1954: Sepp gegen die Unverwundbaren

Von Uwe Morawe
Montag, 26.05.2014 | 19:14 Uhr
Horst Eckel (r.) im Zweikampf mit Nandor Hidegkuti vor der berühmten Uhr im Wankdorfstadion
© imago
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Am 12. Juni beginnt die WM 2014 in Brasilien. GO!Brasil-Experte Uwe Morawe blickt für SPOX in 19 gewohnt launigen Kolumnen auf die WM-Geschichte zurück. Folge 5, die WM 1954 in der Schweiz: Kleine Bestechungen, rauchende Ungaren, der Kampf gegen die Hämorrhoiden und die nicht ganz Unverwundbaren.

Ist schon ein ganz besonders schöner Flecken Erde, dieses Berner Oberland. Sepp Herberger hatte die A6 in Thun verlassen, den Schlenker über die Spiezerstraße gönnte er sich noch. Herberger würde rechtzeitig zum Mittagessen bei der Mannschaft sein. Er schmunzelte in sich hinein. Schon seltsam, die letzten vier Wochen war er ununterbrochen bei seinen Jungs gewesen. Und jetzt am Tag des Endspiels hatte er sich abgesetzt.

Sein Job als Trainer war seit der Mannschaftsbesprechung gestern Abend getan. Nicht Mittelläufer Liebrich würde Ungarns Hidegkuti decken, sondern Eckel. Karl Mai, der Wachhund aus Fürth, durfte Koscics, der in vier Spielen elf Tore erzielt hatte, nicht eine Sekunde aus den Augen lassen. Die Konzentration im Besprechungsraum war zum Greifen spürbar gewesen. Jeder hatte begriffen, um was es ging.

100 Franken sind doch keine Bestechung

Die sollen auch mal durchatmen, hatte sich Herberger gedacht, als er frühmorgens in Richtung Wankdorf aufgebrochen war. Aus Aberglaube und Akribie. Die Kontakte des Bundestrainers reichten bis in die Katakomben der einzelnen Stadien. Er hatte erfahren, dass in Wankdorf in wichtigen Spielen bisher immer die Mannschaft gewonnen hatte, die sich in der rechten Kabine umgezogen hatte. Details, um die sich die FIFA zum Glück noch nicht kümmerte. Herberger hatte sich den Zeugwart geschnappt und persönlich überwacht, wie der die Zettel mit "Deutschland" und "Ungarn" an die richtigen Kabinentüren anbrachte. 100 Franken sind doch keine Bestechung, das ist doch lediglich eine kleine Aufmerksamkeit...

Und dann weiter zur Wetterstation. Die heutigen Aussichten wollte er auf Papier gedruckt haben. Ab 14 Uhr einsetzender Dauerregen. Das war für den Fritz, den Übersensiblen. In jungen Jahren hatte sein Kapitän nie Probleme gehabt, bei heißen Temperaturen zu spielen. Mittlerweile war das Fritz-Walter-Wetter so sprichwörtlich, dass die meisten Leute gar nicht mehr wussten, dass es damit eine ernste Bewandtnis auf sich hatte. Malaria als Soldat im 2.Weltkrieg. Malaria bekommst du ein Leben lang nicht mehr raus aus deinem Körper - und ab 25 Grad lässt die Leistungsfähigkeit rapide ab. Deswegen spielte der Fritz am liebsten im Regen.

Mit dem Fritz, dem ewig Zweifelnden fing vor vier Wochen das Abenteuer WM an. Mit wem auch sonst? Seit der Bundestrainer den damals 18jährigen spindeldürr in Kaiserslautern spielen sah, empfand er für Fritz Walter Gefühle wie für einen Sohn, den er selbst niemals hatte. Die Selbstzweifel und Versagensängste hatte er ihm aber nicht nehmen können. Zum Beispiel dieser Anruf direkt vor dem Trainingslager der Nationalmannschaft. Chef, hatte Fritz Walter drucksend begonnen, ich muss die WM schweren Herzens absagen? Ajo, warum desch amol?, hatte Herberger verdutzt gefragt.

Kampf den Hämorrhoiden

Die Hämorrhoiden waren es. Fritz Walter hatte sich mit Schmerzen im Gesäß durch die Endrunde der Deutschen Meisterschaft geschleppt und im Finale gegen Hannover 96 beim 1:5 kein Bein auf den Boden bekommen. Da kommen´sch erscht amol nach Grünwald. Während die andere trainiere, machma Ihne, Fritz!, schön frisch Kamille-Umschläg.

Die getrockneten Blütenstände der Matricariae flos hatten Wunder bewirkt. Körperlich war Fritz Walter zu WM-Beginn in Topform. Und auch seine Psyche wurde durch den robusten Zimmerkollegen Helmut Rahn immer stabiler. Dem Helmut waren Selbstzweifel unbekannt.

Seite 1: Eine kleine Bestechung und der Kampf gegen die Hämorrhoiden

Seite 2: Rauchende Ungarn und die verwundbaren Unverwundbaren

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