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Fussball

Argentinien würgt sich ins Finale

Es ist geschafft! Argentinien hat die große Chance, im Land des Erzfeinds Weltmeister zu werden
© getty

Argentinien ist bei der WM 2014 in Brasilien mit Ach und Krach ins Finale eingezogen und trifft am kommenden Sonntag auf die deutsche Nationalmannschaft. Gegen die Niederlande triumphierte die Albiceleste in einem schwachen Spiel mit 4:2 (0:0, 0:0) nach Elfmeterschießen.

Beide Teams boten den 63.267 Zuschauern in der ausverkauften Arena de Sao Paulo ein unansehnliches Fußballspiel, das eines WM-Halbfinals in keinster Weise würdig war und folgerichtig torlos in die Verlängerung ging.

Nachdem auch in der Extra-Zeit keine Treffer fielen und somit das erste Mal in der WM-Geschichte ein Halbfinale torlos endete, musste die Entscheidung im Elfmeterschießen fallen. Argentiniens Keeper Sergio Romero avancierte dort mit zwei gehaltenen Strafstößen zum Held des Abends.

Die Argentinier treffen damit am 13. Juli in Rio im Maracana auf die DFB-Elf, die in einem historischen Spiel Gastgeber Brasilien mit 7:1 aus dem Turnier warf. Für die Niederlande geht's am Tag davor in Brasilia gegen die Selecao um Platz drei.

Vor dem Anpfiff gab es zu Ehren des am Montag an den Folgen eines Herzinfarkts verstorbenen Alfredo di Stefano eine Schweigeminute. Die Argentinier spielten in Gedenken an die in Buenos Aires geborene Real-Legende im Trauerflor.

Reaktionen:

Louis van Gaal (Trainer Niederlande): "Wir haben ein fantastisches Turnier gespielt. Wir haben mehr erreicht als irgendwer gedacht hat. Aber in einem Turnier musst Du ein Tor mehr schießen als der Gegner. Das haben wir nicht getan. Wir haben auch viel weniger Chancen rausgespielt als in den Spielen zuvor. Argentinien hatte auch nicht viele Chance, wenn überhaupt eine. Es war ausgeglichen. Es war ein taktisches Spiel."

Alejandro Sabella (Trainer Argentinien): "Ich empfinde große Freude, es war ein schwieriges Spiel. Wir haben eine geschlossene Mannschaftsleistung geboten. In der Schlussphase hätten wir fast das Siegtor geschossen. Wir haben schon zweimal die WM gewonnen und erwarten den dritten Titel. Wir werden hart arbeiten und 100 Prozent geben, um den Titel zu erringen."

SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Louis van Gaal kann auf van Persie zurückgreifen, der wegen Magen-Problemen lange fraglich war. De Jong - für den die WM nach einem Muskelfaserriss schon beendet schien - steht bei den Niederlanden überraschenderweise ebenso von Beginn an auf dem Feld.

Auch Alejandro Sabella begrüßt mit Rojo einen Rückkehrer. Der linke Außenverteidiger hat seine Gelbsperre abgesessen und steht in der Startelf. Für den verletzten di Maria beginnt Perez. Agüero hat zwar wieder trainiert, sitzt aber nur auf der Bank.

15.: Perez zieht einen gefährlichen Freistoß an der Strafraumkante. Natürlich nimmt sich Kapitän Messi der Sache an, der die Kugel mit Tempo in die Torwart-Ecke jagt. Cillessen ist aber auf dem Posten und hält die Kugel fest.

24.: Lavezzi bringt eine Ecke von links an den Fünfer, wo Garay auf Tauchstation geht und zum Flugkopfball ansetzt. Er köpft die Kugel aus wenigen Metern drüber, während ihn sein Bewacher Vlaar beim Klärungsversuch mit dem Fuß am Kopf trifft.

58.: Darf man das als Chance werten? Lavezzi flankt aus dem rechten Halbfeld mit links an den Fünfer, wo Higuain ins Kopfballduell mit Janmaat geht. Der eingewechselte Verteidiger köpft den Ball im letzten Moment aus der Gefahrenzone.

90.: In der Nachspielzeit plötzlich die riesen Gelegenheit für Robben, der nach einem schnellen Doppelpass mit Sneijder links in den Strafraum geht. Doch der Niederländer legt sich die Kugel ein Stückchen zu weit vor, sodass Mascherano seinen Schussversuch aus extrem spitzem Winkel aus wenigen Metern noch blocken kann!

