Wie man Erfolg plant - und kauft

Von SPOX
Samstag, 22.03.2008 | 11:00 Uhr
St. Pauli, Fans, Hoffenheim
© Imago
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München - 1899 Hoffenheim arbeitet weiter am Durchmarsch in die Bundesliga. Nach 25 Mannschaften liegt die Mannschaft von Ralf Rangnick auf Platz zwei.

Die rasante Entwicklung wirft in diesem besonderen Fall die Frage auf: Ist Erfolg planbar und kaufbar? Um dies zu beantworten, muss man den Blick auf die Vergangenheit richten und die Ausgangslage betrachten.

Schafft Hoffenheim den Aufstieg? Mit dem Tabellenrechner können Sie es entscheiden!

Normaler Dorfverein bis 1990

Bis 1990 war die TSG Hoffenheim ein kleiner, unbedeutender Sportverein, wie es sie auf dem Land zu Hauf gibt. Die Fußballmannschaft kickte in der Kreisliga A Sinsheim. Der Verein entstand 1945 durch den Zusammenschluss eines Turnvereins und eines Fußballvereins.

Auf der offiziellen Homepage der TSG werden die Highlights der Vereins-Historie dementsprechend bodenständig geschildert: Bau einer eigenen Turnhalle ab 1925, Fertigstellung und Einweihung derselben im Jahre 1929, 50-jähriges Vereinsjubiläum, das 1949 an zwei Festtagen gefeiert wurde, Einweihung des Sportplatzes oder des vereinseigenen Klubhauses, etc.

Auch der Hinweis, die TSG sei nicht nur auf den Fußball beschränkt, sondern besitze ebenfalls Abteilungen für Turnen, Leichtathletik, Schach oder asiatischen Kampfsport, fehlt nicht. Diese Auflistung erweckt fast den Eindruck einer Rechtfertigung. Denn man hat die Entwicklung der letzten Jahre im Hinterkopf...

Aufstieg ab 1990

1990 begann der Aufstieg des Vereins. Heimlich still und leise arbeitete man sich durch die Ligen nach oben: Jeweils vier Spielzeiten verbrachte man zwischen 1992 und 2000 in Landes- und Verbandsliga, bis man in der Saison 2000/2001 als Aufsteiger in der Oberliga Baden-Württemberg sensationell den Durchmarsch in die Regionalliga vollbrachte.

Im Hintergrund zog schon damals der Mäzen Dietmar Hopp die Fäden: Der Mitgründer des Software-Riesen SAP stellte dem Verein 1999 das "Dietmar-Hopp-Stadion" zur Verfügung, das auch gleich mit einem Spiel gegen den FC Bayern München eingeweiht wurde. Ob Uli Hoeneß damals schon geahnt hat, was dort am Entstehen war?

Ende der 90er: Projekt "Hoppenheim"

Nicht nur durch den sportlichen Aufstieg zog der Verein das Interesse der Öffentlichkeit auf sich. Gerade durch die Aktivitäten des Mäzens begann sich Fußball-Deutschland für die TSG zu interessieren.

Skeptiker fürchteten eine Einflussnahme großer Geldgeber auf den kompletten Fußball, in den Jahren, in denen die Bayer AG erfolgreich Bayer 04 Leverkusen als Werbemaßnahme durch sportliche Höhepunkte im Europapokal nutzte, bekamen Fans von Traditionsmannschaften - trotz allem Respekt vor dem Erreichten -auch Bedenken: Was passiert mit dem deutschen Fußball?

Der damalige Manager des VfL Wolfsburg, Peter Pander, sprach es offen aus, er wollte mit dem Vereinssponsor VW das erfolgreiche "Modell Bayer 04" adaptieren. Hoffenheim entschied sich zunächst für eine moderate, nennen wir es "unauffälligere" Lösung.

Phase 1: Um die Jahrtausendwende verfolgten die Trainer Alfred Schön wie auch sein Nachfolger Hansi Flick die Philosophie, mit jungen, erfolgshungrigen Spielern aus der Region attraktiven, erfolgreichen Fußball zu bieten. 2001 in der Regionalliga angelangt, war es in der Saison 2003/2004, als man erst im Viertelfinale des DFB-Pokals am VfB Lübeck scheiterte, mit der Beschaulichkeit vorbei: Hoffenheim stand im Fokus. Woher kommt der Verein, wer steckt dahinter, und wohin geht die Reise?

Phase 2: Man machte zu keiner Zeit einen Hehl daraus, dass Dietmar Hopp seinen Traum lebt und seinen Heimatverein so weit wie möglich nach oben bringen will. Als 2005 Ralf Rangnick zu haben war (wurde bei Schalke entlassen), ergriff man die Chance und verpflichtete ihn für fünf Jahre. Als Direktor für Sport- und Jugendförderung wurde Rangnick Bernhard Peters zur Seite gestellt. Der ehemalige Hockey-Bundestrainer wurde für moderne, innovative Trainingsmethoden bekannt. Jürgen Klinsmann wollte ihn sogar als Sportdirektor beim DFB installieren. Diese Verpflichtungen ließen erahnen: Da wird von langer Hand etwas geplant und aufgebaut.

Phase 3: Gebaut wird auch wortwörtlich. Nämlich an einem bundesligatauglichen Stadion. Spatenstich für die neue Arena, die 30.000 Zuschauer fassen und 2009 fertig sein soll, war im Mai 2007. Gerade dieser Werdegang, die personellen Hintergründe, die entsprechenden Spielertransfers (Hoffenheim gab vor der Saison knapp 20 Millionen Euro aus) und die akribische Planung lassen die Vermutung zu: Über kurz oder lang schafft Hoffenheim den Schritt in die Bundesliga. Berücksichtigt man die finanziellen Möglichkeiten, scheint selbst eine mittelfristige Europapokal-Teilnahme kein Hirngespinst zu sein.

Fazit: Wenn man alle Komponenten zusammenzählt, ist der Aufstieg Hoffenheims nur eine Frage der Zeit. Sollte er in dieser Saison schon klappen, wäre dies sicherlich von Vorteil, da die Rangnick-Elf ab der nächsten Saison mit dem Druck des Favoriten zurecht kommen müsste. In dieser Saison waren die hohen Investitionen noch nicht mit dem Aufstiegszwang verbunden. Traditionsmannschaften wie der 1. FC Köln, Borussia Mönchengladbach oder 1860 München wären dagegen zum sofortigen Aufstieg verdammt und beim anfänglichen Mißerfolg von den Medien zerissen worden.

Die größte Herausforderung scheint dann aber noch auf den Verein zuzukommen. Ähnlich wie Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg mit ihrem Werksklub-Image zu kämpfen haben, sorgt auch die Verbindung Hopp-Hoffenheim für Antipathie (im Bild: St. Pauli-Fans in Hoffenheim). Außerdem muss Hoffenheim einen Weg finden, sich als kleiner Dorfverein auf Dauer in der Bundesliga zu etablieren. Mittelfristig scheinen dem Klub aber weder sportlich noch finanziell Grenzen gesetzt sein.

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