Samstag, 05.04.2008

Canossa-Gang in Lautern

Land unter

Kaiserslautern ­- Minutenlang stellte sich Cheftrainer Milan Sasic mit seinem Team nach der 0:2 (0:2)-Heimniederlage des 1. FC Kaiserslautern gegen den Aufstiegskandidaten TSG 1899 Hoffenheim vor der Westtribüne im Fritz-Walter-Stadion den wütenden Fans.

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Mit gesenktem Kopf ertrugen sie als Dank dafür ein gellendes Pfeifkonzert und schlichen dann wie begossene Pudel in die Kabinen. "Ich wollte, dass meine Spieler die traurigen Augen der Fans sehen, die diesen Verein über alles lieben", begründete Trainer Milan Sasic diesen von ihm geforderten Canossa-Gang.

Der Zorn der letzten FCK-Getreuen unter den 26.720 Zuschauern entzündete sich aber weniger an den spielerischen Leistungen gegen den Tabellenzweiten Hoffenheim, als an der sportlichen Situation des viermaligen deutschen Meisters nach 27 Saisonspielen.

25 Punkte und 5 Zähler Abstand zu einem Nichtabstiegsplatz sind wohl zu wenig zum Überleben in der 2. Liga. Sie lassen aber noch ein Fünkchen Hoffnung, in letzter Minute den drohenden Absturz in die 3. Liga zu vermeiden.

Sasic nimmt Team in Schutz

"Vorstand raus" skandierten sie in der Kurve, wo die "Hardliner" stehen - und machten auch den Aufsichtsrat für das fußballerische Dauerdebakel des Traditionsklubs verantwortlich. Dabei hatte Sasic noch einmal sein Team in Schutz genommen: "Ich kann auf meine Spieler nicht sauer sein. Sie taten, was in ihren Möglichkeiten liegt."

90 Minuten hatten die Pfälzer im Beisein von "Edelfan" und Ministerpräsident Kurt Beck unverdrossen gekämpft. Oft auch mit unzulänglichen Mitteln gegen technisch und spielerisch überlegene Hoffenheimer, die unaufhaltsam dem Durchmarsch bis in die 1. Liga entgegenstreben.

Individuelle Fehler der Defensiv-Akteure Christopher Lamprecht und Georges Mandjeck sorgten für die sechste Heimschlappe des FCK durch Tore von Carlos Eduardo (74.) und Chinedu Obasi (79.).

Kuntz-Wechsel am seidenen Faden

Die Hoffnungen von Verantwortlichen und Fans richten sich immer noch auf die einstige Torjäger-Ikone Stefan Kuntz, der nach seiner Kündigung beim VfL Bochum als Sportdirektor zum Heilsbringer und Kandidaten für den Vorstandsvorsitz in der Pfalz geworden ist.

"Die Chancen, dass Kuntz zu uns kommen wird, stehen allenfalls 50:50", sagte Aufsichtsratsmitglied Hartmut Emrich. "Aber da gibt es jetzt sicherlich auch Freunde, die Kuntz von einem Engagement bei dem angeblichen Chaos-Klub abraten." Emrich und sein Aufsichtsratskollege Ottmar Frenger gehen davon aus, dass "etwa Mitte nächster Woche über diese wichtige Personalie eine definitive Entscheidung fallen wird".

Auch Aufsichtsratmitglied Prof. Dieter Rombach ist zuversichtlich: "Wir sind sehr hoffnungsvoll, dass Stefan Kuntz als Vorstandsvorsitzender nach Kaiserslautern kommen wird. Aber ich darf vielleicht dazu sagen: Stefan Kuntz ist nicht nur eine Personalie als Vorstandsvorsitzender, sondern integrierter Teil eines Zukunftskonzepts des FCK."

Derweil wird rund um den Betzenberg schon das Szenario beschworen, das nach einem Abstieg in die 3. Liga droht: Laut Vorstandschef Erwin Göbel kann der Klub die Stadionmiete von 3,2 Millionen Euro und die zusätzlichen Unterhaltskosten dann "auf keinen Fall stemmen".

Ein Abstieg würde nicht nur das kickende Personal, sondern auch weitere Angestellte treffen. Von rund 40 Mitarbeitern in der Geschäftsstelle und im Trainingszentrum Fröhnerhof würden viele arbeitslos.


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