WM 2010

Mit Cowboy, Krieger und Schnuller ins Halbfinale

SID
Dienstag, 15.06.2010 | 14:35 Uhr
Arturo Vidal mit Chile hoch hinaus
© Getty
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Ein Cowboy und ein Krieger in der Defensive, ein Schnuller im Sturm und ein Frauenschwarm auf der Bank: Chile fühlt sich für das WM-Comeback nach zwölf Jahren bestens aufgestellt und will die Fußball-Welt überraschen.

"Wir wollen ins Halbfinale und Geschichte schreiben", sagt Bundesliga-Profi Arturo Vidal von Bayer Leverkusen vor dem Auftaktspiel der Chilenen am Mittwoch in Nelspruit gegen Honduras (Mi. 13.15 Uhr im LIVE-TICKER und auf SKY).

Mauricio Isla ist gar noch forscher: "Wir wollen Weltmeister werden. Wir wissen, dass wir die Chance dazu haben", behauptet der Abwehrspieler von Udinese Calcio. Dabei wartet Chile seit 48 Jahren und 13 Spielen auf einen Sieg bei einer WM-Endrunde.

Vidal, in seiner Heimat "Krieger" genannt, und Isla - der Cowboy - gehören zur Generation der U 20 von 2007. Diese wurde in Kanada WM-Dritter und stellt nun das Gerüst der aktuellen Roja (die Rote).

Der trauen viele einen Sensationscoup zu. Bei einer Internetwahl des Weltverbandes FIFA stimmte ein Drittel aller User für die Südamerikaner als das potenzielle Überraschungsteam der WM. Honduras wurde mit 8,8 Prozent Vierter.

"Wir wollen ganz Chile eine Freude machen"

"Wir wollen ganz Chile eine Freude machen, denn das Land hat in den letzten Monaten eine schwere Zeit durchgemacht", äußert Vidal mit Blick auf das verheerende Erdbeben Ende Februar.

Die großen Hoffnungen ruhen dabei auf dem Trainer und dem Torjäger. Coach Marcelo Bielsa, in seiner argentinischen Heimat "Der Verrückte" genannt, formte aus vielen Talenten ein starkes Team.

Sein auslaufender Vertrag soll gleich bis 2015 verlängert werden. Die frühere Staatspräsidentin Michelle Bachelet, die bei Chiles WM-Qualifikation noch im Amt war, ist ganz vernarrt in Bielsa.

"Er ist ein interessanter und attraktiver Typ, eine fatale Kombination für Frauen", sagte Bachelet, die Bielsa und das Team am Dienstag im Mannschaftsquartier besuchte.

Souza doppekt so erfolgreich wie Messi

Im Sturm setzen die Chilenen auf Humberto Souza, mit zehn Treffern bester Schütze der Südamerika-Qualifikation und damit mehr als doppelt so erfolgreich wie Weltfußballer Lionel Messi (Argentinien/4).

Den bulligen Souza von Real Saragossa nennen sie in der Heimat den Dicken. Oder als Ironie auf seine aggressive Spielweise Schnuller.

Vier Spieler aus dem WM-Team von 1982 vor Ort

Den Honduranern, müssen bei ihrer zweiten WM-Teilnahme nach 1982 dagegen auf ihren Top-Torjäger Carlo Costly (Fußbruch) verzichten. "Niemand kann Costly ersetzen", sagte Nationaltrainer Reinaldo Rueda nach dem Ausfall des sechsmaligen Quali-Torschützen.

Die Honduraner sind aber beflügelt, von der unerhofften Qualifikation am 15. Oktober, den die Regierung daraufhin als Nationalfeiertig ausrief. Genau umgekehrt zu Schalke 04 im legendären Meister-Duell 2001 hatten die Spieler nach dem letzten Spiel in El Salvador (1:0) schon geweint, als der 2:2-Ausgleich der USA gegen Rivale Costa Rica doch noch das WM-Ticket bescherte.

Der aus dem Innenraum verwiesene Rueda fieberte damals in der Kabine mit. "Dort habe ich die Heilige Jungfrau auf Knien angefleht, in den USA für ein Wunder zu sorgen", sagte er später.

Irdischer Beistand soll es nun in Südafrika richten. So gehören Staatspräsident Porfirio Lobo und vier Spieler aus dem WM-Team von 1982 zu den 1800 Anhängern der Honduraner vor Ort.

Hitzfelds WM-Debüt gegen Spanien

 

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