Druck? Angst? Wir sind Spanien!

Von SPOX
Montag, 25.03.2013 | 14:29 Uhr
Spanien musste sich gegen Finnland mit einem 1:1 begnügen
© getty
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Spanien muss gegen Frankreich punkten, sonst drohen ernsthafte Probleme auf dem Weg nach Brasilien. Doch die Seleccion tut so, als sei alles in bester Ordnung und außerdem kehrt das "virtuose Dreieck" zurück. Ein elementares Detail im spanischen Spiel funktioniert allerdings überhaupt nicht.

Spanien und seine Quali-Spiele für Großereignisse - diese Kombination war in den letzten Jahren von einer extremen Einseitigkeit geprägt. 18 Mal wurde La Roja auf dem Weg zur WM 2010 und der EM 2012 "gefordert" - 18 Mal gab es für die Gegner nichts außer Haue und jede Menge Gegentore.

Auf dem Weg zum Turnier in Brasilien im nächsten Jahr gestaltet sich die Situation ein wenig schwieriger. Bereits zwei Mal ließ der amtierende Welt- und Europameister bei Heimspielen Punkte liegen. Gegen Frankreich konnte man das noch verschmerzen, nach dem 1:1 gegen Finnland letzten Freitag hat Spanien dagegen ein echtes Problem.

Der Sieg in der Gruppe I und damit die Direkt-Qualifikation für Brasilien ist für die Mannschaft von Welt-Trainer Vicente del Bosque aus eigener Kraft nur noch möglich, wenn am Dienstag Frankreich in Paris besiegt wird (21 Uhr im LIVE-TICKER).

Der Stand in der Europa-Quali-Gruppe I

Im Fall einer Niederlage, der ersten für Spanien in einem Quali-Spiel seit dem 0:2 in Schweden im Oktober 2006, stünde Frankreich praktisch als Gruppensieger fest.

Kein Gedanke an eine Pleite

Mit einer möglichen Pleite, Versagensängsten oder ähnlichem beschäftigt sich im Kreis der Seleccion aber niemand.

"Wir sind seit über sechs Jahren in der WM- und EM-Qualifikation ungeschlagen. Warum sollten wir uns mit einer Niederlage beschäftigen? Wir haben immer noch alles selbst in der Hand. Es gibt keinen Grund, an unserer Mannschaft zu zweifeln", sagte Mittelfeldspieler Santi Cazorla.

Ein elementares Detail im spanischen Spiel lässt Zweifel allerdings zu. Bei der Anzahl der Torschüsse liegt Spanien nur an 17. Stelle der 53 Teams der Europa-Quali, obwohl die Ballbesitzzeiten wie eh und je exorbitant hoch sind.

"Wenn man Tore erzielen will, muss man auch hin und wieder schießen", meinte "Marca" zynisch. Der den Gegner so ermüdende Stil der Spanier, der ihnen drei große Titel in Folge einbrachte, wird mittlerweile zum Anlass genommen, das ganze System infrage zu stellen. Die fehlende Zielstrebigkeit ist das größte Manko in der laufenden Qualifikation.

"Wir erzeugen vor dem Tor nicht den nötigen Druck", hatte selbst del Bosque nach dem Finnland-Spiel zugegeben. In Paris soll dafür die Rückkehr des "virtuosen Dreiecks" (Marca) sorgen. Xabi Alonso und Xavi sind wieder einsatzbereit und werden mit Sergio Busquets das zentrale Mittelfeld bilden. David Silva fehlt gelbgesperrt, für den verletzten Jordi Alba wird wohl Nacho Monreal spielen.

Der gegen Finnland indisponierte Alvaro Arbeloa bekommt dagegen eine neue Chance. "Alvaro hat schon oft gegen Franck Ribery gespielt und das meistens sehr gut. Er wird sicher spielen", kündigte del Bosque an.

Casillas unterstützt die Seleccion

Der Trainer ist generell nach wie vor von der Qualität seiner Spieler überzeugt. "Wir haben uns durch einen Fehler gegen Finnland in diese Situation gebracht. Aber wir haben alle Möglichkeiten, in Frankreich zu gewinnen und haben vollstes Vertrauen in unsere Fähigkeiten", sagte del Bosque am Montag.

Spanien werde definitiv auf Sieg spielen. "Wir sind zwei Punkte hinten dran und können wieder vor Frankreich rücken. Wir können auch nicht anders als offensiv spielen. Und wenn man sich zurückzieht und mit einem Schutzschild spielt, kann man sowieso gegen keine Mannschaft der Welt gewinnen", sagte Sergio Ramos.

Ramos versicherte zudem, dass die Probleme in der Quali keinerlei negative Auswirkungen auf die Stimmung innerhalb der Mannschaft hätten. "Spanien hätte nicht drei Titel in Folge gewonnen, wenn wir nur gute Fußballer hätten, uns aber sonst nicht verstehen würden. Wir rücken jetzt noch enger zusammen. Es ist unsere Mentalität, gerade in schwierigen Phasen zusammenzuhalten."

Zwei Veteranen lieferten dafür einen Beweis. Auf Initiative von Barca-Star Xavi wird der noch verletzte Stammtorhüter Iker Casillas die Mannschaft in Paris unterstützen. "Iker ist unser Kapitän und es bedeutet uns viel, dass er kommt", sagte Stürmer Pedro.

Festvial gegen Malta

Es scheint also alles in bester Ordnung zu sein beim Weltmeister. Niemand bei der Seleccion hat auch nur die geringsten Zweifel, dass auf dem Weg nach Brasilien irgendetwas ernsthaft schief laufen könnte.

Im Notfall hilft immer auch ein Blick in die Geschichtsbücher. Spanien stand schon mehrfach vor der Aus in einer Quali und war dennoch fast immer bei den Turnieren dabei. Ein Spiel im Dezember 1983 hat diesbezüglich einen besonderen Platz in der Historie.

Im letzten Spiel gegen Malta musste Spanien mit elf Toren Differenz gewinnen, um doch noch das Ticket für die Endrunde in Frankreich zu lösen. Nach dem Halbzeitstand von 3:1 drehten Santillana und Co. auf, schossen zwischen der 63. und 66. Minute vier Tore und gewann mit 12:1.

Aufgrund der mehr erzielten Tore fuhr Spanien nach Frankreich, die Niederlande, die drei Tage zuvor "nur" 8:0 gegen Malta gewonnen hatte, musste zuhause bleiben.

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