Mittwoch, 05.03.2014

Rafinha vor Comeback in der Selecao

Ein Sauhund für Felipao

Im Testspiel der brasilianischen Nationalmannschaft in Südafrika wird Rafinha sein Comeback in der Selecao geben. Die Teilnahme an der Heim-WM ist greifbar. Kein Spieler hat so sehr vom Trainerwechsel beim FC Bayern profitiert.

Rafinha nahm mit Brasilien an Olympia 2008 teil und scheiterte im Halbfinale an Messi und Argentinien
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Rafinha nahm mit Brasilien an Olympia 2008 teil und scheiterte im Halbfinale an Messi und Argentinien

Die FIFA hat sich für den Countdown zur WM in Brasilien einiges ausgedacht. Unter anderem ein Freundschaftsspiel zwischen dem WM-Gastgeber 2010 und dem Ausrichter 2014. Also treffen 99 Tage vor dem Eröffnungsspiel in Sao Paulo Südafrika und Brasilien aufeinander.

Kein großes Ding für die Brasilianer, sie sind es gewohnt, ihre Testspiele überall auf dem Globus auszutragen. Schließlich hat der Verband die Testspiele der Selecao für gutes Geld vermarktet. In Brasilien tritt die Mannschaft nur noch selten zu Freundschaftsspielen an.

Rafinha hat auf Nominierung gewartet

Für einen ist die Reise nach Johannesburg aber eine ganz besondere Begegnung. Rafinha steht vor seinem Comeback in der brasilianischen Nationalmannschaft. Der Rechtsverteidiger des FC Bayern hat bisher gerade mal ein Länderspiel absolviert. Am 26. März 2008 wurde er beim 1:0-Sieg gegen Schweden in der 73. Minute für Dani Alves eingewechselt.

Mit der U 23 nahm er zum Unmut seines damaligen Vereins Schalke 04 2008 an Olympia in Peking teil und gewann Bronze, die Tür zur A-Nationalmannschaft blieb für ihn aber wie für viele Brasilianer in Deutschland verschlossen.

Erst der Wechsel zum FC Bayern brachte ihn nach einem Jahr Zwischenstopp beim FC Genua wieder in die Nähe der Selecao. "Wenn du bei Bayern spielst, ist die Hoffnung immer da. Ich würde lügen, wenn ich sage, ich hätte nicht darauf gewartet", sagt Rafinha.

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Lahms Backup: Ein undankbarer Job

Noch vor ein paar Monaten hätte er wahrscheinlich lange warten können auf eine Einladung von Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari. Rafinha war nicht mehr als ein Ergänzungsspieler in der Triple-Saison der Bayern. Als Backup für Philipp Lahm, der aber so gut wie nie verletzt ist und auch nur selten geschont wurde, hatte er einen undankbaren Job.

"Die Mannschaft hat sehr gut funktioniert und am Ende haben wir alles gewonnen. Da war es doch völlig legitim, dass der eine mehr und der andere eben weniger gespielt hat", sagt Rafinha.

Im Champions-League-Finale in London gegen Borussia Dortmund stand Rafinha erst gar nicht im Kader. Der Brasilianer schien als verzichtbar, ein vorzeitiger Abschied aus München stand im Raum.

Der große Gewinner unter Guardiola

Mit der Ankunft von Pep Guardiola beim FC Bayern veränderte sich die Situation schlagartig. Lahm rückte ins Mittelfeld und Rafinha bekam die vakante Stelle rechts hinten anvertraut. "Er hat mir wieder Selbstvertrauen geschenkt und ließ mich wieder spielen, erarbeiten musste ich mir das aber schon selber auf dem Platz", sagt Rafinha. Er ernte jetzt die Früchte seiner harten Arbeit als Reservist.

Schon jetzt hat der 28-Jährige fast vier Mal so viele Spielminuten auf dem Konto wie in der kompletten letzten Saison. Wie fast jedem seiner Profis verpasste Guardiola auch Rafinha das Prädikat "super, super Spieler. Er hat große Erfahrung. Er ist intelligent, hat wenige Ballverluste. Ich mag intelligente Spieler."

Dass er beim bisher wichtigsten Spiel der Saison beim FC Arsenal zunächst wieder Lahm weichen musste und auf der Bank saß, mag ein Fingerzeig gewesen sein, dass Rafinha in großen Spielen gegen offensivstarke Gegner das erste Opfer der vielen Variationsmöglichkeiten im Mittelfeld sein könnte. Allzu große Sorgenfalten sieht man bei Rafinha aber nicht, in der Bundesliga hat er seit dem 14. Spieltag jedes Spiel über 90 Minuten auf dem Platz gestanden.

Einsatz gegen Südafrika garantiert

Regelmäßige Einsätze sind wichtig für Rafinha. Scolari hat seinen Spielern vor der Saison mitgeteilt, dass er nur Spieler für den WM-Kader berücksichtigen werde, die in ihren Mannschaften auch Stammspieler sind und voll im Rhythmus stehen. Luiz Gustavo hat deshalb seinen Wechsel nach Wolfsburg forciert.

Scolari ist ein Hardliner, für General Felipao zählt im Heimatland nur der Titel, alles andere wäre eine Enttäuschung. Diesem Ziel ordnet er alles unter. Der Großteil seines Kaders steht, er wird sich aus den Akteuren zusammensetzen, die auch den Confed Cup gewannen und ihm treue Dienste erwiesen.

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Nur eine Handvoll Positionen sind noch frei, so auch der Posten des zweiten Rechtsverteidigers, als Ersatz für den gesetzten Dani Alves vom FC Barcelona. Rafinha wird gegen Südafrika zum Einsatz kommen, das hat ihm Scolari versprochen. "Wie lange, weiß ich nicht. Eine Minute, fünf oder 90. Ich muss mich einfach gut präsentieren, in der kurzen Zeit alles bestmöglich machen", sagt Rafinha.

Der richtige Zeitpunkt

Im Moment spricht vieles für den Mann aus Londrina. Er spielt bei der vielleicht besten Mannschaft der Welt, kommt regelmäßig zum Einsatz und bringt Leistung. Außerdem ist Rafinha mit allen Wassern gewaschen, er kann auch ein "Sauhund" sein, wie ihn Jupp Heynckes bei seiner Verpflichtung anpries.

Scolari mag diese Spielertypen, die nicht nur dem jogo bonito, dem schönen Spiel, verfallen sind, vor allem in der Defensive. Rafinha weiß, dass die Chancen auf eine Teilnahme an der Heim-WM günstig stehen. "Es ist der letzte Lehrgang vor der Endrunde, die Chance war immer da, nun kommt die Einladung zu einem sehr guten Zeitpunkt."

Brasiliens Kader für das Spiel gegen Südafrika

Andreas Lehner

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Andreas Lehner(Ressortleiter Fußball)

Andreas Lehner, Jahrgang 1984, ist als Head of Football verantwortlich für Inhalte und Abläufe im Fußball-Ressort. Der gebürtige Niederbayer kam 2007 nach dem Abschluss seines Studiums der Medien- und Kommunikationswissenschaften zu SPOX. Verantwortete zwei Jahre lang ran.de und berichtet u.a. vom FC Bayern und der Nationalmannschaft. War auch bei der WM 2014 als Reporter in Brasilien im Einsatz.

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