FIFA stellt Garcia-Bericht online

SID
Dienstag, 27.06.2017 | 21:31 Uhr
Der Garcia-Bericht, den die FIFA veröffentlichte, behandelt die WM-Vergaben 2018 und 2022
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Nachdem neue Details aus dem Bericht des zurückgetretenen FIFA-Chefermittlers Michael Garcia bekannt geworden sind, veröffentlicht der Weltverband überraschend den gesamten Report.

Ein Party-Flug an den Zuckerhut, Millionenzahlungen auf das Konto eines Kindes: Der Fußball-Weltverband FIFA hat auf die Veröffentlichung bislang geheim gehaltener Erkenntnisse reagiert und den Untersuchungsbericht des früheren FIFA-Chefermittlers Michael Garcia am Dienstag komplett freigegeben und online gestellt. Dadurch gerät vor allem der künftige WM-Gastgeber Katar erneut unter Druck. Die Bild-Zeitung hatte am Montagabend Details des Garcia-Reports veröffentlicht und die FIFA damit in Zugzwang gebracht.

Die neuen Vorsitzenden der Untersuchungskammer und der rechtsprechenden Kammer der Ethikkommission, Maria Claudia Rojas und Vassilios Skouris, beschlossen die sofortige Veröffentlichung, teilte die FIFA auf SID-Anfrage mit. Damit rückt der mittlerweile geschasste Richter Hans-Joachim Eckert in ein neues Licht.

Der Münchner, der im Mai von seinem Amt als Chef-Ethiker entbunden worden war, hatte bei seiner Überprüfung des brisanten Dokuments, das die 2010 erfolgten Vergaben der WM-Endrunden 2018 (Russland) und 2022 (Katar) untersucht, keinerlei Anzeichen für eine Manipulation gefunden. Oder zumindest nicht so gravierende, dass eine Neuvergabe der Endrunde im Wüstenstaat nötig gewesen wäre.

FIFA-Präsident Infantino verlangte wohl Veröffentlichung

Laut FIFA hatte Präsident Gianni Infantino mehrmals die Veröffentlichung verlangt. Dies sei von Eckert und seinem Schweizer Chefermittler Cornel Borbely stets abgelehnt worden. Borbely war ebenso vom FIFA-Council nicht zur Wiederwahl zugelassen worden. Eckert widersprach am späten Abend der FIFA-Darstellung. "Abschließend gilt festzuhalten, dass sich Herr Infantino bis zum heutigen Tage nie wegen einer Veröffentlichung an uns gewandt hat", ließ er über seinen Sprecher verbreiten.

Nach Angaben des Weltverbandes sollte die Ethikkommission in der kommenden Woche erstmals unter neuem Vorsitz tagen und die Veröffentlichung des Berichts diskutieren. Weil der Report der Bild-Zeitung aber bereits vorlag, verlangten Rojas und Skouris die sofortige Veröffentlichung.

Die im Bericht enthaltenen Indizien sind eindeutig, sie werfen einen weiteren Schatten auf die ohnehin kritisch beäugte Endrunde 2022 in Katar. So sollen drei stimmberechtigte Mitglieder des damaligen FIFA-Exekutivkomitees in einem Privatjet des katarischen Fußball-Verbandes QFA nach Rio de Janeiro geflogen worden sein, Nobelunterkunft und Sause inklusive. Zudem landeten zwei Millionen Dollar auf dem Konto der zehnjährigen Tochter eines FIFA-Funktionärs. Ein anderer soll sich bei den Scheichs via Mail für eine Überweisung über mehrere Hunderttausend Dollar bedankt haben.

Garcia verärgert von harmlosen Interpretationen

Garcia, dessen rund 400 Seiten starkes Schriftstück von der FIFA (aus rechtlichen Gründen) noch immer geheim gehalten wird, war nach der verharmlosenden Interpretation Eckerts verständlicherweise erzürnt. Er sah seine Erkenntnisse falsch bewertet, trat wenig später von seinem Amt als Boss der ermittelnden Kammer zurück und verschärfte mit seiner harschen Kritik damals die Glaubwürdigkeitskrise.

Überraschen dürften die Details wahrlich nicht, seit geraumer Zeit wird die WM-Vergabe von schweren Korruptionsvorwürfen begleitet. Dass zudem die größtenteils ausländischen Arbeiter auf den WM-Baustellen noch immer massiv "ausgenutzt und ausgebeutet" werden, wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International berichtet hat, stellt die Qualifikation Katars als Gastgeber ebenso infrage.

All das sind für die FIFA jedoch (noch) keine Gründe, um dem Wüstenstaat die Endrunde zu entziehen. Ganz im Gegenteil: Der Weltverband hofft durch die WM auf eine Verbesserung der Situation. "Wenn der Fußball einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, werde ich nicht zögern, meine Hilfe anzubieten", sagte Infantino zuletzt.

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