Fussball

Russland - Kroatien 5:6 n.E.: Elferdrama! Kroaten stoppen russisches Sommermärchen

Domagoj Vida erzielte in der Verlängerung die Führung für Kroatien.
© getty

Kroatien hat den überraschenden Lauf von Gastgeber Russland bei der WM 2018 gestoppt und ist ins Halbfinale eingezogen. Das Team um Real-Madrid-Star Luka Modric gewann in einem am Ende dramatischen Viertelfinale gegen die Sbornaja mit 6:5 (2:2, 2:1, 1:1, 1:1) nach Elfmeterschießen und trifft im Semifinale auf England.

Kroatien hatte wie erwartet deutlich mehr Ballbesitz, fand jedoch lange keine Ideen gegen die tief stehenden Russen. Die Sbornaja überraschte ihren Gegner offenbar mit ihren schnellen Kontern und strahlte Gefahr aus.

Dabei profitierten die Russen von der offensiven Aufstellung der Kroaten, bei denen Brozovic als Absicherung hinter Rakitic und Modric zugunsten eines weiteren Offensivspielers (Kramaric) auf die Bank musste. In eben diesen Raum stieß Russland mehrfach gefährlich. Von dort aus erzielte Cheryshev in einer stark ausgespielten Umschaltsituation mit einem Traumtor auch die Führung für den Gastgeber.

In der Folge des Rückstands erhöhte Kroatien zwar den Druck, lief sich aber weiterhin fest. Erst als die Russen bei einem kroatischen Einwurf ungewohnt viel Platz ließen, nutzte der Favorit diesen über einen schnellen Sprint von Mandzukic und glich durch einen Kramaric-Kopfball aus.

Nach der Pause gelangen den Russen kaum noch Entlastungsangriffe. Kroatien startete sehr dominant und erarbeitete sich Torchancen. Perisic scheiterte bei der gefährlichsten Möglichkeit am Pfosten (61.). Kurze Zeit später korrigierte Kroatiens Nationaltrainer Dalic seine enorm offensive Aufstellung und brachte Brozovic als Absicherung. Je näher das Ende der regulären Spielzeit rückte, desto mehr schienen sich beide Teams bereits ihre Kräfte für die Verlängerung einzuteilen.

In dieser strahlten beide Mannschaften nur noch bei Standards Gefahr aus. So passte es ins Bild, dass Kroatien durch einen Kopfball von Vida nach Modric-Ecke in Führung ging. Russland warf in der zweiten Hälfte der Verlängerung noch einmal alles nach vorne - und wurde nach einer Freistoßflanke durch ein Kopfballtor von Fernandes belohnt. Im Elfmeterschießen hatten die Kroaten dank des entscheidenden Fehlschusses von Fernandes schließlich das bessere Ende für sich.

Die Daten des Spiels Russland - Kroatien

Tore: 1:0 Cheryshev (31.), 1:1 Kramaric (40.), 1:2 Vida (101.), 2:2 Mario Fernandes (115.)

Elfmeterschießen:

Subasic hält gegen Smolov

2:3 Brozovic

3:3 Dzagoev

Akinfeev hält gegen Kovacic

Mario Fernandes schießt neben das Tor

3:4 Modric

4:4 Ignashevich

4:5 Vida

5:5 Kuzyaev

5:6 Rakitic

  • Denis Cheryshev erzielte nun vier Tore bei der WM 2018. Nur Oleg Salenko (sechs bei der WM 1994) erzielte mehr Tore bei einer WM-Endrunde für Russland (inkl. UdSSR).
  • Beide Teams trafen mit ihrem ersten Schuss aufs Tor.
  • Kroatien ist das zweite Team, das zwei Elfmeterschießen bei einer WM gewann. Das schaffte ansonsten nur Argentinien 1990 (gegen Jugoslawien und Italien).
  • Bei den Kroaten trafen bereits achte verschiedene Torschützen bei dieser WM - nur Belgien stellt mehr (9).

Der Star des Spiels: Luka Modric (Kroatien)

Bestätigte seine starke Form und lenkte das kroatische Spiel. Überzeugte mit den meisten Balleroberungen, den deutlich meisten Ballaktionen und einer 91-prozentigen Passquote in der gegnerischen Hälfte. Bereitete das 2:1-Führungstor durch Vida in der Verlängerung mit einer präzise getretenen Ecke vor. Verwandelte im Elfmeterschießen zudem - wenn auch mit reichlich Glück.

Der Flop des Spiels: Aleksandr Samedov (Russland)

Nur wenig eingebunden ins russische Offensivspiel, setzte daher keine Akzente und blieb blass. Gewann weniger als 30 Prozent seiner Zweikämpfe, dazu mit schwacher Passquote und keiner einzigen Torschussbeteiligung. Folgerichtig bereits nach 54 Minuten durch Erokhin ersetzt.

Der Schiedsrichter: Sandro Ricci (Brasilien)

Leitete die Partie mit einer angenehmen Körpersprache und fand ein richtiges Maß bei seiner Zweikampfbewertung und seinen persönlichen Verwarnungen. Hatte es jedoch auch mit einer sehr fairen Partie zu tun. Korrekt, bei Lovrens Einsatz gegen Smolov keinen Foulelfmeter zu geben.

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