"Man kennt Klopp in Hamburg nicht"

Von Interview: Kevin Bublitz
Freitag, 11.04.2008 | 11:13 Uhr
Klopp, Heidel, 2. Bundesliga, Mainz 05, Hamburger SV, Bundesliga, Fußball
© Imago
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München - Am Mittwoch in Mainz: Pressekonferenz mit Jürgen Klopp. Eine bizzare Entscheidung wird bekanntgegeben, die für Verwirrung sorgt und viele Fragen offen lässt.

Trainer Klopp würde im Falle einer Rückkehr von Mainz 05 in die Bundesliga noch ein Jahr dranhängen. Klingt plausibel. Klopp will in Liga der Gentleman. Doch was ist mit Mainz?

Wie geht es nach Klopp weiter und wieso lässt man sich dort auf solch einen "Wenn-Dann-Deal" ein? Manager Christian Heidel klärt im Gespräch mit SPOX.com auf.

SPOX: Herr Heidel, sind Sie erleichtert, dass Jürgen Klopp sich im Falle eines Aufstiegs pro Mainz entschieden hat?

Schaffen die 05er überhaupt den Aufstieg?

Christian Heidel: Jürgen Klopp arbeitet jetzt sieben Jahre bei uns ist und wir haben vehement um ihn gekämpft. Dann ist das zumindest für die Bundesliga ein positives Ergebnis. Darüber freue ich mich.

SPOX: Sie werten seine Entscheidung also nicht als ein "Jein"?

Heidel: Überhaupt nicht. Für uns ist das ein ganz klares "Ja" für die Bundesliga und ein ganz klares "Nein" für die 2. Liga.

SPOX: Aber ist es nicht schade, dass er Ihnen für die 2. Bundesliga nicht mehr zur Verfügung stehen wird?

Heidel: Natürlich. Davon aber mal abgesehen, habe ich ja persönlich Jürgen Klopp den Vorschlag gemacht, nur für die erste Liga in Mainz zu bleiben.

SPOX: Aus welchem Grund?

Heidel: Dafür gibt es mehrere Gründe. Ich kenne den Jürgen so gut wie kaum ein anderer. Er gehört ganz klar in die Bundesliga. Und auch für uns wäre es im Falle des Verbleibs in der 2. Liga nur logisch einen Schnitt zu machen.

SPOX: Und wieso?

Heidel: Ganz einfach. Falls wir nicht aufsteigen, kommt diese Zäsur zum richtigen Zeitpunkt. Die ganze Mannschaft ist vertraglich in der nächsten Saison an uns gebunden. Ein neuer Trainer würde eine gestandene Mannschaft mit Perspektive vorfinden und könnte sicherlich noch neue Spieler dazuholen. Ein Jahr später laufen bei uns zahlreiche Verträge aus. Dann ist das eine ganz andere Situation, weil sich Spieler dann möglicherweise verändern wollen.

SPOX: Soll heißen, sie können diese Kompromisslösung ihres Trainers durchaus nachvollziehen?

Heidel: Ja sicher. Wie gesagt, es war eigentlich mein Ansatz. Jürgen hat von uns auch gar kein Angebot für die 2. Liga bekommen.

SPOX: Wieso hat er sich denn bei einem Aufstieg dafür entschieden, in Mainz zu bleiben?

Heidel: Jürgen Klopp und ich haben ein ganz besonderes Vertrauensverhältnis. Wir haben von Anfang an offen miteinander gesprochen. Ich war stets über alles informiert. Er hat mir im Januar im Trainingslager mitgeteilt, dass er den Verein bei einem guten Angebot gerne verlassen will. Das habe ich akzeptiert. Jürgen Klopp hat mit anderen Vereinen Gespräche geführt und dabei nicht den richtigen Klub für seinen nächsten Karriereschritt gefunden. Er hat gesagt, dass er in den ganzen Gesprächen Mainz 05 noch mehr schätzen gelernt hat. Das ist ein großes Kompliment für uns.

