Ralf Rangnick, exklusiv II

Beschimpft von 1500 Besoffenen

Von Interview: Haruka Gruber
Dienstag, 26.02.2008 | 13:07 Uhr
Eduardo, Hoffenheim, Copado, Ba
© Imago
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München - Im zweiten Teil des SPOX.com-Interviews spricht Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick über neidische Trainerkollegen, neidische Traditionsvereine und 1500 alkoholisierte Kassler, die sich vor Neid kaum mehr artikulieren konnten.

SPOX: Nach dem Aufstieg in die Zweite Liga hat 1899 aufgerüstet. Ist es zu erwarten, dass bei einem Durchmarsch in Liga eins erneut groß eingekauft wird?

Rangnick: Wir werden sicherlich nicht mehr als drei oder vier Spieler holen, egal in welcher Liga wir stehen. Wir haben bewusst im Winter einige Transfers vorgezogen. Wir haben bewusst Spieler geholt, die in beiden Ligen ihren Mann stehen können. Wir haben bewusst keine älteren Spieler geholt. Das ist der Unterschied zu den anderen Teams, die auf Teufel komm raus aufsteigen wollen und einen Kader haben, der eigentlich für die Bundesliga ausgelegt ist. Unsere Politik ist im Gegensatz geprägt von einer starken Nachhaltigkeit.

SPOX: Es erstaunt, dass sich ausländische Spieler wie Eduardo, Ba oder Obasi sich derart nahtlos integriert haben. Wie lautet Ihr Rezept?

Rangnick: Gegenfrage: Warum soll es Probleme geben? Wir bieten den Jungs optimale Trainingsbedingungen, Bezugspersonen, Deutschunterricht, und so weiter. Das ist der einzige Weg, solche Spieler zu integrieren, und den gehen wir.

SPOX: Mehr Probleme hatten Sie mit dem mittlerweile abgesetzten Kapitän Francisco Copado, der sich über sein Reservistendasein beklagt hat.

Rangnick: Er ist ein Spieler, der immer mal wieder sehr emotional reagiert. Solange man ihn wieder einnordet, ist alles in Ordnung.

SPOX: Sie wurden etwas belächelt, nachdem Sie bekannt gaben, nach Hoffenheim in die Regionalliga zu wechseln. Haben Sie im Nachhinein alles richtig gemacht?

Rangnick: Was heißt alles richtig gemacht? Dass die Entwicklung derart schnell vonstatten geht, ist erfreulich, war aber nicht zu erwarten. Als ich mich damals für Hoffenheim entscheiden habe, waren viele Leute überrascht, der eine oder andere reagierte mit Unverständnis. Aber ich habe meinen Entschluss intensiv durchdacht, und ganz so falsch scheint es nicht gewesen zu sein.

SPOX: Reagieren Trainerkollegen neidisch angesichts Ihrer fast schon paradiesischen Verhältnisse?

Rangnick: Ich habe ein gutes Verhältnis zu den meisten Kollegen, die Beziehungen gehen aber nicht so tief, dass ich mit jemandem darüber diskutiere, ob das gut ist, was ich in Hoffenheim anstelle. Und es gibt ja noch den einen oder anderen Kollegen, der sich auch ungefragt zur Thematik äußert. Das reicht mir voll und ganz.

SPOX: Dietmar Hopp muss sich von gegnerischen Fans mit "Scheiß SAP!" beleidigen lassen. Geht es Ihnen ähnlich?

Rangnick: Bereits in der Regionalliga ist so etwas häufiger passiert. Zum Beispiel wurden wir in Kassel von 1500 alkoholisierten Fans empfangen, die "Scheiß Millionäre" skandiert haben, dabei hatten wir damals außer Zsolt Löw noch keinen Spieler, den wir aus der Ersten oder Zweiten Liga verpflichtet haben. Sich mit so etwas zu beschäftigen macht keinen Sinn.

SPOX: Bleibt da nicht dennoch ein bitterer Beigeschmack?

Rangnick: Witzigerweise haben hauptsächlich die Traditionsklubs, zu denen Kassel ja auch mal gezählt hat, die größten Probleme mit uns. Dabei sind das häufig Vereine, die a) gerne einen Dietmar Hopp hätten und b) durch Missmanagement mehr Geld verbrannt haben, als wir je ausgeben könnten. Da spielt Neid eine große Rolle.

SPOX: Befürchten Sie, dass sich durch einen Bundesliga-Aufstieg mehr Klubs vom Hoffenheimer Modell bedroht fühlen könnten?

Rangnick: Nein. Ganz im Gegenteil, Vereine wie Bayern München oder Werder Bremen verfolgen unseren Werdegang mit großem Interesse. Und um die Frage mit der fehlenden Tradition mal vorweg zu greifen: Unser Verein ist über hundert Jahre alt, was bisher fehlt, ist nur die Erfolgstradition. Welche Geschichte hat denn Leverkusen, Wolfsburg oder Mainz, bevor Jürgen Klopp dort Trainer wurde? Wo kommen wir denn hin, wenn im Profifußball nur noch sogenannte Traditionsklubs mitspielen dürfen? Da müsste man ja für jede Saison ein Voting veranstalten, wer mitmachen darf und wer nicht.

SPOX: Zum Abschluss noch einmal ein Zitat von Herrn Dutt. Er sagt, dass in Anbetracht der schier unendlichen Möglichkeiten das Hoffenheimer "Potenzial kaum zu halten" sei. Können Sie das unterschreiben?

Rangnick: Die Aussage stammt aus der Pressekonferenz nach unserem Spiel. Herr Dutt hat da auch gesagt, dass er hofft, dass wir in die Bundesliga aufsteigen sollen, damit der Spuk vorbei ist. Von einem Freiburger Journalisten wurde er daraufhin gefragt: 'Herr Dutt, soll das heißen, dass sie den Aufstieg schon abgehakt haben?' Erst danach hat Robin Dutt wohl gemerkt, was er da gesagt hat. Nur soviel dazu.

Hier geht es zurück zum ersten Teil!

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