Ricardo Teixeira beugt sich dem Druck

Brasiliens Fußball-Präsident zieht sich zurück

SID
Freitag, 09.03.2012 | 17:27 Uhr
Man kann nur spekulieren, warum er geht: Fußball-Präsident Ricardo Teixeira
© Getty
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Die zweizeilige Mitteilung hatte Ricardo Teixeira, Präsident des brasilianischen Fußball-Verbandes und des Organisationskomitees der WM 2014 persönlich unterzeichnet: Sein Vize José Maria Marin werde seine Amtsgeschäfte als Verbandspräsident für unbestimmte Zeit übernehmen. Über die Motive seiner Auszeit verlor Teixeira kein Wort, ebenso wenig über den Zeitpunkt seiner Rückkehr.

Von seinem Amt als Chef des Organisationskomitees ließ er sich nicht offiziell beurlauben, alle erforderlichen Vorgänge können in seiner Abwesenheit vom ehemaligen Weltmeister Ronaldo unterzeichnet werden.

Für das Umfeld des bisher allmächtigen Herrschers des brasilianischen Fußballs kam die Entscheidung des kurzfristigen Rückzugs allerdings nicht überraschend. Bei einer Vollversammlung des Verbandes Ende Februar hatte er erklärt, dass er sich krankmelden werde. Von einem Rücktritt hatte er damals nicht gesprochen. Vertrauten erklärte er jedoch, dass er kurzfristig sowohl die Verbandsspitze als auch die Leitungen des Organisationskomitees abgeben und in ein anderes Land ziehen werde. In Florida besitzt Teixeira einen beeindruckenden Privatsitz.

Innenministerium ermittelt gegen Teixeira

Auch wenn er selbst nicht über das Motiv seines Rückzuges spricht, so sind gibt es eine lange Liste von Gründen, die ihn zu dieser Entscheidung bewegt haben könnten. Da sind zum einen rechtliche und politische Kämpfe, die in jüngster Vergangenheit an Brisanz gewonnen haben: Für die Abwicklung der TV-Rechte zur Fußball-WM soll Teixeira über die frühere Rechtevermarktungsagentur ISL rund 7,5 Millionen Euro erhalten haben.

Das brasilianische Innenministerium ermittelt gegen Teixeira wegen Unterschlagung von 3,5 Millionen Euro aus Ländermitteln für die Organisation von Freundschaftsspielen der brasilianischen Nationalmannschaft im Jahre 2008.

Die Geschäfte stehen in Verbindung mit der Agentur Ailanto Marketing, gegen die strafrechtliche Ermittlungen laufen. Im Juni vergangenen Jahres soll Barcelonas Präsident Sandro Rosell 1,5 Millionen Euro auf das Konto von Teixeiras Tochter überwiesen haben. Rosell und Teixeira sind Teilhaber von Ailanto Marketing. Und: Seit Mitte des vergangenen Jahres ist das Tischtuch zwischen Teixeira und der brasilianischen Staatspräsidentin Dilma Rousseff zerschnitten.

Gehbehindert nach Sturz vom Pferd

Zudem ist Teixeira gesundheitlich angeschlagen. Seit einem Sturz von einem Pferd ist er gehbehindert, da ein Bein um zwei Zentimeter verkürzt werden musste. Im September 2011 wurde er wegen einer Darminfektion ins Krankenhaus eingeliefert. Eine Woche später erlitt er einen Schwächeanfall. Bis Ende Januar ließ er sich schließlich aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt beurlauben.

Auslöser der Entscheidung, seine Posten womöglich aufzugeben, scheinen eher persönliche Motive zu sein. Seine jüngste Tochter sieht sich zunehmend persönlichen Anfeindungen ausgesetzt, und auch das unrühmliche Ausscheiden seines Onkels Marco Antonio Teixeira, bis vor einem Monat seine rechte Hand und verantwortlich für die Organisation um die brasilianische Nationalmannschaft, haben Ricardo Teixeira zugesetzt. Diese persönlichen Motive scheinen nach Aussagen von Vertrauten schwerer zu wiegen, als die Korruptionsvorwürfe oder gar gesundheitliche Motive.

Ob Teixeira seinen Rückzug realisiert, ist unklar. Laut Statuten kann er bis zu 180 Tage von seinen Amtsgeschäften fernbleiben. Sein Vertreter Marin gilt als unbeschriebenes Blatt. In den ersten Monaten des Jahres hat ein anderer Mann an Bedeutung gewonnen: Andres Sanchez, bis Dezember Präsident von Corinthians Sao Paulo, und seit Januar für die Nationalmannschaften verantwortlich.

Sanchez gilt als starke Persönlichkeit und konnte sich mit der Vergabe des WM-Stadions für die WM-Eröffnung bereits profilieren. Er selbst weist eine mögliche Kandidatur auf den Verbandssitz zwar bisher weit von sich, wird aber immer lauter als Nachfolger Teixeiras gehandelt.

Ricardo Teixeira im Steckbrief

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