So wird die Winter-WM in Katar

Von SPOX
Dienstag, 26.09.2017 | 10:30 Uhr
In Katar werden zahlreiche Stadien für die WM aus dem Wüstensand gestampft
© getty
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Die Fußball-WM 2022 findet in Katar statt. Das Emirat an der Ostküste der arabischen Halbinsel setzte sich bei der Vergabe-Entscheidung des FIFA-Exekutivkomitees gegen vier andere Bewerberländer durch. Seitdem erhalten die Organisatoren vermehrt Kritik für Zeitplan und die Situation der Arbeiter auf den Stadion-Baustellen. Hier findest du alle Informationen zur Weltmeisterschaft 2022 in Katar.

Modus der WM in Katar: Qualifikation und Anzahl der Teilnehmer

Die Anzahl der Teilnehmer und der Modus der Qualifikation bleiben im Vergleich zur WM 2014 und WM 2018 gleich. 32 Nationen nehmen an der Weltmeisterschaft 2022 teil. Als einzige Mannschaft ist der Gastgeber automatisch qualifiziert, die übrigen 31 Teams werden innerhalb der einzelnen Verbände der FIFA bestimmt. Von den einzelnen Kontinenten wird eine unterschiedliche Anzahl an Teams entsendet:

  • Europa: 13
  • Afrika: 5
  • Südamerika: 4,5
  • Asien: 4,5
  • Nord-/Mittelamerika und Karibik: 3,5
  • Ozeanien: 0,5

Zwischen den vier Kontinentalverbänden mit halben Startplätzen finden vor der Endrunde interkontinentale Entscheidungsspiele statt, die über die Qualifikation der zwei verbliebenen Startplätze entscheiden. Der finale Spielplan wird erst nach der Auslosung feststehen, sie ist im April 2022 geplant.

Wann die Winter-WM stattfindet: Alle Infos zum Zeitplan

Erstmals in der FIFA-Geschichte wird im Jahr 2022 eine Weltmeisterschaft nicht im Sommer ausgetragen. Eigentlich ist es aber keine richtige Winter- sondern eine Herbst-WM. Das Eröffnungsspiel am 21. November 2022 markiert den Beginn des Turniers, der Termin für das Finale ist der 18. Dezember 2022. Der kalendarische Winter beginnt aber erst am 21. Dezember 2022.

Das Final-Datum ist ein besonderer Tag für die Gastgeber in Katar: Am 18. Dezember 1878 trennte sich Katar durch einen Schutzvertrag mit Großbritannien von Bahrain - vorangegangen war ein 100 Jahre andauernder Machtkampf der Sippen Al Thani und Al Chalifa.

Zurück zur Aktualität: Der Grund für den ungewöhnlichen Termin im Winter ist die große Hitze auf der arabischen Halbinsel mit Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius während der Sommermonate, die Verlegung wurde im März 2015 endgültig beschlossen. Weil der Zeitraum der Austragung kurz vor Weihnachten in die normale Fußball-Saison fällt, schraubte die FIFA am Zeitplan. Das Turnier wurde auf 28 Tage verkürzt, weniger waren es seit der WM 1978 in Argentinien nicht mehr - damals nahmen aber auch nur 16 Mannschaften an der Fußball-Weltmeisterschaft teil. Die WM 2018 in Russland dauert drei Tage länger.

Der Grund für die Verkürzung: Die FIFA muss Ausgleichszahlungen an die Vereine leisten, die ihre Spieler für das Turnier abstellen. "Wir erwarten ebenso die Bereitschaft, den Schaden für die Clubs zu kompensieren", sagte Bayern-Boss, Karl-Heinz Rummenigge, in seiner Funktion als Sprecher der europäischen Topklubs.

Je weniger Tage das Spektakel am Golf dauert, desto weniger Geld wird überwiesen. Problem: Der Spielplan ist eigentlich unantastbar, weil schon zuvor 64 WM-Spiele an die TV-Sender verkauft wurden. Ein Verzicht auf das Achtelfinale, wie es der ehemalige DFL-Funktionär Andreas Rettig ins Gespräch gebracht hatte, ging also gar nicht.

Auch sonst wurde verlegt und verschoben: So müssen die großen europäischen Ligen wie Bundesliga, Premier League und Primera Division und die UEFA mit Champions League und Europa League ihre Spielzeit 2018/19 unterbrechen, damit die Nationalmannschaften sich auf die WM in Katar vorbereiten können. Der afrikanische Kontinentalverband packte den Africa Cup in den klimatisch suboptimalen Sommer.

Für den Fußball-Fan in Europa bedeutet immerhin ein Thema keine große Umstellung: die Zeitverschiebung. Katar (UTC+3) ist Deutschland im Winter (UTC+1) bei der Uhrzeit um zwei Stunden voraus.

