Gladbach im Aufstiegscheck

Ein Team ist jetzt ein Team

Von SPOX
Freitag, 01.02.2008 | 15:52 Uhr
Gladbach, Rolf, Königs, Team
© Getty
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München - Als Tabellenerster und mit sechs Punkten Vorsprung auf Platz 4 geht Borussia Mönchengladbach in die Rückrunde. Klar, dass die Fohlen Favorit Nummer eins für einen der Aufstiegsplätze sind.

Die Hinrunde der Borussia stand unter dem Motto "Auswärts-Deppen werden Auswärts-Helden" und "Ein Team wird zum Team". SPOX.com blickt wie in den vergangenen Tagen bei den anderen Aufstiegskandidaten zurück auf die Hinrunde und beschreibt die Ausgangslage vor dem Start in die Rückrunde.

Die Schlüsselspiele der Hinrunde

4. Spieltag, Heimspiel gegen Osnabrück: Nach mickrigen zwei Punkten aus den ersten drei Spielen gelang mit dem 2:1 die Wende.

Gerade nach dem 1:4-Niederlage in Mainz, bei einem direkten Konkurrenten um den Wiederaufstieg also, konnte man sich durchaus Sorgen um die Zukunft der Borussia machen.

Spieltage 5, 7 und 9: 'Auswärts-Dingsbums' 5, 11, 7, 12, 7 und 16 - nein, das sind nicht die nächsten Lotto-Zahlen, das sind jeweils die Punkte, die Borussia in den letzten sechs Spielzeiten in der Fußball-Bundesliga in fremden Stadien gesammelt hat! In sageundschreibe 102 Auswärts-Liga-Spielen ging man nur 10 Mal als Sieger vom Platz.

Ergebnis: Die Fans nannten in dem Fanprojekt nahestehenden Internet-Forum borussen.net einen Auswärtssieg schon "Auswärts-Dingsbums" und traten die Reisen zu Auswärtsspielen in Shirts mit dem Aufdruck "Auswärts-Deppen" an. Das Gefühl eines Sieges auf fremdem Platz kannte man kaum noch.

In Anbetracht dieser Historie kann man die drei Auswärtssiege in Aue, auf St. Pauli und in Koblenz durchaus als Schlüsselspiele bezeichnen. Der Auswärts-Fluch ist erstmal vorbei. Liebe Borussen: Das Dingsbums heißt Auswärts-SIEG.

Spieltag 16, Sieg in Freiburg: 3:1-Erfolg im Breisgau, nach diesem Spiel sechs Punkte Vorsprung auf den direkten Konkurrenten um den Aufstieg. Im Hinblick auf die oben erwähnte Auswärtsserie war der Hinweis von Freiburgs Trainer Robin Dutt nicht nur eine Bestätigung für die Arbeit von Trainerstab und Mannschaft, sondern wohl auch Balsam für die Fan-Seele: "Gegen Gladbach kann man schonmal verlieren".

Stärken

Keine Frage: Mannschaftliche Geschlossenheit macht Borussia in der Saison 2007/2008 aus. Der Begriff "Ein Team", der von der Marketing-Abteilung im Abstiegsjahr ins Leben gerufen und nach außen demonstrativ zur Schau gestellt wurde, wird in dieser Saison auch gelebt. Jedenfalls hat der Beobachter jederzeit den Eindruck, dass eine verschworene Gemeinschaft auf dem Spielfeld steht. Mannschaftsdienlich rücken Egos in den Hintergrund, das Team und der gemeinsame Erfolg stehen im Vordergrund.

Erinnerungen werden wach an jene Mannschaft, die vor acht Jahren von Trainer Hans Meyer zusammengestellt wurde und als Einheit zwei Spielzeiten nach dem bitteren Gang in die Zweite Liga den Wiederaufstieg schaffte.

Derzeit hält sich auch Präsident Rolf Königs, der in den vergangenen Jahren regelmäßig die Teilnahme am internationalen Wettbewerb als Ziel thematisierte, zurück.