SPOX: Haben Sie ihm ein Ultimatum gestellt?

Heidel: Nein, definitiv nicht. Ich habe ihm gerne die Zeit gelassen, sich mit anderen Vereinen zu unterhalten. Da hab ich mich weder eingemischt, noch habe ich versucht ihn zu beeinflussen. Er hat mich stets auf dem neuesten Stand gehalten.

SPOX: War der positive Trend der Rückrunde auch ein Faktor für seine Entscheidung pro Mainz 05?

Heidel: Ja. Entscheidend war aber, dass er gemerkt hat, dass er ein gutes Gefühl hat, was Mainz anbelangt.

SPOX: Herr Klopp hat mit verschiedenen Vereinen gesprochen, unter anderem mit dem HSV. Dort hat man sich aber wohl nicht hundertprozentig auf ihn einigen können...

Heidel: Da ich den Kloppo gut kenne, habe ich vor zwei Monaten prognostiziert, dass das nichts wird. Es gibt beim HSV offenbar im Vorstand und auch im Aufsichtsrat keine Einigung. Das ist keine Basis für einen neuen Trainer.

SPOX: Wäre Klopp also nicht der richtige Trainer für Hamburg?

Heidel: Wenn es mindestens drei verschiedene Meinungen zu einem neuen Trainer gibt, dann hat man sich den Falschen ausgesucht. Zum Glück hat Jürgen Klopp das noch gemerkt. Denn eines habe ich festgestellt. Man kennt Jürgen Klopp in Hamburg überhaupt nicht.

SPOX: Das ist schade. Jürgen Klopp sucht ja nach einem Verein mit internationalen Ambitionen.

Heidel: Richtig. Als nächster Schritt wäre aber auch alles andere Quatsch. Das muss er natürlich für sich entscheiden. Aber der einzig logische Weg nach Mainz 05 wäre, einen Klub zu finden, der echte Ambitionen hat, international vertreten zu sein.

SPOX: Hat er die Qualitäten dafür?

Heidel: Wer ihm diese Qualitäten abspricht, der hat keine Ahnung von Fußball.

SPOX: Ihr Präsident Harald Strutz hat von einem Schub für die Mannschaft und das gesamte Umfeld gesprochen. Wächst aber durch diese "Wenn-dann-Entscheidung" nicht eher der Druck auf die Spieler?

Heidel: Den Druck haben wir doch sowieso. Die Trainerfrage interessiert die Spieler überhaupt nicht, wenn sie auf dem Spielfeld sind. Sie selbst wollen ja aufsteigen. Wichtig ist im Vertrag die linke oder rechte Spalte. Zweite oder erste Liga. Und natürlich wollen wir alle gerne die rechte Spalte.

SPOX: Haben sie eine B-Lösung für die linke Spalte?

Heidel (lacht): Nein. Wieso auch? Wir sprechen hier über einen Zeitraum von fünf Wochen. Den Trainer, den ich morgen bekomme, den bekomme ich auch noch am 19. Mai. Und wenn ich heute lese 'Der Heidel ist planungsunfähig', dann ist das absoluter Quatsch. Das ist doch immer dasselbe Spiel. Wir machen uns da keinen Stress.

SPOX: Also haben Sie mit keinem anderen Trainer gesprochen?

Heidel: Ich habe mit keinem Trainer telefoniert oder ein persönliches Gespräch geführt. Aber glauben sie jetzt nicht, dass ich mit verschlossenen Augen und Ohren durch die Gegend laufe. Natürlich habe ich Ideen für den Fall, dass es so kommt, wie es hoffentlich nicht kommt.

SPOX: Käme ihr Co-Trainer Zeljko Buvac als Klopp-Nachfolger in Frage?

Heidel: Bisher nicht. Es ist eigentlich so, dass Jürgen Klopp ihn mitnehmen will. Aber das müssen wir dann entscheiden, wenn es soweit ist.

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