie die Spieler "riesige Erleichterung" verspürte. "Die Mannschaft wollte zeigen, dass Herr Kurz kein schlechter Trainer ist. Das war reiner Kampf", sagte der 19 Jahre alte Jungspund Manuel Schäffler über den vor anderthalb Jahren ins Amt gehievten Kurz.

Duisburg als Aufbaugegener

Dabei hatte es seit dem bislang letzten Sieg der Münchner, dem 2:1 im April gegen den SV Wehen Wiesbaden fast so ausgesehen, als passe gar kein Gegner mehr ins Beuteschema der Löwen. Bis die Zebras kamen. Vor der Minus-Kulisse von 18.500 Zuschauern - so wenige kamen noch nie in die Allianz-Arena - waren die Duisburger ein dankbarer Aufbaugegner.

Mit "beschissen" kommentierte MSV-Kapitän Ivica Grlic die Darbietungen der Seinen, die ihre lilafarbenen Trikots vor allem nach der Pause einigermaßen hilflos über den Platz trugen. In einer Woche beim DFB-Pokal zwischen den beiden Teams an selber Stelle wollen sich die Duisburger stärker präsentieren.

Dagegen boten die Sechziger ihre beste Saisonvorstellung. "Dieser Sieg war eine Willensleistung", lobte 1990er-Weltmeister Reuter den engagierten Auftritt.

"Bommer raus"-Rufe nach Abpfiff

"Die Mannschaft wollte das Spiel auf Biegen und Brechen für sich entscheiden. Sie wollte die Trendwende herbeiführen", stellte auch Kurz den Siegfaktor heraus und mahnte gleich: "Es war ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, wir stehen weiter auf dem Prüfstein."

In der Arena wurde Kurz auch noch einmal Augenzeuge der Schnelllebigkeit des Fußball-Geschäfts. Während die Diskussionen um ihn verstummten, musste sich nun Duisburgs Trainer Rudi Bommer "Bommer raus"-Rufe von den paar mitgereisten MSV- Anhängern gefallen lassen.

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