"DFL schickt uns in die 3. Liga"

Von Interview: Torsten Adams
Donnerstag, 24.04.2008 | 20:33 Uhr
DFL, Zweite Bundesliga, TuS Koblenz, Uwe, Rapolder, fussball
© Getty
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München - Mit dem höchsten Punktabzug in der Bundesliga-Geschichte hat die Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL) den Zweitligisten TuS Koblenz für einen Verstoß gegen die Lizenzauflagen bestraft.

Acht Punkte Abzug und eine 200.000-Euro-Geldstrafe haben bei den Rheinländern und vor allem bei Trainer Uwe Rapolder blankes Entsetzen ausgelöst.

Im SPOX-Interview zeigt der 49-Jährige Unverständnis für die Höhe der Sanktionierung.

SPOX: Herr Rapolder, wie bewerten Sie den Punktabzug und die Geldstrafe, die die DFL gegen die TuS verhängt hat?

Uwe Rapolder: Sehen Sie, acht Punkte sind acht Unentschieden auswärts, die muss man erst einmal einfahren. Das Ausmaß der Strafe ist für uns sportlich tödlich. Die DFL weiß im Prinzip, dass sie uns damit in die dritte Liga schickt, denn die psychologische Ausgangslage ist nun derart ungünstig, dass es ganz schwer wird.

SPOX: Denken Sie, dass die Strafe für Vereine mit einem klangvolleren Namen anders ausgefallen wäre?

Rapolder: Einige von denen bei der DFL haben ja auch mal Fußball gespielt. Die wissen ganz genau, dass das für uns normalerweise nicht zu meistern ist - auch wenn wir jetzt noch drei Punkte Vorsprung haben. Hier geht es nicht nur um einen Verein, sondern eine ganze Stadt, eine ganze Region. Wir haben im Durchschnitt knapp 12.000 Zuschauer im Stadion Oberwerth. Das kann man nicht so einfach alles wegwerfen.

SPOX: Welche Vorwürfe machen Sie der DFL?

Rapolder: Erstens ist für mich nicht nach zu vollziehen, dass man eine Strafe in solch einer Höhe ausspricht. Zweitens ist die Art und Weise, wie sie zustande kam, nicht zu verstehen. Seit Dienstag warten wir ab, was seitens der DFL passiert. Und jetzt, einen Tag vor dem inzwischen lebenswichtigen Spiel in Paderborn, kommt solch eine immense Strafe dabei raus. Das ist für mich unverständlich.

SPOX: Wie bewerten Sie den DFL-Grundsatz, Konsequenzen für Verfehlungen in Sachen Lizenzauflagen noch in derselben Saison zu bestrafen?

Rapolder: Acht Strafpunkte gab's bis jetzt ja noch nie, da muss die DFL schon richtige Vorwürfe auspacken. Denn meines Wissen schulden wir niemandem Geld und sind unseren Verpflichtungen nachgekommen. Ich hoffe, dass die DFL bei allen Vereinen so konsequent ist wie bei uns. Denn ich kann mir vorstellen, dass andere Klubs wirtschaftlich sehr viel größere Probleme haben als wir.

SPOX: Wie kann es in einem professionell geführten Verein zu solchen Verfehlungen gegen Lizenzauflagen kommen?

Rapolder: Dazu kann ich als Trainer natürlich nicht viel sagen. Es gab wohl Formfehler. Ich weiß nur, dass wir mittlerweile finanzielle Löcher gestopft haben und dass wir niemandem etwas schulden. Darum ist für mich auch die Höhe der Strafe unverhältnismäßig. Für uns ist es mehr als eine sportliche Rückversetzung in den Abstiegskampf. Normalerweise kannst du das jetzt nicht mehr retten.

SPOX: Vor der Strafe war der TuS der Klassenverbleib so gut wie sicher. Welche Auswirkungen hat die DFL-Entscheidung auf die Planungen für die kommende Saison?

Rapolder: Ich kann momentan nicht mehr mit Spielern verhandeln. Wir wollten für nächste Saison günstige, junge Spieler holen, die sich natürlich auch fragen 'Wie geht es in Koblenz weiter, was passiert da?'. Das alles stellt uns vor eine Aufgabe, die nur ganz schwer zu lösen ist.

SPOX: Wie ist die Stimmung in der Mannschaft, nachdem sie von der Strafe erfahren hat und weiß, dass sie sich jetzt mitten im Abstiegskampf befindet?

Rapolder: Ich kann normalerweise eine Mannschaft sehr gut einstellen, denn ich bin nicht auf den Kopf gefallen. Aber ich kann Ihnen versichern: Das alles jetzt zu verkraften und die Mannschaft innerhalb von 24 Stunden auf das morgige Spiel einzustellen, ist eine Aufgabe, die ist bemerkenswert.

Schafft die TuS nach dem Punkteabzug noch den Klassenerhalt? 

SPOX: Wie wollen sie das Team trotz der schwierigen psychologischen Lage motivieren?

Rapolder: Der einzige Ansatzpunkt ist im Moment eine Trotzreaktion. Ich muss mit der Mannschaft reden und versuchen, sie so gut es geht auf das Paderborn-Spiel einzustellen. Wobei ein Unglück ja selten allein kommt. Wir haben zurzeit drei verletzte Innenverteidiger, dazu sind Sukalo und Dzaka nicht fit. Das ist ganz schwer zu kompensieren.

 

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