Robin Dutt exklusiv

"Nicht lange herumeiern"

Von Interview: Alexander Klucke
Samstag, 27.09.2008 | 13:52 Uhr
© Getty
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Robin Dutt verpasste den Aufstieg in die 1. Liga mit dem SC Freiburg in der Vorsaison nur knapp. Auch in dieser Spielzeit greift der 43-Jährige im Unterhaus wieder voll an - und das aggressiver denn je.

Vor dem schweren Auswärtsspiel am Aachener Tivoli (So., 14 Uhr im LIVE-TICKER und bei Premiere) spricht Dutt bei SPOX über seine Ziele, "gescheiterte" Neuzugänge und das gewachsene Selbstbewusstsein im Breisgau.

SPOX: Herr Dutt, schon vor Saisonbeginn machten Sie deutlich, dass Freiburgs klares Ziel die Bundesliga ist.

Robin Dutt: Ja, die Mannschaft hat beschlossen, nicht lange herumzueiern, sondern das klar auszusprechen, was sowieso jeder denkt. Schon im letzten Jahr stimmte die Leistung. Jetzt ist der Anspruch, noch besser und stärker zu werden. Da bleibt in der Tabelle nicht viel Spielraum bis zum Aufstiegsplatz.

SPOX: Nach dem fünften Spieltag sind Sie Tabellenführer - also alles auf Aufstiegskurs?

Dutt: Dieses Ziel haben wir erst dann erreicht, wenn wir am 34. Spieltag immer noch ganz oben stehen. Im Moment dürfen wir uns über einen gelungenen Start freuen, der das Ergebnis einer intensiven Arbeit ist. Wir sind bisher zufrieden, ohne schon etwas erreicht zu haben.

SPOX: Der selbst auferlegte Druck scheint die Spieler in keinster Weise zu hemmen.

Dutt: Nein, denn die Mannschaft hat sich gut entwickelt und inzwischen greifen viele Automatismen. Unterstützt von den ersten positiven Ergebnissen entstehen Selbstbewusstsein und der Glauben an die eigene Stärke.

SPOX: Müssen Sie nun vielleicht sogar schon wieder auf die Euphoriebremse treten?

Dutt: Um im Bild zu bleiben: Das Gaspedal betätigen wir in dieser Hinsicht nicht, aber wir wollen die Euphorie hier nicht unbedingt bremsen - allerdings muss man Woche für Woche diszipliniert dafür arbeiten, dass die Begeisterung am Spieltag überhaupt möglich ist.

SPOX: Mit dem Auswärtsspiel in Aachen und dem Heimspiel gegen Duisburg stehen schwere Aufgaben in der Liga an. Kommen die Prüfsteine genau zur richtigen Zeit?

Dutt: Das bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall freuen wir uns auf die nächsten beiden Spiele. Besonders die sogenannten schweren Spiele bieten die Chance, noch stärker zu werden.

SPOX: Andere Klubs wie die drei Absteiger tun sich schwerer. Welche Teams haben Sie nach den ersten Eindrücken der laufenden Saison als ärgste Konkurrenten auf der Rechnung?

Dutt: Es ist nicht auszuschließen, dass Kaiserslautern sich oben festsetzt. Ansonsten lässt sich bei diesen Punkteabständen jetzt noch nichts prognostizieren.

SPOX: Abgänge wichtiger Spieler wurden durch Ivica Banovic, Tommy Bechmann und Mohammadou Idrissou kompensiert. Nach verhaltenen Vorjahren blühen die Neuzugänge jetzt in Freiburg richtig auf. Woran liegt's?

Dutt: In Freiburg konnten alle drei wieder zu ihrer alten Stärke zurückfinden, weil ihnen in Freiburg die Ruhe und Zeit dafür zur Verfügung stand.

SPOX: Steckt hinter der Idee, "gescheiterte" Spieler von anderen Klubs zu holen, Methode oder geht es in Freiburg einfach auch nicht anders?

Dutt: Die Verträge dieser Spieler liefen aus und somit waren sie ablösefrei, was uns sehr entgegenkam. Aber es sind alles andere als gescheiterte Spieler. Banovic ist schon vergangene Saison als frisch gebackener DFB-Pokalsieger zu uns gekommen. Idrisssou kam bereits im Winter direkt nach seiner Finalteilnahme mit Kamerun am Afrika-Cup und auch Bechmann hat durchaus schon einiges vorzuweisen.

SPOX: Hoffenheim-Coach Ralf Rangnick hat eine ähnliche Philosophie wie Sie und hat sich ebenfalls von ganz unten hoch gearbeitet. Ist er so etwas wie ein Vorbild für Sie?

Dutt: Nein, ich habe keinen Trainerkollegen, den ich als Vorbild bezeichnen könnte. Vielmehr gibt es viele Kollegen, deren Arbeit ich sehr schätze. Ralf Rangnick gehört sicherlich dazu. Er hat im Fußball schon einige interessante Geschichten geschrieben.

SPOX: 2005 schlossen sie die Fußballlehrerausbildung als Jahrgangsbester ab. Inwieweit waren die Innovationen eines Jürgen Klinsmann, erst beim DFB und jetzt bei den Bayern, für sie wirklich etwas Neues?

Dutt: Die Veränderungen, die Jürgen Klinsmann vorgenommen hat, habe ich weder beim DFB noch beim FC Bayern selber sehen können. Daher maße ich es mir nicht an sie zu beurteilen. In jedem Fall ist es gut, wenn im Fußball viel Neues und Innovatives diskutiert wird. Nur so kann sich der Fußball stetig weiterentwickeln. Letztlich muss jeder für sich selbst entscheiden, was er in seinem eigenen Umfeld umsetzen möchte.

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