Fussball

Portos neue Waffe: "Action Jackson" Martinez

Von SPOX
Jackson Martinez ist beim FC Porto Nachfolger von Hulk
© Getty

Das nächste Kind der portugiesischen Revolution: Jackson Martinez hat beim FC Porto famos eingeschlagen und sich nahtlos eingereiht in die Riege illustrer Stars wie Hulk, Falcao oder Lisandro Lopez. Dabei ist der europäische Spitzenfußball für den 26-jährigen Kolumbianer quasi noch Neuland.

Der FC Porto ist sehr oft mittendrin, aber doch nie so richtig dabei. Die Football Money League definiert die 30 umsatzstärksten Klubs des Kontinents, von Real Madrid bis zum FC Sunderland reichte die Liste 2012.

Den FC Porto sucht man in der Deloitte-Auflistung vergeblich. Dabei sind die Portugiesen Stammkraft in der Champions League, haben es dort wieder einmal in die K.o.-Runde geschafft.

Die portugiesische Liga generiert keine Fernsehgelder im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Aus Werbung und Hospitality kommen auch keine großen Summen zusammen. Also hat sich der FC Porto schon vor mehr als zwei Jahrzehnten zu einem alternativen Geschäftsmodell entschlossen, das den Power-Shoppern des Kontinents auf eindrucksvolle Weise Jahr für Jahr den Spiegel vors Gesicht hält.

Die Vorgehensweise lässt sich mit "tief kaufen, hoch verkaufen" wohl am einfachsten beschreiben. Seit dem Gewinn der Champions League vor neun Jahren hat Porto einen Transferüberschuss von fast 300 Millionen Euro erzielt. Kein anderer Klub in Europa kann auch nur annähernd eine derart beeindruckende Bilanz vorweisen.

Dass darunter die Wettbewerbsfähigkeit kaum leidet, zeigen acht Meisterschaften, fünf nationale Pokalsiegen, sowie auf internationaler Ebene neben der Champions League noch zwei weitere Titel im UEFA-Cup. Und das alles nur im letzten Jahrzehnt. Wenn sich die Besten der Besten Europas auf dem Feld messen, dann ist Porto eben doch sehr oft mit dabei.

In Mexiko entdeckt

Und dass der Strom an überdurchschnittlich begabten Spielern in Porto nicht abreißt, zeigt nun das Beispiel Jackson Martinez. Als der FC Porto wieder einmal drauf und dran war, einen seiner Stars zu verlieren, ging man wie gewohnt in Vorleistung.

In Südamerika gab es da einen nicht mehr ganz so jungen Spieler. Der war zwar bereits kolumbianischer Torschützenkönig, Meister und Spieler des Jahres. Aber Jackson Arley Martinez Valencia kickte doch irgendwie unter dem Radar der meisten finanzkräftigen europäischen Klubs.

Bei Jaguares de Chiapas in der mexikanischen Liga schauen nicht viele Scouts vorbei. Und wenn dann doch einige da gewesen waren, mussten sie den schlaksigen Angreifer wohl übersehen haben.

Starke Torquoten in Südamerika

Bei Jaguares schoss Martinez in 64 Spielen 33 Treffer. Davor bei Independiente Medellin, wo er seine Profikarriere begann, waren es immerhin 65 Tore in 84 Spielen. Keine so schlechten Zahlen, auch wenn die Ligen in Kolumbien und Mexiko sicherlich nicht zu den stärksten der Welt zählen.

Oder aber die Späher und Beobachter waren schon zu spät dran. Denn in Südamerika genießt der FC Porto als Anlaufstation für den Sprung nach Europa allerhöchstes Ansehen. Als die Portugiesen ihren Star Hulk an Zenit St. Petersburg verlieren sollten, war Martinez längst an der Angel.

Transferplus von über 40 Millionen

Auf dem russischen Scheck stand eine Fünf mit sieben Nullen dahinter. Die Portugiesen überwiesen im Sommer 2012 knapp neun Millionen nach Mexiko. So verrechnet man auf Porto-Art.

Martinez' erster Einsatz wurde gleich zum Erfolg und Wegweiser für das, was da bis jetzt noch kommen sollte. Im portugiesischen Supercup schoss er Porto in der Nachspielzeit zum 1:0-Sieg über Academica Coimbra.

