Deutschland ist raus: "Uns hat der Mut gefehlt"

Von Für SPOX in Südafrika: Stefan Rommel / Daniel Börlein
Mittwoch, 07.07.2010 | 22:20 Uhr
Die deutsche Mannschaft kam trotz eines bemühten Miroslav Klose (r.) kaum zu Torchancen
© Getty
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Der deutsche Traum vom vierten WM-Titel ist zu Ende. Das Team von Bundestrainer Joachim Löw musste sich Spanien im Halbfinale mit 0:1 (0:0) geschlagen geben. Die Enttäuschung hielt sich dennoch in Grenzen.

Vor 60.000 Zuschauern in Durban erzielte Carles Puyol das einzige Tor des Abends (73.) und machte damit den verdienten Sieg für den Europameister von 2008 perfekt.

Spanien, das erstmals überhaupt in einem WM-Finale steht, trifft am Sonntag auf die Niederlande. Deutschland muss am Samstag im Spiel um Platz drei gegen Uruguay ran.

Nachbetrachtung:

Als Deutschland 2006 im WM-Halbfinale an Italien scheiterte, flossen Tränen im deutschen Lager. David Odonkor lag heulend am Boden, Michael Ballack stand weinend im Mittelkreis und der eine oder andere ließ in den Katakomben seinen Gefühlen freien Lauf. Vier Jahre später war für das deutsche Team wieder Endstation in der Runde der letzten Vier.

Die Enttäuschung war auch dieses Mal groß, Tränen flossen jedoch keine. Dazu war die Überlegenheit der Spanier und der Respekt der Deutschen in den 90 Minuten Spielzeit zu groß gewesen. Zum ersten Mal wurde die Löw-Elf von einem Gegner klar beherrscht und der bislang so überzeugenden Mannschaft die Grenzen aufgezeigt.

"Spanien hat verdient gewonnen", gestand auch Bastian Schweinsteiger ein, schob die Erkenntnis dieses Turniers allerdings gleich hinterher. "Man hat gesehen, dass wir eine gute junge Mannschaft mit Zukunft haben." Innerhalb von nur wenigen Wochen hat sich das deutsche Team enorm entwickelt und bewiesen, dass es auch spielerisch zu den besten der Welt zählt.

Und noch ist diese Entwicklung nicht zu Ende. Offen ist hingegen die Zukunft des Bundestrainers. "Was die Trainerfrage betrifft, wird nach dem Turnier darüber gesprochen", sagte Löw, der sich dafür auf den künftigen Titelträger festlegte: "Ich glaube, dass die Spanier Weltmeister werden."

In der Verfassung, in der sich das Team von Coach del Bosque gegen Deutschland präsentierte, sicherlich kein allzu gewagter Tipp. Spaniens Vorstellung im Halbfinale war bislang der überzeugendste Auftritt des Europameisters bei dieser WM. Ein Grund: Del Bosque verbannte den bisher schwachen Torres auf die Bank und brachte mit Pedro einen weiteren spielstarken Angreifer.

Im Endspiel wird Spaniens Coach daran wohl nichts ändern. Auch die Marschroute wird gegen die Niederländer gleich bleiben: Mit langen Ballbesitzzeiten und hoher Spielkontrolle wird sich der Gegner immer wieder zurechtgelegt, bis irgendwann das entscheidende Tor fällt. Mal sehen, wie lange die niederländische Defensive den Spaniern stand hält.

Reaktionen:

Bundestrainer Joachim Löw: "Kompliment an die Spanier. Ich glaube, dass sie Weltmeister werden, sie sind in den vergangenen zwei, drei Jahren die Besten gewesen. Sie sind spielerisch so gut, sie haben uns an die Grenzen gebracht. Manche konnten die Hemmungen nie richtig abbauen. Die Spanier lassen den Ball so laufen, dass man häufig hinterherrennt. Wir kamen nicht zu den nötigen Ballgewinnen und haben viel Kraft gebraucht."

Kapitän Philipp Lahm: "Die Enttäuschung ist sehr groß. Wir haben uns viel vorgenommen, es ist uns nicht gelungen. In der ersten Halbzeit haben wir nicht mutig genug nach vorne gespielt. Nach hinten haben wir nicht viel zugelassen. Und dann muss man seine wenigen Chancen nutzen. Auf das Spiel um Platz 3 habe ich heute überhaupt keine Lust."

Manuel Neuer: "In diesem Moment ist die Enttäuschung sehr groß. Wir wissen aber, dass wir ein gutes Turnier gespielt haben. Wir haben zu wenig nach vorne gemacht, uns zu wenige Chancen erarbeitet. Uns hat vielleicht ein bisschen der Mut gefehlt. Wir haben in fast jedem Spiel in der ersten Halbzeit Tore gemacht, dadurch stieg unser Selbstbewusstsein. Das war heute anders. Dann hat Spanien das Heft in die Hand genommen und viel mehr Chancen herausgespielt."

Trainer Vicente Del Bosque (Spanien): "Ich möchte keine Namen nennen, aber einige Spieler haben heute eine außergewöhnliche Arbeit geleistet. Sowohl in der Abwehr als auch im Angriff. Wir haben noch ein Spiel vor uns, aber derzeit fühlen wir uns mit dem Ball und physisch unglaublich wohl. Das niederländische Team hat bei dieser WM die Werte des holländischen Fußballs sehr gut präsentiert. Es wird ein schweres Spiel."

