Leiden mit Leidenschaft

SID
Donnerstag, 11.10.2012 | 13:29 Uhr
Die irischen Fans sind bekannt dafür, egal bei welchem Spielstand gute Stimmung zu machen
© Getty
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Ein schnelles Tor und Dominanz auf dem Spielfeld - damit schaffen es Auswärtsteams häufig, die Fans der Gastgeber ruhig zu stellen. Doch das wird der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Freitag beim WM-Qualifikationsspiel gegen Irland in Dublin nicht gelingen.

Die irischen Fans sind bekannt für ihren leidenschaftlichen Gesang, gerade auch wenn ihre Mannschaft leidet. Beim 0:4-Debakel gegen Spanien bei der Europameisterschaft im Sommer sangen die Iren im Stadion in Danzig minutenlang "The Fields of Athenry" und ließen sich vom EM-Aus ihres Teams ihren Stolz nicht nehmen.

Auch beim 0:2 im letzten für Irland bedeutungslosen EM-Spiel gegen Italien zeigten die Anhänger der Grünen Emotionen, zugleich aber auch Fairness. Bereits vor Spielbeginn klatschten sie beim Abspielen der italienischen Nationalhymne mit. "Das ist ein fantastisches Publikum", lobte Italiens Trainer Cesare Prandelli. Eine Sprecherin des italienischen Fußballverbands FIGC erklärte gar offiziell: "Ich danke allen Fans, die vor dem Spiel bei unserer Hymne mitgeklatscht haben."

Sonderpreis als "Beste Fans der Euro 2012" von der UEFA

Dem europäischen Fußballverband UEFA war das Verhalten der "Green Army" genannten Zuschauer gar einen Preis wert. Das Exekutivkomitee der UEFA ehrte sie mit einem Sonderpreis als "Beste Fans der Euro 2012". "Jeder war von den Fans der irischen Nationalmannschaft, die nach Polen kamen, beeindruckt, die mit ihrem Verhalten die sportlichen Ergebnisse weniger schlimm erscheinen ließen", erklärte UEFA-Genralsekretär Gianni Infantino. Irland war als schlechtester Teilnehmer bei der EM ausgeschieden.

Es scheint fast so, als gefielen sich die Iren, an ihr Leid zu erinnern. Das Lied "The Fields of Athenry" geht auf die große irische Hungersnot von 1846 bis 1849 zurück. Eine Kartoffelfäule führte zu wiederholten Missernten bei Kartoffeln als wichtigstem Nahrungsmittel. Eine Millionen Iren starben, zwei Millionen Menschen wanderten aus, die meisten nach Amerika. "The Fields of Athenry" schildert das Leiden einer allein zurückgebliebenen Frau mit Kindern, deren Mann in der Hungersnot Getreide gestohlen hatte und der deshalb nach Australien verbannt wurde.

Iren sehen sich häufig als Opfer

Die Iren sehen sich im Rückblick als kleines Land und häufig als Opfer. Jahrhundertelang gehörte die Insel zu Großbritannien, das Land besaßen Engländer, erst nach dem Ersten Weltkrieg wurden große Teile der Insel als Republik Irland unabhängig. Bis weit in die 1980er Jahre hinein galt das Land als arm, ehe nach dem EU-Beitritt langsam Wohlstand zu wachsen begann. Jüngst gehörte Irland zu den großen Opfern der Finanzkrise.

Doch das Feiern eigener Schwächen, auch bei den Fußballern, gefällt längst nicht allen. "Wir sollten uns nicht gegenseitig verarschen, die Anhänger wollen ihr Team gewinnen sehen", kritisierte Irlands früherer Kapitän Roy Keane bei der EM. Bei allem Respekt für die sagenhaften Fans sollte die deutsche Mannschaft am Freitag eines nicht vergessen: Immerhin qualifizierte sich das Team von Giovanni Trapattoni souverän für die EM. Und bei sieben Siegen verlor die deutsche Mannschaft schon fünf Mal gegen Irland.

Die Nationalmannschaft Irlands im Steckbrief

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