Luxus mit Klimaanlage: Das sind die Stadien für Katar 2022

Futuristisch, verrückt und ziemlich teuer - das trifft auf die Stadien in Katar insgesamt zu. Allein die Kosten für die Baumaßnahmen bezifferte das Organisationskommittee bei der Bewerbung auf 3,714 Milliarden US-Dollar. In zwölf Arenen wollte der Wüstenstaat die Fußball-Weltmeisterschaft austragen. Neun davon sollten komplette Neubauten, nur drei renoviert werden. An der Planung maßgeblich beteiligt war ein Unternehmen aus Deutschland: AS+P, die in Frankfurt ansässige Firma des 1934 in Berlin geborenen und am 15. September 2017 verstorbenen Architekten Prof. Albert Speer. Die zwölf Stadien sollten auf nur sieben Spielorte verteilt, drei Arenen in Doha, gleich vier in Al-Rayyan errichtet werden.

Allerdings werden nicht alle Entwürfe der Bewerbung auch wirklich umgesetzt. Mittlerweile schreiten Planungen in Katar weiter voran - auch die der Bauwerke. Statt der versprochenen zwölf Spielorte sind bisher nur acht Stadien bestätigt, wobei die Pläne für zwei von ihnen noch nicht enthüllt wurden:

Arena

Ort

Kapazität

Art des Baus

Inspiration

Fertigstellung

Lusail Iconic Stadium

Lusail (Doha)

86.250

Neubau

Unbekannt

2020

Al-Bayt Stadium

Al-Khor

60.000

Neubau

Nomadenzelt

Q4 2018

Al-Rayyan Stadium

Al-Rayyan

40.000

Umbau

Wüste

Q1 2019

Al-Thumana Stadium

Doha

40.000

Neubau

Kufi-Kopfbedeckung

Q1 2020

Al-Wakrah Stadium

Doha

40.000

Neubau

Dhow-Boot-Segel

Q4 2018

Kalifa International Stadium

Al-Rayyan

40.000

Umbau

Stadion

19. Mai 2017

Qatar Foundation Stadium

Al-Rayyan

40.000

Neubau

Diamanten

Q4 2019

Ras Abu Aboud

Doha

Unbekannt

Neubau

Unbekannt

Unbekannt

Katar hat bei den Neubauten insgesamt darauf Wert gelegt, die eigene Kultur der Welt zu präsentieren. Allerdings glückte das nicht komplett: Das von Zaha Hadid entworfene Bootssegelstadion in Al-Wakrah etwa erinnerte viele an eine monströse Vagina.

Was die Kosten der Organisation weiter in die Höhe treibt, ist das Klima: Sämtliche Stadien müssen klimatisiert werden - auf den Tribünen und auf dem Platz. Trotzdem betonen die Organisatoren die ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit ihrer Bauwerke.

Dass so große Spielstätten nach der Weltmeisterschaft keinen Nutzen in einem Fußball-Entwicklungsland haben, ist sogar den Gastgebern bewusst. In das Al-Khor Stadium passen weit mehr Menschen, als der Ort Einwohner hat. Deshalb gibt es Rückbaupläne: Das Zelt in Al-Khor soll komplett abgebaut und in ein ärmeres Land verschifft werden. Die meisten anderen Stadien werden auf knapp 15.000 Plätze zurückgebaut.

Katar 2022 wird insgesamt eine WM der kurzen Wege, anders geht es gar nicht. Beim Größenvergleich mit Deutschland wird klar, wie klein das Hoheitsgebiet der absoluten Monarchie ist. Der Staat Katar ist 11.627 km² groß - mit Ausnahme des Saarlands ist kein deutscher Flächenstaat kleiner als das Emirat, selbst Schleswig-Holstein ist mit 15.802 km² größer.

Menschenrechte und Arbeitsbedingungen: Warum Katar in der Kritik steht

Kritik an Katar gab es schon während der Bewerbungsphase an allen Ecken. Demokratie gibt es im Emirat nicht, das Land ist eine absolute Monarchie. Neben der fehlenden Fußballtradition und den klimatischen Bedingungen sind deshalb die politischen Verhältnisse im Land der Hauptpunkt der Kritik.

Menschenrechte sind in Katar nicht gesichert. So stehen etwa homosexuelle Handlungen in Katar unter Strafe, bis zu fünf Jahre Haft drohen - Ex-FIFA-Präsident Sepp Blatter nach der Vergabe unter Gelächter: "Ich denke, sie sollten bei der WM jegliche sexuellen Aktivitäten unterlassen." Ganz sicher jedoch werde es alkoholische Getränke während der WM geben.