Es war das erste von mittlerweile 23 Toren in 25 Pflichtspielen, darunter drei in sechs Partien in der Champions League. Keiner seiner berühmten Vorgänger hatte zum selben Zeitpunkt eine ähnlich starke Quote.

Übrzeugendes Gesamtpaket

Martinez vereint in seiner Spielweise viele Stile zu einem ausgewogenen Gesamtpaket. 75 Kilo Körpermasse verteilen sich auf 1,84 Meter Größe. Martinez ist muskulös, aber trotzdem überaus beweglich. In der Luft ist er eine Wucht, am Boden technisch fein und beidfüßig.

Besonders auffällig ist die Explosivität seiner Bewegungen gepaart mit hoher Ballkontrolle im Tempo. Spektakuläre Treffer per Fallrückzieher oder mit der Hacke hat er einige erzielt in seiner noch kurzen Zeit in Porto.

Rabah Madjer war in den 80er Jahren so etwas wie der erste seiner Art. Der Algerier war der Prototyp eines schlauen Transfers für den FC Porto, den die Portugiesen in den Untiefen der zweiten französischen Liga beim FC Tours fanden. Nicht erst Madjers Hackentor zum damaligen Sieg im Landesmeistercup-Finale gegen die Bayern amortisierte die in ihn getätigten Investitionen.

"Wir hatten in den letzten Jahren sehr viele überragende Spieler in Porto und alle hat der Klub im Laufe der Zeit verloren. Jackson führt jetzt nur die Tradition logisch fort. Ich sehe in ihm vieles von dem vereint, was seine Vorgänger so unvergleichbar gemacht hat", sagt Madjer über den Kolumbianer.

Mit Kolumbien auf WM-Kurs

Seit Mario Jardel produziert Porto im Zwei-Jahres-Takt Spitzenstürmer für den europäischen Markt. Dem Brasilianer folgten der Argentinier Lisandro Lopez und Hulk, sowie Martinez' Landsmann Radamel Falcao.

Zusammen mischen die beiden nach schwachem Start mit ihrem Heimatland die Südamerika-Qualifikationsgruppe auf. Kolumbien liegt da mit einem Spiel weniger auf Rang drei, unter anderem vor den deutlich stärker eingeschätzten Teams aus Chile und Uruguay.

Zwar ist Martinez' Quote dort eher bescheiden (vier Tore in 13 Spielen) und keins der drei Quali-Spiele, in denen er eingesetzt wurde, konnte Kolumbien gewinnen. Und trotzdem drängt der 26-Jährige seit seinem Engagement in Porto vehement in die Startelf von Trainer Jose Pekerman.

Nachdem Kolumbien die letzten drei Weltmeisterschaften verpasst hat, stehen die Chancen auf eine Qualifikation - auch dank des Fehlens von Gastgeber Brasilien in der Gruppe - so gut wie nie.

Großes Interesse aus England

In Porto feiern ihn die Fans als "das Biest". In Erinnerung an seinen Vorgänger Hulk keine zu schlechte Eloge. Für Portugals größte Sporttageszeitung "A Bola" ist Martinez seit seinem phänomenalen Hackentor gegen Sporting "Action Jackson", in Anlehnung an einen gleichnamigen Hollywood-Streifen aus den 80er Jahren.

In der Winterpause standen besonders englische Klubs Schlange beim FC Porto. Als klar wurde, dass Falcao von Atletico Madrid keine Freigabe erhalten würde, richtete sich das Interesse vom FC Chelsea und des FC Liverpool gen Porto.

Mit dem Verweis auf ein gültiges Arbeitspapier bis 2016 mit seinem neuen Angriffssternchen lehnte Porto dankend ab. Wohl wissend, dass sich dessen Marktwert in absehbarer Zeit wohl noch erhöhen wird.

Und so lange der FC Porto weiter Spieler der Kategorie Jackson Martinez findet und sie in Eigenregie veredelt, ringt den Portugiesen das Financial Fairplay der UEFA lediglich ein müdes Lächeln ab.

Das ist Jackson Martinez

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