David Villa (Spanien): "Die Seleccion hat heute ihr bestes Spiel des Turniers gezeigt. In den wichtigen Momenten kann sich diese Mannschaft immer noch steigern. In unserer Geschichte hat es das noch nicht gegeben, dass wir in ein WM-Finale einziehen. Wir haben einfach eine tolle Gruppe, die schon bei der EM hervorragende Arbeit geleistet hat. Jetzt wollen wir noch mehr."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Deutschland mit der gleichen Aufstellung wie gegen Argentinien. Einzige Änderung: Trochowski ersetzt den gesperrten Müller. Bei Spanien muss Torres auf die Bank, für ihn beginnt Pedro.

14.: Xavi und Iniesta spielen auf rechts Schweinsteiger und Boateng schwindelig. Iniesta mit der scharfen Flanke an den Fünfer. Puyol mit dem Flugkopfball - knapp drüber!

32.: Endlich mal Trochowski in der Offensive! Schuss aus 25 Metern halbrechts. Der Ball kommt flach auf die kurze Ecke, Casillas macht sich lang und klärt zur Ecke.

50.: Überragend! Xavi legt blitzgescheit auf Xabi Alonso ab. Der zieht aus 22 Metern mit links ab. Diesmal ein satter Strich - rechts vorbei.

58.: Riesen-Chaos in der deutschen Abwehr! Pedro kommt aus 18 Metern frei zum Schuss. Neuer fischt den Ball mit der rechten Faust noch aus der Ecke, aber Mertesacker verpennt den Abpraller. Iniesta schaltet schneller, geht alleine links zur Grundlinie und schiebt quer. Villa verpasst am langen Pfosten nur um Zentimeter.

69.: Und da ist die Riesenchance für Deutschland! Özil spielt Podolski auf links frei, der chippt den Ball an den Elfmeterpunkt. Kroos läuft ein und nimmt das Ding volley - aber Casillas hält!

73., 0:1, Puyol: Ecke von Xavi von links. Puyol nimmt am Elfmeterpunkt Anlauf und wuchtet den Ball mit purer Gewalt mit dem Kopf in die rechte Ecke. Khedira stört nicht energisch, Neuer hat keine Chance gegen das Geschoss.

82.: Zu arrogant! Spanien mit der Konterchance, Pedro jedoch verkünstelt sich, Friedrich und Kroos klären.

Fazit: Spanien war dem deutschen Team in allen Belangen überlegen. Deshalb: absolut verdienter Sieg.

Der Star des Spiels: Pedro (SPOX-Note: 1). Der Barca-Spieler kam für den bislang schwachen Torres ins Team - und rechtfertigte seinen Einsatz vollkommen. War enorm viel unterwegs, schaffte sich dadurch viele Freiräume und war fürs deutsche Team nie zu fassen. Dazu extrem dribbelstark und immer mit dem Zug zum Tor. Damit ging del Bosques Plan genau auf. Vertändelte kurz vor Schluss allerdings die Entscheidung leichtfertig (82.).

Bastian Schweinsteiger war für die SPOX-User der "Man of the Match"

Die Gurke des Spiels: Piotr Trochowski (SPOX-Note: 5). Lange wurde gerätselt, wer den bislang überragenden Müller ersetzen wird. Löw entschied sich für den Hamburger, lag damit allerdings daneben. Nur einmal konnte Troche seine Schussstärke einsetzen (32.), ansonsten lief das Spiel komplett an ihm vorbei. Dieser Gegner war mindestens eine Nummer zur groß für Trochowski.

Die Pfeife des Spiels: Viktor Kassai. Der Ungar lag zwar zusammen mit seinen Assistenten bei ein, zwei Abseitsentscheidungen daneben, hatte die Partie ansonsten im Griff. Hielt sich angenehm im Hintergrund und machte wenig Aufhebens um seine Entscheidungen. Guter Auftritt.

Analyse: Vor der Partie dachten viele, beide Teams begegnen sich auf Augenhöhe. Hinterher muss man resümieren: Spanien spielte über weite Phasen der Partie mit Deutschland Katz und Maus. Das Team von Coach del Bosque kontrollierte das Spiel mit enormer Ballsicherheit und Passgenauigkeit und ließ die Deutschen meist nur hinterherlaufen.

Hatte die DFB-Elf den Ball, attackierte Spanien sehr früh, so dass nie ein unbedrängter Spielaufbau zustande kam. Die Folge: viele Ballverluste, teilweise schon in der eigenen Hälfte. Auch Schweinsteiger, der immer wieder den Ball forderte, gelang es nicht, Ruhe ins Spiel zu bringen.

Immerhin stimmte größtenteils die Defensiv-Ordnung. Mit Ausnahme eines Steilpasses auf Villa (6.) und einer Flanke auf Puyol (14.), ließ die deutsche Hintermannschaft in Halbzeit eins keine klare Torchance zu. Khedira und Schweinsteiger machten den Raum vor der Abwehr geschickt dicht. Mertesacker und Friedrich antizipierten viele Aktionen gut, hatten im Aufbauspiel jedoch Schwächen.

Nach dem Wechsel verlor Deutschland die Defensiv-Ordnung ein wenig, weil die Abstände zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen zu groß wurden und die beiden Innenverteidiger zu wenig Hilfe bekamen. Dennoch brauchten die Spanier einen Eckball, um das Tor des Tages zu erzielen. Puyol überlistete die deutsche Raumdeckung und belohnte sein Team damit für eine starke Leistung.

Deutschland - Spanien: Fakten zum Spiel

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