99.: Robben findet 25 Meter vor dem Tor keine Anspielstation, geht einen Schritt in die Mitte und hält einfach mal drauf. Der Schuss ist zwar scharf, aber zu unplatziert. Romero hat ihn sicher.

115.: Was war das denn? Palacio bekommt den Ball links im Sechzehner herrlich in den Lauf gechippt. Der Angreifer ist plötzlich vollkommen alleine durch, weiß aber selbst nicht, was er mit der Kugel anfangen soll - und entscheidet sich für die schlechteste Variante! Er versucht's per Kopf, doch Cillessen hat mit dem kläglichen Abschluss keine Probleme.

117.: Messi tankt sich rechts bis zur Grundlinie durch und flankt an den zweiten Pfosten. Der eingewechselte Rodriguez ist im Rückraum blank, trifft die Kugel aber volley aus elf Metern aber nicht voll. Cillessen ist wieder da und nimmt den Schuss auf.

Elfmeterschießen:

Romero hält gegen Vlaar

0:1 Messi

1:1 Robben

1:2 Garay

Romero hält gegen Sneijder

1:3 Agüero

2:3 Kuyt

2:4 Rodriguez

Fazit: Ein unwürdiges Halbfinale findet in Argentinien einen Sieger, der im Elfmeterschießen die besseren Nerven zeigte, während der Partie aber genauso enttäuschte wie die Elftal.

Der Star des Spiels: Ezequiel Garay (SPOX-Note 2). Der Gaucho war eine unüberwindbare Mauer und lieferte defensiv ein fast perfektes Spiel ab. Führte sechs Zweikämpfe am Boden, vier in der Luft - und gewann sie alle. Zudem mit einer herausragenden Passquote von über 93 Prozent. Versenkte seinen Elfer gnadenlos. Stark im Shootout: Keeper Romero.

Der Flop des Spiels: Robin van Persie (SPOX-Note 5). Der Angreifer unterbot seine schwache Vorstellung aus dem Spiel gegen Costa Rica noch einmal. Der Stürmer nahm mit 23 Ballkontakten quasi nicht am Spiel der Elftal teil. Als Anspielstation mit einem von 14 gewonnen Zweikämpfen nicht zu gebrauchen und zudem an keinem einzigen Torschuss beteiligt.

Der Schiedsrichter: Cuneyt Cakir (Türkei) leistete sich zwar keinen groben Schnitzer, fand aber keine klare Linie. Pfiff teilweise sehr kleinlich, zeigte sich bei Szenen wie beim Tritt von Demichelis gegen Sneijder (37.), der nicht mit Gelb geahndet wurde, dann wieder zu großzügig. Auch Janmaat hätte man nach seinem Einsteigen gegen Biglia (63) verwarnen können. Higauin stand bei seiner Großchance (75.) nicht im Abseits.

Das fiel auf:

  • Rückkehrer de Jong bekleidete in Hollands Dreier-Mittelfeld die defensivste Position, während Sneijder und Wijnaldum das Spiel gestalten sollten. Dabei gelang es den beiden jedoch nicht, die beiden Stürmer mit ins Spiel einzubinden. Robben und van Persie waren in Hälfte eins ohne Torchance und mit sechs bzw. 14 Ballkontakten kein Faktor im Spiel der Elftal.
  • Doch auch Argentinien tat sich gegen die gut gestaffelte Fünferkette der Niederlande schwer. Schnell zog sich Oranje nach Ballverlusten zurück und ließ die Albiceleste nicht mit Tempo zwischen die Linien gehen.
  • Die Harm- und Ideenlosigkeit im Spielaufbau ging bei den Blauweißen sogar soweit, dass der nominelle Stürmer Lionel Messi schon nach einer guten Viertelstunde oft hinter den Sechsern zu finden war, wo er sich Bälle zum Verteilen holte und selbst Anlauf für Tempoangriffe nahm. Der viermalige Weltfußballer fehlte dann wiederum im Angriff, wo einzig der agile Lavezzi auf der rechten Seite aus dem sehr statischen Spiel heraus stach.
  • Auch wenn beide Teams in Hälfte zwei einen Tick mehr Risiko und Tempo im Angriffsspiel suchten, blieben Chancen lange Mangelware. Sowohl die Elftal, als auch Argentinien fanden nicht in ihren Rhythmus in der Offensive. Auch die Einwechslungen von Agüero und Huntelaar brachten wenig Schwung.

Niederlande - Argentinien: Die Statistik zum Spiel

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