Schwächen

Was passiert, wenn's mal nicht läuft? Das mediale Interesse an der Borussia ist stets groß. Die Kollegen vom DSF dürften sich, als der Abstieg der Borussia in der letzten Saison feststand, vor Freude die Hände gerieben haben. War doch somit die 'stärkste 2. Liga aller Zeiten' mit tollen Traditionsmannschaften komplett.

Sollte es mal nicht so gut laufen, dann entsteht gerade bei den Traditionsmannschaften enormer medialer Druck, das konnte man sehr gut an der Situation beim Lokalrivalen Köln während der Hinrunde, aber auch an Borussias Fehlstart mit gerade mal zwei von möglichen neun Punkten in dieser Saison sehen. Wie so oft im Herbst wurde bei der Borussia der Trainer in Frage gestellt, vom kompletten Umfeld: Medien, Fans und Vereins-Verantwortliche sorgten sich um den Traditionsverein und seine Zukunft.

Wie hoch sind die Erwartungen? Nicht nur in kritischeren Situationen müssen die Vereinsverantwortlichen Ruhe bewahren und besonnen reagieren. Das oben beschriebene Vorgehen im Abstiegsjahr, das demonstrative Zusammenrücken als 'Ein Team' wäre kaum nötig gewesen, hätte man nicht in den letzten Jahren oft zwischen 'Team Sport' und 'Team Finanzen' unterschieden. Vereinsintern wurde imenser Druck aufgebaut, indem man auf die perfekte finanzielle Situation des Vereins hinwies und gleichzeitig erklärte, das 'Team Sport' würde hoffentlich in den nächsten Jahren nachziehen.

Der Traum vom internationalen Wettbewerb kann geträumt werden, die Teilnahme auf der europäischen Fußball-Bühne darf aber nicht als logische Konsequenz einer finanziellen Basis angesehen, ja regelrecht erwartet werden. Gerade wenn man den Werdegang der einzelnen Aufsteiger in den letzten Jahren betrachtet, müsste man allgemein als Vereinsverantwortlicher vorsichtiger an hochgesteckte Ziele herangehen: Von den Aufsteigern seit 1998 gelang es nur Hannover 96 länger in Deutschlands höchster Spielklasse zu verblieben.

Mögliche Schlüsselspiele in der Rückrunde

18. Spieltag, Heimspiel gegen Kaiserslautern: Die Pfälzer kämpfen ums Überleben. Sollte dieses Heimspiel verloren gehen, kann es zu einem ähnlichen Fehlstart kommen wie in der Hinrunde. Gewinnt Borussia dieses Spiel, kann das die Grundlage für eine Euphorie-Welle rund um den Verein und für einen Durchmarsch in Richtung Bundesliga sein.

 27. Spieltag, beim 1. FC Köln, 28. Spieltag gegen Fürth: Es ist möglich, dass die Borussia es in diesen beiden Spielen gegen zwei direkte Konkurrenten schafft, sich entweder uneinholbar abzusetzen oder - für den Fall eines vorherigen Einbruchs - die beiden Konkurrenten innerhalb einer Woche zumindest auf Abstand zu halten.

SPOX-Prognose

Das Risiko, dass die Mannschaft auf einmal nicht mehr als geschlossene Einheit auftritt, ist derzeit als gering einzustufen. Damit, dass es zu einer sportlichen Durststrecke mit zwei, drei, vielleicht sogar auch vier nicht gewonnenen Spielen kommt, muss zwar eigentlich in jedem Verein gerechnet werden, allerdings kann man sich das bei der Borussia nach dieser Hinrunde nicht so recht vorstellen. Kommt es jedoch dazu, darf man gespannt sein, wie das Umfeld und die Verantwortlichen im Klub reagieren.

SPOX.com meint:
Mönchengladbach marschiert ähnlich souverän wie nach Spieltag drei durch die Saison und bereichert in der nächsten Spielzeit wieder die Bundesliga!

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