Freitag, 05.09.2008

Vom Interimscoach zur Dauerlösung

Oenning wird Cheftrainer beim Club

Mit der Beförderung von Michael Oenning zum neuen Chef-Trainer hat der Bundesliga-Absteiger 1. FC Nürnberg seine Chaos-Tage beendet.

© Getty

Der 42 Jahre alte bisherige Assistenzcoach erhielt beim Pokalsieger von 2007 einen Vertrag bis zum Saisonende, teilte der Zweitligist am Freitag mit. "Wir sind zuversichtlich, mit ihm unsere Ziele zu erreichen", begründete Sportdirektor Martin Bader die Berufung des Trainer-Neulings.

Oenning wird Nachfolger des glücklosen Thomas von Heesen, der erst im Februar Hans Meyer abgelöst hatte, den Abstieg des Pokalsiegers von 2007 in die 2. Liga aber nicht verhindern konnte.

"Oenning war nie von Heesens Lakai"

"Wir kennen Michael Oennings Arbeitsweise sehr gut und schätzen seine Qualitäten", sagte Bader zu der bereits seit Tagen erwarteten Einigung. Erst im vergangenen Februar war der Assistenzcoach zusammen mit von Heesen nach Nürnberg gekommen.

"Oenning war nie von Heesens Lakai", hatte Präsident Michael A. Roth den Neuling aber frühzeitig zum Favoriten auf das schwierige Traineramt beim "Fahrstuhl-Club" ernannt. Seit dem Amtsantritt von Hans Meyer vor knapp drei Jahren ist Oenning der dritte Coach bei den Franken.

Nach tagelangen Querelen hatte der in Franken wenig geschätzte von Heesen am vergangenen Donnerstag entnervt aufgegeben und seinen Rücktritt beim Liga-Favoriten erklärt.

Kein Kredit bei den Fans

"Nicht nachvollziehbar für mich ist, nach zwei Spieltagen einen Trainer komplett infrage zu stellen - wider besseren Wissens, dass eine neu formierte, verjüngte Mannschaft Zeit zur Entwicklung braucht", entgegnete der frühere Bundesliga-Profi die Kritik an seiner Person.

Schon vor Saisonbeginn hatte von Heesen in Nürnberg jedoch mit dem Rücken zur Wand gestanden. "Dass er kaum Kredit bei den Anhängern hat, ist kein Geheimnis", verlautete Manager Bader in aller Öffentlichkeit.

Bei der Suche nach dem Nachfolger für den Ostwestfalen lief spätestens mit der halbwegs erfolgreichen Aufholjagd am vergangenen Sonntag beim 2:2 gegen Alemannia Aachen alles auf Oenning zu.

Weg von den üblichen Verdächtigen

"Warum immer die üblichen Verdächtigen? Warum sollte man nicht einmal einen neuen Weg gehen?", stimmte Bader die Club-Fans auf die Beförderung des 42-Jährigen ein. "Michael Oenning ist nah am Team, hat einen guten Draht zur Mannschaft und hat alle Transfers mitbegleitet."

Für die breite Öffentlichkeit ist Oenning ein Unbekannter, doch der 42-Jährige ist alles andere als eine graue Maus. Bei Borussia Mönchengladbach und dem VfL Wolfsburg war er bereits Assistenztrainer, bei den Niedersachsen sprang er 2005 sogar in einer Bundesliga-Partie als Chefcoach ein.

Auch jenseits der Trainerbank sorgte der Münsterländer für Aufsehen, als er für seine WM- Fernsehmoderationen 2002 mit Marcel Reif den renommierten Grimme- Preis einheimsen konnte.

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