Freitag, 09.05.2008

Francisco Copado im SPOX-Interview

Ein Energydrink von der Tankstelle

Hoffenheim - Eigentlich müsste die TSG 1899 Hoffenheim einer der beliebtesten Klubs in Deutschland sein: Ein kleiner Dorfverein mischt mit einer jungen Mannschaft und erfrischendem Offensivfußball die 2. Liga auf.

TSG 1899 Hoffenheim, Francisco Copado, 2. Bundesliga, Dietmar Hopp, Kickers Offenbach, Christoph Daum, Ralf Rangnick, Dietmar-Hopp-Stadion
© Getty

Hier, wo reservierte Eintrittskarten nicht an der Stadionkasse sondern an der Tankstelle am Ortseingang hinterlegt werden, wo sich Verteidiger Marvin Compper eben dort brav in die Schlange stellt und 90 Minuten vor dem Spiel einen Energydrink kauft. In einem Stadion, in dem Befreiungsschläge noch regelmäßig über das flache Tribünendach fliegen. Idylle pur.

Wären da nicht die vielen Millionen Euro von Mäzen Dietmar Hopp, die die Nordbadener zusammen mit dem VfL Wolfsburg in der Beliebtheitsskala der Profiklubs wohl um die letzte Position kämpfen lässt.

"Es freuen sich alle, wenn wir aus der Liga raus sind"

"Ich glaube, es freuen sich alle, wenn wir aus der Liga raus sind", sagt Francisco Copado gegenüber SPOX vor dem vielleicht vorentscheidenden Spiel am Sonntag bei Kickers Offenbach (14.00 Uhr im LIVE-TICKER und bei Premiere). Mit offenen Armen würden die Hoffenheimer jedoch auch in der Bundesliga sicher nicht empfangen.

Von Nervosität ist beim Aufsteiger aus der Regionalliga nichts zu spüren. Wie der lockere 3:1-Sieg gegen Koblenz zeigte, scheinen die verbalen Attacken von Kölns Trainer Christoph Daum ("Dort liegen die Nerven blank") der Elf von Ralf Rangnick nichts anzuhaben.

Andere interessieren "einen Scheißdreck"

"Uns interessiert wirklich einen Scheißdreck, was andere Leute, Trainer oder Fankulturen meinen. Wir konzentrieren uns nur darauf, dass Spiel in Offenbach zu gewinnen", zeigt sich der von Aufstieg überzeugte Copado aggressiv.

Sollte dies gelingen und Mainz gleichzeitig in Köln verlieren, wäre der Aufstieg schon einen Spieltag vor Saisonende perfekt. So schnell wieder in die Bundesliga zurückzukehren, hätte der 33-Jährige bei seinem Wechsel im Sommer 2006 von Frankfurt in die Provinz nicht gedacht. "Ich habe für vier Jahre unterschrieben und gehofft, dass es irgendwann klappt. Aber dass es so schnell passiert bzw. passieren kann, freut mich natürlich."

Hassgesänge nur einfallslos

Wehmut, bei einem großen Verein zu spielen Sehnsucht nach lautstarker Unterstützung von den Rängen will der Ex-Kapitän nicht aufkommen lassen. "Man kann sich nicht alles aussuchen im Leben. Die Atmosphäre war im Frankfurter Stadion natürlich schöner. Aber das ist vergessen. Jetzt versuchen wir Hoffenheim weiterzubringen. Und vielleicht erreicht 1899 irgendwann auch solch eine Fankultur wie die Eintracht."

In der ersten Liga würden die Schimpftiraden der gegnerischen Fans sicher noch einmal zunehmen.

"Ich bin ein Spieler, der generell gehasst wird. Warum, weiß ich eigentlich gar nicht."

Die "Scheiß-Millionäre"-Rufe gegenüber sich und seinen Kollegen seien laut Copado allerdings kein "Hass, sondern nur Einfallslosigkeit".

Auch Dorf-Charme geht verloren

So oder so geht nächste Saison unabhängig von der Ligazugehörigkeit auch noch der Dorf-Charme verloren.

Da das Dietmar-Hopp-Stadion in Hoffenheim (6350 Plätze) nicht den Statuten entspricht, zieht die TSG bis zur Fertigstellung der eigenen 30.000 Zuschauer fassenden Arena in Sinsheim nach Mannheim um. Dann wird auch an der Tankstelle am Ortseingang weniger Betrieb sein.

Interview: Torsten Nenner

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