Die Probleme hören damit jedoch noch längst nicht auf. Ein Skandal sind unter anderem die Arbeitsbedingungen. Schon im September 2013 berichtete der Guardian über Ausbeutung nepalesischer Gastarbeiter und zahlreiche Tote. Zwischen dem 4. Juni und dem 8. August 2013 seien 44 Gastarbeiter ums Leben gekommen, die Hälfte von ihnen nach Herzversagen oder Arbeitsunfällen, ausgelöst durch die Arbeitsbedingungen auf den Baustellen. Selbst ein 103-seitiger Bericht von Amnesty International im November 2013 kümmerte den Fußball-Weltverband kaum.

Eine Neuvergabe der Weltmeisterschaft lehnte die FIFA unter Blatter trotzdem vehement ab. Auch wenn in Katar das Kafala-System herrscht, das manche als moderne Sklaverei bezeichnen - Ausländer dürfen nur ihren Arbeitsvertrag kündigen und das Land verlassen, wenn ihr Arbeitgeber dies erlaubt - sah die FIFA nur angebliche Vorteile einen "Beitrag zur Völkerverständigung". Selbst Profi-Fußballern leiden übrigens unter dem Kafala-System, auch sie werden teils ohne Lohn im Land festgehalten.

Selbst in Arabien ist Katar teilweise isoliert. Ägypten, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate brachen im Juni 2017 die diplomatischen Beziehungen zum WM-Gastgeber ab und gaben als Grund die Unterstützung des islamistischen Terrorismus durch die katarische Regierung an. Jemen, Libyen und die Malediven schlossen sich der Blockade an, die die Schließung sämtlicher Grenzen beinhaltete. DFB-Präsident Reinhard Grindel dachte daraufhin gegenüber der Welt über Boykott nach. Man werde sich mit UEFA und Bundesregierung abstimmen, jedoch seien "noch fünf Jahre Zeit, in der politische Lösungen vor Boykottdrohungen den Vorrang haben müssen".

Vergabe der WM 2022: Diese Länder wollten die WM ausrichten

Die FIFA hätte sich die Diskussionen um die Vergabe sparen können. Insgesamt bewarben sich gleich fünf Länder darum, die Weltmeisterschaft 2022 auszurichten. Zwar hatten die USA (1994), Südkorea und Japan (2002 gemeinsam) bereits die Freude, mit Australien gab es jedoch einen weiteren Kandidaten, der zu Blatters Marschroute der "Fußball-Expansion" gepasst hätte. Bei der Entscheidung des FIFA-Exekutivkommitees am 19. Dezember 2008 setzte sich Katar schließlich zur Überraschung vieler klassischer Fußballnationen in der vierten Abstimmungsrunde durch, wobei für die Auswahl des Gastgebers eine absolute Mehrheit erforderlich war und pro Runde ein Bewerber die Segel streichen musste.

Bewerber

Stimmen 1. Runde

Stimmen 2. Runde

Stimmen 3. Runde

Stimmen 4. Runde

Katar

11

10

11

14

USA

3

5

6

8

Südkorea

4

5

5

-

Japan

3

2

-

-

Australien

1

-

-

-

Ob die Delegierten dabei bestochen wurden? Die Sunday Times filmte die Vertreter von Nigeria und Tahiti mit versteckter Kamera, während sie ihre Stimme zum Verkauf anboten. Trotzdem bestritt Sepp Blatter die Vorwürfe der Korruption und Intransparenz des Vergabeverfahrens. Die Sunday Times legte im Juni 2014 unter Berufung auf konkrete Beweismittel nach und berichtete, mehrere Millionen US-Dollar seien geflossen, um Katar zum WM-Gastgeber zu machen. Allerdings berichtete der Sydney Morning Herald, dass auch Bewerber Australien Geld zur Bestechung in die Hand genommen hätte.

Wo gibt's Tickets für die Weltmeisterschaft 2022?

Karten fürs Finale im Lusail Iconic Stadium gefällig? Dann ist noch reichlich Geduld gefragt. Noch sind die Tickets für die WM 2022 lange nicht im Umlauf. Auch was sie kosten werden, ist noch unklar. Der Kartenverkauf für die WM 2018 in Russland begann zum Beispiel am 14. September 2017. Die Katar-Reiseplanung wird also wahrscheinlich erst im Jahr 2021 möglich sein.

Free-TV- und Livestream-Übertragung

Keine Überraschungen bei der Rechtevergabe fürs Free-TV: ARD und ZDF sicherten sich die Fernsehrechte für die WM 2018 und die WM 2022. Der Spiegel berichtete, für die Wüsten-Kicks würden 214 Millionen Euro an die FIFA überwiesen. Die öffentlich-rechtlichen Sendergruppen bestätigten die Zahlen nicht.

Die europäische Qualifikation für die "Winterspiele des Fußballs" läuft dagegen bei RTL. Der Kölner Konzern darf alle Spiele der des DFB-Teams zeigen, ausgewählte Spiele ohne deutsche Beteiligung sollen bei Nitro übertragen werden.

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