Montag, 02.12.2013

Vor der WM-Auslosung

Löw gelassen, Klinsmann zittert

Der Weltverband FIFA legt am Dienstag die Lostöpfe für die anstehende WM-Auslosung fest. Auch wenn Deutschland eine schwere Gruppe droht, fliegt Bundestrainer Joachim Löw gelassen nach Brasilien, Jürgen Klinsmann fürchtet eine Hammer-Gruppe.

Joachim Löw und Jürgen Klinsmann könnten bei der WM 2014 aufeinandertreffen
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Joachim Löw und Jürgen Klinsmann könnten bei der WM 2014 aufeinandertreffen

Wenn der Weltverband FIFA am Dienstag die Einteilung der Lostöpfe bekannt gibt, ist Kritik programmiert. Auch der deutschen Fußball-Nationalmannschaft droht auf dem Weg zum heiß ersehnten vierten WM-Titel bei der Auslosung, die am Freitag (17 Uhr) im Badeort Costa do Sauípe stattfindet, eine schwere Vorrunden-Gruppe - dennoch fliegt Bundestrainer Joachim Löw gelassen nach Brasilien.

"Wir nehmen es wie es kommt. Wir haben keine Wunschgegner. Wenn Deutschland in ein Turnier geht, will man immer den maximalen Erfolg", sagte der 53-Jährige vor dem Abflug am Dienstagabend von München über Sao Paulo nach Salvador di Bahia an der Atlantikküste.

Im ersten Topf gesetzt

Neben Gastgeber Brasilien sind für die Endrunde 2014 (12. Juni bis 13. Juli) Weltmeister Spanien, Deutschland, Argentinien, Kolumbien, Belgien, Uruguay und die Schweiz auf den Plätzen eins bis sieben der FIFA-Weltrangliste vom Oktober gesetzt. In den weiteren drei Töpfen befinden sich jeweils acht Teams. Dabei will die FIFA neben sportlichen auch regionale Kriterien heranziehen.

Alle Bundestrainer seit 1932: Von Nerz bis Löw
Nachfolger des ersten Bundestrainers Otto Nerz (1926-1936) war Sepp Herberger (1936-1942). Er übernahm die Mannschaft nach dem Ausscheiden bei der Olympiade 1936 und musste zur Weltmeisterschaft ein Team aus Österreichern und Deutschen zusammenstellen
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Nachfolger des ersten Bundestrainers Otto Nerz (1926-1936) war Sepp Herberger (1936-1942). Er übernahm die Mannschaft nach dem Ausscheiden bei der Olympiade 1936 und musste zur Weltmeisterschaft ein Team aus Österreichern und Deutschen zusammenstellen
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Er kehrte nach der Kriegspause zurück zur Fußballmannschaft der BRD (1950–1964) und gewann 1954 beim berühmten Wunder von Bern die Weltmeisterschaft in der Schweiz
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Er kehrte nach der Kriegspause zurück zur Fußballmannschaft der BRD (1950–1964) und gewann 1954 beim berühmten Wunder von Bern die Weltmeisterschaft in der Schweiz
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Helmut Schön (1964–1978) wurde Nachfolger von Herberger, nachdem dieser zurückgetreten war. Unter dem neuen Trainer blühte Deutschland regelrecht auf, es waren die erfolgreichsten Jahre des DFB. Höhepunkt war der Weltmeistertitel 1974 im eigenen Land
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Helmut Schön (1964–1978) wurde Nachfolger von Herberger, nachdem dieser zurückgetreten war. Unter dem neuen Trainer blühte Deutschland regelrecht auf, es waren die erfolgreichsten Jahre des DFB. Höhepunkt war der Weltmeistertitel 1974 im eigenen Land
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Jupp Derwall (1978–1984) war zuvor Assistenztrainer der A-Nationalmannschaft, bekam jedoch 1978 das Amt als Chefcoach des DFB und setzte die Arbeit seines Vorgängers mit dem Gewinn der EM 1980 nahtlos fort
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Jupp Derwall (1978–1984) war zuvor Assistenztrainer der A-Nationalmannschaft, bekam jedoch 1978 das Amt als Chefcoach des DFB und setzte die Arbeit seines Vorgängers mit dem Gewinn der EM 1980 nahtlos fort
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Franz Beckenbauer (1984–1990) begann seine Karriere aufgrund der fehlenden Trainerlizenz als Teamchef. Dennoch führte der Kaiser die Mannschaft 1990 zum Weltmeistertitel in Italien
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Franz Beckenbauer (1984–1990) begann seine Karriere aufgrund der fehlenden Trainerlizenz als Teamchef. Dennoch führte der Kaiser die Mannschaft 1990 zum Weltmeistertitel in Italien
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Berti Vogts (1990–1998) beerbte Beckenbauer nach der WM 1990 und errang 1996 den Europameister-Titel
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Berti Vogts (1990–1998) beerbte Beckenbauer nach der WM 1990 und errang 1996 den Europameister-Titel
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Erich Ribbeck (1998–2000) hielt sich nur kurz als Bundestrainer. Nach dem katastrophalen Vorrunden-Aus in Belgien 2000 musste er bereits nach zwei Jahren seinen Platz räumen und bleibt der Trainer mit den wenigsten Pflichtspielen
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Erich Ribbeck (1998–2000) hielt sich nur kurz als Bundestrainer. Nach dem katastrophalen Vorrunden-Aus in Belgien 2000 musste er bereits nach zwei Jahren seinen Platz räumen und bleibt der Trainer mit den wenigsten Pflichtspielen
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Rudi Völler (2000–2004) übernahm die Mannschaft von Ribbeck und sollte sie zurück in die Spur führen. Er erreichte überraschend das Finale der WM 2002, wo der DFB an Brasilien scheiterte. Nach der EM 2004 trat er allerdings zurück
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Rudi Völler (2000–2004) übernahm die Mannschaft von Ribbeck und sollte sie zurück in die Spur führen. Er erreichte überraschend das Finale der WM 2002, wo der DFB an Brasilien scheiterte. Nach der EM 2004 trat er allerdings zurück
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Jürgen Klinsmann (2004–2006) war der Macher des Sommermärchens 2006, bei dem die Deutschen bei der WM im eigenen Land bis ins Halbfinale durchmarschierten, dort allerdings am späteren Weltmeister Italien scheiterten
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Jürgen Klinsmann (2004–2006) war der Macher des Sommermärchens 2006, bei dem die Deutschen bei der WM im eigenen Land bis ins Halbfinale durchmarschierten, dort allerdings am späteren Weltmeister Italien scheiterten
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Joachim Löw (seit 2006) begann nach der WM im eigenen Land mit einem langsamen, aber stetigen Umbruch der deutschen Mannschaft, der 2014 mit dem Weltmeistertitel seinen Höhepunkt fand
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Joachim Löw (seit 2006) begann nach der WM im eigenen Land mit einem langsamen, aber stetigen Umbruch der deutschen Mannschaft, der 2014 mit dem Weltmeistertitel seinen Höhepunkt fand
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US-Nationaltrainer Jürgen Klinsmann, mit seinem Team auch ein möglicher Kontrahent der Deutschen und möglicherweise nur in Topf vier, hatte sich über den neuen Modus zuletzt schon heftig beschwert: "Das ist unausgewogen und wird jede Menge Fragezeichen und viele Diskussionen hervorrufen." Wenn man den ersten Lostopf betrachten würde, "dann denkt man ein bisschen darüber nach, ob das der richtige Weg ist." Es werde "einige Killergruppen geben".

Der dreimalige Weltmeister Deutschland könnte etwa schon in der Vorrunde auf Erzrivale Niederlande, Angstgegner Italien, Ex-Weltmeister Frankreich, Portugal oder auch England treffen. Zudem könnte es Duelle gegen Mexiko, die Elfenbeinküste, Japan oder Ghana geben.

Maximal zwei Europäer in einer Gruppe

Andererseits sind aber auch vermeintlich leichtere Gruppenspiele gegen den Iran, Australien, Hondorus, Costa Rica (alle Topf vier), Ecuador, Algerien (Topf drei), Griechenland oder Bosnien-Herzegowina (Topf zwei) möglich. Sicher ist nur, dass lediglich zwei Teams aus Europa in einer Gruppe spielen dürfen.

Doch egal wie es am Freitag bei der 90-minütigen Mega-Show im noblen "Resort Coasta do Sauípe" für das DFB-Team kommen wird - Löw und seinen Stars ist es offenbar weitgehend egal. "Wenn wir gewinnen wollen, dann müssen wir eh jeden schlagen", meinte Nationalspieler Toni Kroos. Schon bei der EURO 2012 habe Deutschland eine Gruppe mit Portugal, den Niederlanden und Dänemark meistern müssen, "die nicht viel stärker sein konnte. Wir haben die Situation aber gut angenommen", ergänzte der Bundestrainer.

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Eine gewisse Nervosität kann aber auch Löw nicht verleugnen. "Ich fahre mit großer Spannung dahin, mit großer Neugier. Das ist der Moment, wo es so richtig losgeht. Dann nimmt das eine wahre Gestalt an, dann wird das alles konkreter", sagte er unlängst. Auch Nationalkeeper Manuel Neuer blickt "gespannt auf die Auslosung, denn dann wissen wir, wo das Quartier ist, wo wir spielen. Ob es dort kalt oder warm ist. Es interessiert mich schon."

WM-Quartier noch nicht gefunden

Löw und Präsident Wolfgang Niersbach führen eine Delegation des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) an, der zudem noch DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock, Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff und Assistenztrainer Hansi Flick angehören. Für die DFB-Reisegruppe wird der Brasilien-Aufenthalt jeodch am Freitag mit der Auslosung noch nicht beendet sein. Löw will endlich auch die seit Monaten andauernde Suche nach einem geeigneten WM-Quartier abschließen.

Zur Auswahl stehen nach mehreren Vorbesichtigungen - Bierhoff und Co. waren insgesamt 26.000 Kilometer gereist und hatten acht Quartiere unter die Lupe genommen - noch eine Hotelanlage in Salvador und eine Unterkunft in Sao Paolo. Die Entscheidung hängt nun davon ab, in welche Gruppe Deutschland gelost wird. Danach soll auch der Vorbereitungsplan für die WM in Brasilien, wo laut Löw "die Uhren anders ticken als in Europa", konkretisiert werden.

Die voraussichtlichen Lostöpfe für die Auslosung im Überblick:

Topf 1: Brasilien, Spanien, Deutschland, Argentinien, Kolumbien, Belgien, Schweiz, Uruguay

Die Töpfe 2 bis 4 könnten wie folgt aussehen:

Topf 2: Niederlande, Italien, England, Portugal, Griechenland, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Russland

Topf 3: Frankreich, Chile, Ecuador, Algerien, Elfenbeinküste, Ghana, Kamerun, Nigeria

Topf 4: Australien, Iran, Japan, Südkorea, Costa Rica, Honduras, Mexiko, USA

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